Linzer Physiker für Strom erzeugende Gummimuskeln ausgezeichnet

24. November 2011, 15:24
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Siegfried Bauer erhält hochdotierten "Advanced Grant"

Linz/Wien - Der an der Uni Linz tätige Physiker Siegfried Bauer erhält einen hochdotierten Förderpreis des Europäischen Forschungsrats (European Research Council, ERC). Bauer wurde für sein Projekt "Stretching soft matter performance: From conformable electronics and soft machines to renewable energy" ein mit rund 2,5 Millionen Euro dotierter "Advanced Grant" zuerkannt, teilte die Uni Linz am Donnerstag mit. Eines der Ziele der Forscher: Mit Hilfe künstlicher Gummi-Muskeln aus Meereswellen Strom erzeugen.

"Unsere Forschung beruht auf drei Säulen", erklärte Bauer, der an der Abteilung Physik der weichen Materie am Institut für Experimentalphysik der Uni Linz arbeitet. Ganz am Anfang stehe man noch bei der dehnbaren Elektronik. Schon weiter fortgeschritten sei man bei weichen Aktuatoren, wo es bereits erste Produkte am Markt gebe, obwohl noch viele Fragen offen seien. Im dritten Kernbereich geht es um die Umwandlung von mechanischer in elektrische Energie. Künstliche Gummi-Muskeln sollen mittels Meereswellen in Zukunft Strom erzeugen können. "Auf diese günstige und effiziente Idee setzen viele Experten große Hoffnungen, einen Beitrag zur Lösung des weltweiten Energieproblems zu liefern", so der seit 1997 als Professor in Linz tätige Forscher.

Im Jahr 2000 haben US-Wissenschafter gezeigt, dass gummiartige Materialien ihre Form stark verändern, wenn man eine hohe elektrische Spannung anlegt. Was zunächst als Kuriosum galt, fand schnell Ideen für Anwendungen, etwa als künstliche Gummi-Muskeln. Bauer will das Phänomen in umgekehrter Weise nutzen: die Gummi-Muskeln sollen etwa in Wellenkraftwerken mechanische in elektrische Energie umwandeln. Dazu müssten die Wellen einen Kondensator aus Gummi verformen. Das Dehnen und Entspannen ändert die elektrische Kapazität des Gummikondensators. Elektrische Ladungen, die von einem Solarpanel kommen können, könnten so von einer geringen auf eine hohe Spannung gepumpt werden.

Dehnbaren Elektronik

Aber auch in der Robotik, bei der Gestaltung von elektrisch veränderbaren optischen Linsen, Handys oder verformbaren Bildschirmen könnten die an der Uni Linz entwickelten Technologien eine wichtige Rolle spielen. "Wir hoffen, vor allem im Bereich der dehnbaren Elektronik schon recht bald weitere Fortschritte zu erzielen", so Bauer, der in der Auszeichnung eine "sehr wichtige Anerkennung der tollen Arbeit, die mein kreatives Team leistet", sieht.

Die "Advanced Grants" stellen das "Flaggschiff-Programm" des ERC dar, mit dem die EU Grundlagenforschung fördert. Damit sollen anspruchsvolle und risikoreiche fünfjährige Forschungsprojekte gefördert und die Wissenschafter ermutigt werden, die bestehenden Grenzen des Wissens und der Disziplinen zu überschreiten. Die "ERC Advanced Grants" wurden heuer zum vierten Mal ausgeschrieben, insgesamt haben sich knapp 2.300 Forscher um die Auszeichnung beworben. (APA)


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JKU Linz: Soft Matter Physics

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