"Internet Water Army"

Software macht Jagd auf bezahlte Forennutzer

Eva Zelechowski, 24. November 2011, 12:04
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    foto: screenshot, sina.com

    "Bezahlte Poster repräsentieren einen neuen Typ von Internetjobs, die darauf abzielen, die Meinung anderer Forennutzer zugunsten bestimmter Social Events oder Geschäftsmärkte zu beeinflussen", sagt Forscher Cheng Chen, der als bezahlter Poster in die Szene abtauchte.

Trefferquote 88 Prozent - Forscher heuerte als "gekaufter" Poster an, um Phänomen zu erkunden

Bezahlte Forennutzer halten sich in Internet-Foren auf und werben gezielt für Produkte und Dienstleistungen oder verbreiten gefälschte Testberichte und Gerüchte im Netz. Nun hat der Wissenschaftler Cheng Chen von der Universität in Victoria, Kanada, eine Software entwickelt, die bezahlte Forennutzer wie eine Art Spamfilter ausfindig macht. Dafür heuerte er für den Job an, um mehr über das Phänomen und Verhalten von Paid Postern zu erfahren.

Internet Water Army

In China werden sie als "Internet Water Army" bezeichnet und durchfluten, wie der Name schon andeutet, in Scharen das Web, berichtet Golem. Ihr Ziel: Konkurrenzprodukte schlecht machen, indem falsche Informationen verbreitet werden, und das eigene Produkt positiv hervorheben.

"Interessante Marketingstrategie"

In seinem Paper "Battling the Internet Warter Army: Detection of Hidden Paid Posters" schreibt Chen: "Bezahlte Poster repräsentieren einen neuen Typ von Internetjobs, die darauf abzielen, die Meinung anderer Forennutzer zugunsten bestimmter Social Events oder Geschäftsmärkte zu beeinflussen. Obwohl es eine interessante Marketingstrategie ist, können bezahlte Forennutzer einen signifikant negativen Effekt auf Online-Communities haben, da ihren Informationen nicht getraut werden kann."

"Normale User" überfordert

Wenn zwei konkurrierende Unternehmen Nutzer engagieren, um falsche oder negative Kommentare über einander zu posten, fühlen sich "normale User" überfordert, heißt es weiter. Es fiele ihnen in weiterer Folge schwer, Informationen und Nachrichten aus dem Internet Glauben zu schenken.

Analyse

Gemeinsam mit drei Kollegen hat Chen einen neuen Ortungsmechanismus entwickelt, der sowohl nach nicht-semantischer als auch semantischer Analyse vorgeht, um potenzielle bezahlte Poster zu identifizieren. Damit sollen Online-Diskussionen wieder glaubhafter werden.

Fertige Inhalte

Zunächst heuerte Chen bei einer Agentur an, die bezahlte Forennutzer einstellt. Wie vom Auftraggeber vorgegeben, registrieren sich Paid Poster bei bestimmten Webseiten und verlinken zu anderen Seiten und schreiben Kommentare. Häufig geht der Job über eine Anweisung hinaus, sie erhalten sogar fertige Texte, die sie posten sollen.

Kontrolle

Entgolten wird nach Quantität, also nach Anzahl veröffentlichter Artikel. Allerdings führen die Auftraggeber regelmäßige Kontrollen durch, um zu überprüfen wie die Inhalte verarbeitet wurden. Wenn die "Arbeit" nicht mit vorgegebenen Schlagwörtern versehen oder vom Website-Betreiber entfernt wurde, bezahlt der Arbeitgeber nicht.

Sina und Sohu

Das Forscherteam eruierte zunächst die Mechanismen und machte sich anschließend an die Foren der zwei größten chinesischen Portale Sina und Sohu. Im Speziellen konzentrierte man sich auf zwei Firmen, von denen vermutet wird, die Internet Water Army zu beschäftigen.

Alle 2,5 Minuten ein Posting

Die Wissenschaftler fanden 200 Nutzer mit über 1.000 Einträgen auf dem Portal Sohu und 500 User mit über 20.000 Kommentaren auf Sina. Anhand einer Analyse sollten falsche und richtige Poster entlarvt werden. Da auch in diesem Fall Zeit Geld ist, veröffentlichen bezahlte Forennutzer durchschnittlich alle 2,5 Minuten ein Kommentar. Es wird nach dem Copy-Paste-System vorgegangen und die Identität wird üblicherweise nur einmal verwendet.

Filter nach Kriterien

Die von Chen und seinen Kollegen entwickelte Software durchforstet Foren und filtert sie nach Kriterien, die basierend auf den gewonnenen Erkenntnissen erarbeitet wurden. Dazu zählen zum Beispiel auffällige Ähnlichkeiten oder Wiederholungen in den Forenpostings. 

Hohe Trefferquote

Mit ihren ersten Test-Ergebnissen zeigen sich die Forscher zufrieden, sie liefern eine Trefferquote von 88 Prozent. (ez, derStandard.at, 24.11.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 260
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Dagmar Rehak Wien
 
04
25.11.2011, 16:51
Scheiße...

Jetzt haben sie mich.

*.*
10
25.11.2011, 12:05

trefferquote 88%?

wie ist diese überprüft worden?
in zusammenarbeit mit den firmen?
durch menschliche überprüfung? -ich glaube das ist bezahlt?
kaffeesud lesen?
würfeln?

oder hat man einfach vergessen den toleranzbereich von 99% anzugeben?

ich schätze die trefferquote auf maximal 50%.
habe gerade eine münze geworfen, wurde anscheinend nicht für dieses posting bezahlt.

Napoleon XIV.
00
26.11.2011, 00:24
Erwischt worden?

NoPod
10
25.11.2011, 11:54
Amazon Rezensionen ok?

Im Moment kommt Amazon ohnehin nicht als Kaufportal in Frage, was zwar schade ist, aber bei Ausbeutern will ich nicht kaufen.
Nur, davor habe ich immer sehr interessiert die Rezensionen gelesen. Sie waren letztendlich immer Kauf entscheidend. Manche sind aber so umfangreich und detailliert, dass ich jetzt nicht mehr sicher bin, ob sie nicht auch von Kampfpostern unterwandert werden.

Ceterum Censeo2
00
25.11.2011, 12:26
Was mich zusätzlich stört, ist, dass die Rezensionen bei Google an prominenter Stelle in Verbindung mit dem Namen des Rezensenten veröffentlicht werden.

avision
01
25.11.2011, 12:00
Und es geht noch viel weiter ...

Geld ist zum Wertemaßstab
für nahezu alles geworden: Zeit, Arbeit, Waren, Unternehmen, Land, sogar Tiere und Pflanzen, und teilweise auch Menschen. Materieller Reichtum ist neben der sexuellen Attraktivität schlichtweg DAS Kriterium nach dem Menschen innerhalb der sozialen Hierarchie eingestuft werden.

Wenn wir denken, dass Menschen mit Geld alle gierig und skrupellos sind, dann werden wir nicht viel Geld haben in unserem Leben. Es wird einen großen Bogen um uns machen. Wir stossen es dann quasi ab.

Du wirst zu dem, was Du denkst.

http://changenow.de/du-bist-w... du-denkst/

NoPod
00
25.11.2011, 19:28

Ihre Werbung zielt auf die falsche Zielgruppe ab. Machen sie doch ihren Profit, aber platzieren sie ihre Postings intelligenter!
Sonst wird das nie was mit dem Reichtum. So fokusiert können sie gar nicht sein ;)

N7
03
25.11.2011, 12:37

Ist witzig, aber das hab ich mir auch schon oft gedacht und erlebt. Ich persölich will gar nicht so viel Geld haben ... mir reicht fast mein derzeitges Gehalt. Es gibt in meinem Leben so vieles was wichtiger ist, als Geld anzuhäufen und fette Autos zu fahren.

Roter Baron
00
25.11.2011, 10:19
hier gibts die schon seit schüssel

gottisttot
00
25.11.2011, 10:29

Ich unterstelle mal, dass die politisch motivierten Kampfposter ihre parteiliniengetreuen Postings unentgeltlich aus ideologischem Eifer machen.

Genauso wie die, zumindest österreichische, Wahlkampfmaschinerie auf die "Basis" aufbaut, die im ideologischen Eifer viel gratis macht.

MemoryDragon
13
25.11.2011, 10:59
Also

Für den Hämmorhoidengeplagten sozialistischen Österreicher gibts nichts besseres als unseren Bundeskanzler Werner Faymann. Unser Bundeskanzler Werner Faymann arbeitet Tag und Nacht daran die Probleme Österreichs zu lösen. Sein Wahlspruch Wir machen das Schon ist Geschichte und Kult seine Aalglatte Art behebt jede Verstopfung und lindert den Schmerz des einfachen Sozialistischen Wählers. Darum 2012 Faymann wählen unseren Bundeskanzler.

12345 ... weiter weiss ich nicht!
01
25.11.2011, 09:50
beim Faymann ...

bei Apple, ect.
da gibts genug!
Die FPÖ zahlt sicher auch net schlecht!

Dieter Schnuff
01
25.11.2011, 09:37
man kann für sinnloses posten geld bekommen?

wo genau kann ich mich dafür bewerben?

1000 Kopfläuse können nicht irren
13
25.11.2011, 09:31
Jawohl, machen wir uns alle verrückt.

Hinter jedem Baum, hinter jeder Tastatur, hinter jedem Lenkrad, überall stecken nur schlechte, fiese, miese Menschen dahinter. Nehmen wir von allen Menschen immer das Schlechteste an und wir können nicht enttäuscht werden.
Ein Hoch an die Kontrollfreaks!
*sarkasmus*

N7
00
25.11.2011, 11:12

Ich bin mir sicher, dass dieses Posting hier bezahlt wurde. Da bin ich mir sowas von sicher. Außerdem spiegelt das nicht meine Meinung - also bitte löschen *Sarkasmus*

Wieso du schon ein rotes Stricherl hast, ist mir schleierhaft ... aber gut ...

1000 Kopfläuse können nicht irren
00
25.11.2011, 19:04

Wahrscheinlich wegen dem (unnötigen) Wort "dahinter"! Hab's jetzt erst entdeckt. (C;

Karottensammler
02
25.11.2011, 09:23
Wie schade...

als ich den Titel sah, dachte ich es betreffe die Kommentare hier :P

papst benedikt
01
25.11.2011, 08:52

viel interesssanter, relevanter und recherchierungswürdiger wäre es, die verknüpfungen der wirtschaft mit den medien, deren redaktionen und journalisten aufzudecken, anstatt über die postings zu schwadronieren, die letztendlich nichts als einen "anhang" zum artikel darstellen.
oder die verflechtungen des militärisch industriellen komplexes mit den grossen nachrichtenagenturen.

aber das geschieht in den massenmedien nie.
wie auch?
mitgegangen, mitgehangen, mitgefangen (letzteres muss unbedingt vermieden werden).

##V+##
01
25.11.2011, 08:32
So etwas ähnliches gab es, als es damals um die Einführung der sogenannten Mindestsicherung (eh ein schlechter Scherz, leider)ging ...

... Da wurde laufend, unter Wegwerfnicks, ständig der gleiche Textbaustein verwendet, wie schlimm das denn für die Arbeitgeber sein werden, alles geht den Bach runter, wegen der Mindestsicherung...

Das war extrem lästig, falsch in Form und Inhalt, natürlich aber nicht beweisbar dass es eine gezielte Kampagne war... Höchst an der Zeit für solch eine Software, finde ich.

N7
00
25.11.2011, 08:30
nicht verrückt machen lassen

Ich wäre stark dafür, dass wir uns hier nicht verrückt machen lassen - akutell besteht nur noch ein ständiges Misstrauen, Bashing und Mobbing ... ist das wirklich gut?

Habe in den vergangenen Wochen Berichte zu Kameras/Objektiven ins Web gestellt - diese haben mehreren Leuten schon sehr geholfen und grad vorhin hat sich wieder wer bedankt. Da dachte ich mir, dass man mir vorwerfen könnte, ich bin bezahlt worden, weil ich mit der Kamera so glücklich bin und das dort auch geschrieben hab ... aber dann wurde mir klar, dass ich nicht beim standard.at bin/war.

In diesem Sinne - vielleicht können wir alle wieder etwas runterkommen und uns nicht gegenseitig beschuldigen und an den Pranger stellen ... :-)

MemoryDragon
00
25.11.2011, 11:03
Ich denke

wenn man lang genug im Netz unterwegs ist dann kann man schon relativ gut zwischen bezahlten Jubelpersern und den ehrlichen positiven Kritiken unterscheiden.
Es fängt mit der Sprachwahl an, so ziemlich jedes bezahlte Posting das ich bisher gelesen habe stinkt von vorne bis hinten nach PR Agentur oder PR Abteilung die haben eine eigene Sprache und merken das nichtmal mehr Ansatzweise wie abgehoben sie sind.
Meistens sind in ehrlichen positiven Kritiken ausserdem 1-2 Negativpunkte aufgeführt weil es defakto nie ganz 100% perfekt ist. In bezahlten Postings werden Lobeshymnen ausgeschüttet und Negativa nur über die Konkurrenz gesagt.

N7
00
25.11.2011, 11:17

Richtig - das ist dann wie Werbung. In der Werbung sagen sie auch niemals einen negativen Punkt. Mir als Otto-Normal-User fallen zwar oft negative Aspekte am Produkt auf, allerdings sind die Positiven oft so gut, dass die Negativen nicht so schlimm sind oder man sie gar vergisst - aber gut, dass müsste man halt alles dazu schreiben.

MemoryDragon
00
25.11.2011, 12:33
Ich

schreibe ansich immer auch die Negativpunkte dazu egal wie begeistert ich bin. Aber egal, ich denke der Haupterkennungspunkt von bezahlten Postings ist in etwa 90% der Fälle die Sprachwahl. Man braucht idr nur 2-3 Sätze zu lesen und sieht schon dass der Text aus dem zugekoksten Hirn eines PR Menschen stammt bzw. von diesem korrektur gelesen wurde.

hin und wieder ein tunichtgut
00
25.11.2011, 07:26
der kommentar -

ergo: "einen kommentar"

Samhain
03
25.11.2011, 07:18

Ich hab doch gewußt, dass die Applebefürworter nicht echt sein können.

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