Regime steckt Menschenrechtler vier Jahre ins Straflager

24. November 2011, 14:48
  • Artikelbild
    foto: epa/tatyana zenkovich

    Ales Beljazki muss ins Gefängnis.

Wegen angeblicher Steuerhinterziehung - Kritik der EU und OSZE am Urteil

Minsk - Der prominente weißrussische Menschenrechtler Ales Beljazki (49) muss in der autoritären Ex-Sowjetrepublik für viereinhalb Jahre ins Straflager. Richter Sergej Bondarenko verurteilte den Leiter des inzwischen geschlossenen Menschenrechtszentrums Wesna (Viasna) in Minsk am Donnerstag wegen Steuerhinterziehung. Die EU hatte den Prozess als politische Inszenierung angeprangert. Beljazki hatte mit seiner Organisation auch Gegnern von Präsident Alexander Lukaschenko geholfen, der als "letzter Diktator Europas" gilt.

Der Präsident des Europaparlaments, der Pole Jerzy Buzek, verurteilte den Schuldspruch gegen Beliazki. Das EU-Parlament sei "höchst besorgt angesichts der ungerechtfertigten Strafverfolgung und Verurteilung" Beliazkis, erklärte Buzek in Brüssel. Die Vorwürfe gegen ihn seien "politisch motiviert und nicht gerechtfertigt". Der Parlamentspräsident rief die weißrussische Regierung auf, Beliazki ebenso wie alle anderen politischen Häftlinge "unverzüglich und bedingungslos" freizulassen und erhobene Anklagen fallenzulassen.

Nach dem Richterspruch kam es nach Angaben der unabhängigen Minsker Agentur Belapan zu Protesten unter den Zuschauern. "Freiheit für Beljazki", forderten Bürgerrechtler. Das Gericht konfiszierte nach Informationen eines Reporters am Donnerstag zudem das gesamte Eigentum des 49-jährigen Ales Beliazki. "Viasna wird nicht aufhören zu arbeiten", erklärte Beliazki nach dem Urteil. Das Wesna-Zentrum habe seit 1996 Tausenden Menschen in Belarus helfen können. "Ich werde meine Arbeit fortsetzen - im Gefängnis oder in der Freiheit", sagte Beliazki. Sein Anwalt kündigte an, in Berufung zu gehen.

Der derzeitige OSZE-Vorsitzende, der litauische Außenminister Audronius Azubalis, drückte in einer Aussendung seine Betroffenheit aus und forderte die Freilassung Beliazkis. Das norwegische Helsinki-Komitee für Menschenrechte bezeichnete das Urteil als "Schande für Europa".

Scharfe Kritik Deutschlands

Auch die deutsche Regierung kritisierte den Richterspruch scharf und forderte die sofortige Freilassung des Bürgerrechtlers. "Ich fordere die Freilassung und Rehabilitierung aller politischen Gefangenen in Belarus", sagte der Menschenrechtsbeauftragte der deutschen Bundesregierung, Markus Löning (FDP), einer in Berlin veröffentlichten Mitteilung zufolge. Es handle sich um einen "Schauprozess", schrieben Bundestags-Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt und die Abgeordnete Marieluise Beck (beide Grüne) in einer ebenfalls in Berlin verbreiteten Mitteilung. "Diktator Lukaschenko versucht, in Zeiten des wirtschaftlichen Zusammenbruchs mit stalinistischen Methoden eine Atmosphäre der Angst zu verbreiten."

Das Gericht in Minsk blieb unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die fünf Jahre Straflager beantragt hatte. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert. Richter Bondarenko ordnete eine Beschlagnahmung von Beljazkis Vermögens an.

Der mit vielen Preisen ausgezeichnete Beljazki war gegen internationalen Protest Anfang August festgenommen worden. Die Anklage warf ihm vor, über illegale Konten in den Nachbarländern Litauen und Polen verfügt zu haben. In den Jahren 2008 bis 2011 soll er 567.700 Euro von den Auslandskonten nicht deklariert haben. Die beiden NATO-Staaten hatten im Zuge von Amtshilfe den weißrussischen Behörden Unterlagen überreicht, später aber deren Verwendung als Belastungsmaterial kritisiert.

Beliazki wies die Vorwürfe der Anklage zurück. Das Geld sei von ausländischen Menschenrechtsorganisationen gezahlt worden, um die Arbeit von Wesna zu unterstützen. Es sei kein privates Einkommen. Wesna hatte 2003 nach wiederholten Konflikten mit den weißrussischen Behörden seine amtliche Eintragung verloren und ist seitdem gezwungen, seine Büros und Finanzangelegenheiten im europäischen Ausland zu betreiben. (APA/AFP)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 46
1 2
Patrick Star3
00
25.11.2011, 12:02
In Russland soll...

.. ja das Steuerrecht dermaßen verwinkelt sein, daß auch wenn mans richtig machen will keine Chance hat. Auch eine Methode um Druck auf die Massen auszuüben.

Frankensteins Fekternich
00
25.11.2011, 10:07

Und wie reagiert das offizielle Österreich, die Regierung, auf diese Meldung?
Hat es ein Protestschreiben gegeben?
Reagiert Österreich nicht, weil man in Sachen Menschenrechten selber Dreck am Stecken hat (Tierschützerprozess)?

barney
05
25.11.2011, 06:54
Objektivität?

"Regime steckt Tierrechtler 3 Monate in U-Haft!"
Wo war diese Schlagzeile?

pipi pipifax
02
25.11.2011, 11:26

haben's geschlafen waehrend des tierschuetzerprozesses?

DuesselDoofer
40
25.11.2011, 09:43
welches "Regime"...

soll das denn gewesen sein??

bitte um Aufklärung.

danke.

lg

Tomminger
11
24.11.2011, 17:34
Heuchler !

Mir gehen die adabei-Kommentare diverserer sich medienwirksam echauffierender Politiker extrem auf die Nerven.

Wenn eine(r) von ihnen tatsächlich etwas tun würde, oder zumindest auf tatsächlichen Umstände eingehen würde, wäre das ok, aber die in wirtschaftlicher Geiselhaft befindlichen Granden sprechen nur plakativ dem erwarteten Aufschrei vor, um ein paar % Menschlichkeit in der Wahrnehmung der Wähler zu erhaschen.

Rückgrad ... ach, was fantasier ich. :/

Politikerkommentare mögen zu so einem Artikel gehören, aber ich muss sie nicht mögen.

byron sully
44
24.11.2011, 17:29

hoffentlich gibt's 2012 einen weißrussischen frühling und lukaschenko landet für seine verbrechen vor gericht!

Horst Holzinger
49
24.11.2011, 17:05
Vom interessierten Ausland bezahlte Menschenrechtler sind keine Menschenrechtler sondern Söldner.

Merkwürdig, dass sich diese "Menschenrechtler" in Kuba, China und Weissrussland für ihre Menschenrechtlerei gut bezahlen lassen.

In Deutschland wäre dies übrigens ein Verstoss gegen das Parteiengesetz und wird mit Zuchthaus belegt.
Der DKP-Vorsitzende Herbert Mies musste in den Knast, weil man ihm nach der Wende 1989 nachwies, dass die DKP Gelder aus der DDR erhalten habe. Die DDR galt zwar nicht als Ausland nach der deutschen Rechtsprechung, aber in diesem Fall dann doch ...

Jürgen Rembremerding
33
24.11.2011, 22:34
"In Deutschland wäre dies übrigens ein Verstoss gegen das Parteiengesetz und wird mit Zuchthaus belegt. "

Die ist kein Blödsinn zu groß!

Horst Holzinger
12
25.11.2011, 01:20

http://www.bundestag.de/dokumente... pg_pdf.pdf

Parteiengesetz, §25, Abs. 2
Unerlaubte Parteispenden sind "Spenden von außerhalb des Geltungsbereiches dieses Gesetzes".

§31d
Wer die Geldeingänge nicht ordnungsgemäss meldet und dann an den Bundestag weiterleitet, also verschleiert
"...wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft"

Jürgen Rembremerding
23
25.11.2011, 07:48
Eine individuelle Person ist keine "Partei"

Und "Zuchthaus" gibt es auch nicht mehr!

DuesselDoofer
00
25.11.2011, 18:14
ja, leider nicht,...

das stimmt.

Lg

Girgl Galgenstein
31
24.11.2011, 18:13
Weil nicht sein kann, was nicht sein darf

sind sämtliche Dissidenten in den wenigen, noch verbliebenen sozialistischen Ländern natürlich gekauft. Stellen Sie sich vor: auch ich bin gegen diese pseudodemokratischen sozialistischen Herrschaftsstrukturen. Dafür braucht mir niemand etwas zu zahlen. Die Erfahrung damit alleine genügt schon, um mich mit Grauen von diesen Ländern abzuwenden.

papst benedikt
23
24.11.2011, 20:41

es sind weder sämtliche dissidenten auf diesem planeten gekauft noch sind sämtliche reinen herzens.
dissidenten gab/gibt es natürlich auch ausserhalb von
china, burma, weissrussland, russland, kuba oder anderer ex sozialistischer länder. aber das kann ja nicht sein, weil es nicht sein darf ...

diamant
52
24.11.2011, 21:24
Sie sind ja auch 'Dissident', oder?

Koennte micht nicht errinnern dass ihnen das Leben vergleichbar schwer gemacht wird, wie dem Herrn da oben....

Sicher im Forum nimmt sie niemand ernst, aber das faellt wohl noch nicht unter den Folterparagrafen!

Horst Holzinger
02
25.11.2011, 01:22

wenn er Hundertausende vom Iran oder Russland überwiesen bekommt, damit er dissidiert, wird sich der Staat bald um ihn kümmern.

papst benedikt
00
24.11.2011, 23:56

"Koennte micht nicht errinnern..."

kennen wir uns?
wenn nicht, schlage ich vor, Sie ersparen mir pathetische betrachtungen über mein leben und den anderen lesern "witzige" anspielungen zum thema "folter".

NONE
11
24.11.2011, 23:56

Unglaublich dein Beitrag.

Rot ins unendliche für dich. Er bringt Statements rein, du greifts ihn daraufhin an anstatt seine Statements zu kritisieren....

gensfleischs_erbe
00
24.11.2011, 18:03

Herbert Mies wurde weder wegen eines Verstoßes gegen das Parteiengesetz angeklagt noch verurteilt. Er war aus diesem Grund auch nie im Gefängnis.

papst benedikt
00
24.11.2011, 20:43

viele andere anhänger der deutschen kommunistischen partei, die in den fünfziger und sechziger jahren in deutschland verboten war aber schon.

gensfleischs_erbe
00
24.11.2011, 21:31

Die KPD (Kommunistische Partei Deutschlands) und die SRP (Sozialistische Reichspartei) sind in Deutschland nachwievor verboten. Die Verurteilungen von KPD-Mitgliedern beriefen sich meist auf Mitgliedschaft in einer verfassungsfeindlichen Vereinigung, 1968 gab es diesbezüglich eine Generalamnestie. Wegen illegaler Parteienfinanzierung wurde meines Wissens nach bisher noch niemand in BR Deutschland zu einer Haftstrafe verurteilt, noch nicht einmal Kohl.

Standard Leser4
 
20
25.11.2011, 13:44

Aber vermoegende Buerger wie Klaus Zumwinkel, ehem Deutsche Post Geschaeftsfueher koennen sich ihre Strafe nach Gusto gestalten. Selbst der hoechste Bundesrichter meinte fuer d Steuerbetrug v Zumwinkel waere eine Freiheitsstrafe von 3 Jahren ohne Bewaehrung "gut vertretbar"
Sehen Sie genauso sieht man es auch in Weissrussland. Dort ist es ein Steuerbetrug. Nur der sogenannte Westen der die Bestechungsgelder bezahlt hat, sieht es anders.

pipi pipifax
51
24.11.2011, 17:28

und sie bekommen ihr geld von putin, lukaschka und frueher auch gadaffi in den a.... geblasen? das waere doch ihre logik, sie w.

Plagiator
55
24.11.2011, 15:52

Die letzten Präsidentschaftswahlen in Belarus waren von den int. Wahlbeobachtern als fair bezeichnet worden. Warum ist also immer von einem Diktator die Rede?
Als Bush durch massiven Wahlbetrug an die Macht kam schwieg die demokratische Öffentlichkeit.
Soll ein Staat zusehen wie vom Ausland eine Opposition aufgebaut und finanziert wird? Ist das nicht Landesverrat?
Wer vergibt an diese Figuren denn die vielen Preise?
Wird mit Preisgeldern die Opposition finanziert?

Kahuna
20
24.11.2011, 17:15
Bezahlte Einschaltung

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 46
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.