Erneut keine Lösung im Streit um Kastenstand

24. November 2011, 13:59
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Annäherung in Gesprächen zwischen Berlakovich und Stöger - Einigung für kommende Woche angestrebt

Wien - Der Streit um die Haltung von Muttersauen in der österreichischen Schweinebranche, der seit Monaten heftig ausgefochten wird, konnte auch am Donnerstag bei neuen Verhandlungen in Wien nicht beigelegt werden. Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich und Tierschutzminister Alois Stöger sahen in ihren Gesprächen aber Annäherungen: "Wir sind optimistisch, kommende Woche eine Einigung zu erzielen", so der Landwirtschaftsminister nach dem Gespräch vor Journalisten.

Die Landwirtschaft sei bereit, die Zeitdauer der umstrittenen Muttersau-Haltung zu verkürzen, so Berlakovich. Konkreter wurde er nicht. Die Tiere werden in der Zeit rund um einen Wurf in einem 1,90 mal 0,65 Meter großen sogenannten Kastenstand, der vergittert ist, gehalten. "Freie Buchten sind aus Kosten- und Betreuungsgründen aber nicht praktikabel", sagte der Minister. Der Kastenstand diene zum Schutz der Ferkel, die ansonsten vom Muttertier erdrückt werden könnten. "Und es gibt noch kein praktikables alternatives Aufstellungssystem. Ein solches ist vor einer geplanten Übergangsfrist zur Umstellung der Haltung noch zu entwickeln."

EU-Regelung bis 2013 umzusetzen

Derzeit ist es in Österreich theoretisch möglich, eine Muttersau ganzjährig in einen Kastenstand zu sperren. Die Obergrenze der EU beträgt 26 Wochen, die ab 2013 umzusetzen ist. Die Bauern waren zuletzt dazu bereit, die Dauer der Haltungsart auf 13 Wochen zu senken.

Stöger hatte im Sommer vorgeschlagen, die Sauen maximal 20 Tage im Kasten unterzubringen - mit einer Übergangsfrist bis 2020. In Schweden und in der Schweiz wurde der Kastenstand bereits komplett abgeschafft.

Nun wurde von den Verhandlungspartner vereinbart, bis zu den Gesprächen in der kommenden Woche potenzielle Verordnungstexte zu formulieren. "Eine Einigung ist dann realistisch", so Berlakovich. "Es geht auch um die Planungssicherheit für die Schweinebauern." Bei einer Einigung sei auch die angedrohte Klage seitens der Volksanwaltschaft vom Tisch: "Wenn sich die Branche und zwei Minister einigen, dürfte es zu keiner Klage kommen."

Schutz der Bauern

Der designierte Bauernbundpräsident Jakob Auer wies darauf hin, dass es nicht nur um den Tierschutz, sondern auch um den Schutz der Bauern gehe. Eine Muttersau könne ob ihrer Aggressivität nicht gänzlich freigehalten werden. "Die muss man fixieren, die schnappt zu", so Auer. Die Wirtschaftlichkeit müsse auch bedacht werden, um die Schweinezucht in Österreich nicht zu zerstören. Als Schweinemäster wolle er weiter österreichische Ferkel kaufen - "mit klarer Herkunft".

Angesprochen auf Schweden und die Schweiz meinte Berlakovich, die Schweiz sei ein abgeschotteter Markt", wo die Schweinezüchtung ohne Kastenstand wirtschaftlich funktioniere. In Schweden sei die Zahl der Zuchtschweine von einer Million anno 1992 auf aktuell 427.000 gesunken, argumentierte Auer für die heimische Schweinewirtschaft. (APA)

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