Börse Frankfurt:Verlustserie im Dax hält an

24. November 2011, 19:02
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Merkels erneute Absage an Euro-Bonds drückt die Stimmung

Frankfurt - Die Freude der Dax -Anleger über die bessere Laune unter Deutschlands Firmenchefs währte nicht lange. Mit ihrer ablehnenden Haltung zum Thema Euro-Bonds schickte Bundeskanzlerin Angela Merkel den Leitindex am Donnerstag wieder in den Keller. Er verlor 0,5 Prozent auf 5428 Punkte und schloss damit den neunten Tag in Folge im Minus. "Viele haben die Hoffnung, dass die Euro-Bonds zur Lösung der Euro-Krise irgendwann kommen - doch sobald Merkel dagegen redet, fallen diese Hoffnungen wieder in sich zusammen", sagte ein Händler. Unterstützt vom überraschenden Anstieg des Ifo-Geschäftsklimaindex war der Dax zeitweise um bis zu 1,9 Prozent nach oben geklettert. Der EuroStoxx50 gab um 0,2 Prozent nach.

Insgesamt blieben die Umsätze wegen des US-Feiertags Thanksgiving aber gering. Es fehlten viele internationale Investoren, die ein verlängertes Wochenende einlegen. Die Wall Street war am Donnerstag geschlossen.

Für Unmut sorgte Bundeskanzlerin Merkel, die nach einem Treffen mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy und Italiens Regierungschef Mario Monti erklärt hatte, sie halte die Voraussetzungen für Euro-Bonds für nicht gegeben. "Bild" und "Financial Times Deutschland" hatten zuvor berichtet, die schwarz-gelbe Koalition bewege sich in der Frage der Euro-Bonds doch. Die Bundeskanzlerin hat sich bereits wiederholt gegen diese gemeinsamen Anleihen in Europa ausgesprochen, während die EU-Kommission die Papiere befürwortet. "Die Debatte um die Einführung von Euro-Bonds wird immer undurchsichtiger, dabei wollen die Investoren doch vor allem eines: Klarheit", sagte ein Börsianer.

Konjunktursensible Wert im Aufwind

Positiv überrascht wurden die Anleger dagegen vom Ifo-Index. Trotz europäischer Schuldenkrise und Rezessionssorgen legte das Barometer auf 106,6 Zähler von 106,4 Punkten zu - zuvor hatte sich die Stimmung vier Monate in Folge eingetrübt. Profitieren konnten vor allem konjunktursensible Werte wie HeidelbergCement, ThyssenKrupp und MAN. Sie legten im Dax zwischen 2,3 und 1,6 Prozent zu.

Analysten warnten aber vor einem überzogenen Optimismus: Die Zahlen seien nur auf den ersten Blick gut, urteilte Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. "Der leichte Anstieg des Geschäftsklimas kam aus der Bauwirtschaft und dem Großhandel, also aus Sektoren, in denen das Geschäftsklima häufig von Monat zu Monat stärker schwankt als in anderen Zweigen der Wirtschaft." Insgesamt deute immer mehr darauf hin, dass selbst die sehr wettbewerbsfähige deutsche Wirtschaft im Winterhalbjahr etwas schrumpfe.

Besonders hervor stachen erneut die Papiere der Commerzbank, die sich um 4,5 Prozent auf 1,22 Euro verteuerten. Die Aktie war am Dienstag nach einem Reuters-Bericht über eine größere Kapitallücke um 17 Prozent abgestürzt. Die Deutsche Bank notierte 0,4 Prozent fester. Deutschlands größtes Geldhaus muss sich Finanzkreisen zufolge voraussichtlich nicht übermäßig strecken, um die schärferen Kapitalanforderungen der europäischen Aufseher zu erfüllen.

Keine guten Tag erwischten die Telekom-Aktien, die sich zeitweise um 1,9 Prozent verbilligten. Inzwischen wachsen die Zweifel, dass der Bonner Konzern seine ungeliebte Tochter T-Mobile USA wie geplant an AT&T verkaufen kann. Die Firmen zogen die Anträge bei der US-Telekomaufsicht FCC für die milliardenschwere Transaktion zurück, der Antrag bei den Kartellbehörden läuft aber weiter. "Das ist eindeutig eine negative Nachricht für die Telekom und senkt die Wahrscheinlichkeit, dass der Deal angenommen wird", erklärte LBBW-Analyst Stefan Borscheid.

Mögliche Pleite von Manroland

Zu den Gewinnern gehörten im MDax die Aktien von Vossloh mit einem Plus von 7,3 Prozent auf 71,45 Euro. Händler begründeten den Anstieg mit der möglichen Aufstockung des Anteils durch den Großaktionär und Knorr-Bremse -Eigner Heinz Hermann Thiele. Auch Heidelberger Druck legte um gut sieben Prozent zu. Der Rivale Manroland steht Unternehmenskreisen zufolge vor der Pleite. Ein Ausscheiden des Konkurrenten aus dem Markt würde den Preisdruck der angeschlagenen Branche lindern.

Im SDax schoben sich Praktiker mit einem Aufschlag von 7,6 Prozent auf 2,70 an die Spitze. Der krisengeschüttelte Baumarktkonzern teilte kurz vor Handelsschluss mit, er habe ein weitreichendes Restrukturierungsprogramm verabschiedet. Die Maßnahmen sollten dem Unternehmen in zwei Jahren wieder zu einer soliden Ertragslage verhelfen, sagte Praktiker-CEO Thomas Fox. Seit Jahresanfang haben die Aktien gut 66 Prozent ihres Werts eingebüßt. (Reuters)

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