Extreme Trockenheit hat Österreich weiter im Griff

24. November 2011, 11:05
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November könnte erst zweites niederschlagfreies Monat seit Aufzeichnungsbeginn werden

Das Hochdruckwetter und mit ihm eine ungewöhnlich lange Trockenphase hält in Österreich weiter an. Seit 26. Oktober gab es von Vorarlberg bis zum Mittelburgenland keinen Niederschlag mehr, berichtet der Wetterdienst Ubimet. Zwischen dem Montafon und Innsbruck sei der letzte Regen sogar schon 35 Tage her. Nur in einigen südlichen Regionen des Landes sorgte ein Italientief Anfang November für leichte Schauer.

"Eine über zwei bis drei Wochen anhaltende Trockenperiode im Herbst ist nichts Außergewöhnliches, aber dass ein Monat komplett trocken ausfällt ist sehr selten", erklärt Clemens Teutsch von Ubimet in einer Aussendung. Seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1851 registrierte die Wiener Wetterwarte mit Oktober 1965 erst einen völlig niederschlagfreien Monat.

Dass sich der November 2011 in dieses Verzeichnis einträgt, ist laut Meteorologen nicht unwahrscheinlich. "In den nächsten sieben Tagen wird sich an der Großwetterlage nichts ändern, es bleibt weiterhin trocken und kalt", sagte Gerhard Baumgartner vom Wetterdienst Zamg.

Niedrige Pegelstände

Vor allem an den Gewässern lässt sich die Trockenheit ablesen. Der Bodensee-Pegel liegt derzeit 25 Zentimeter unter dem langjährigen Jahresschnitt, allein in der vergangenen Woche sank er um zehn Zentimeter.

Auch der Neusiedler See liegt leicht unter dem Schnitt der vergangenen Jahre. Der Wasserstand sei für die Zeit ungewöhnlich, allgemein "schaut's aber gut aus", sagt Helmut Rojacz vom burgenländischen Referat für Wasserwirtschaft: "Wir haben noch genügend Reserven vom Frühjahr und vom Sommer."

In Niederösterreich führten die Flüsse im Flachland zwar noch übliche Wassermengen. Doch auch hier würden frühere Niederschläge nachwirken, berichtet der Hydrographische Dienst des Landes. Flussaufwärts lassen sich vor allem bei aus den Alpen kommenden Wasserläufen häufig schon niedrigere Pegel bemerken.

Erhöhte Waldbrandgefahr

Tiefstände meldet auch Oberösterreich von den Gewässern im Salzkammergut. "Am Wolfgangsee zeichnen sich Probleme ab", sagt Wilhelm Laimer, der Leiter des Gewässerbezirks Gmunden.  Der Pegel sei um 30 Zentimeter gesunken, was vor allem für die Schifffahrt und die Bootshäfen unangenehm sei.

Sollte nun ein schneearmer Winter kommen, dann könne es im Frühjahr passieren, dass kleinere Quellen versiegen, weil zurzeit schon sehr wenig Wasser in den Bergen gespeichert sei, sagt auch Hans Wiesenegger vom Salzburger Hydrographischen Dienst.

Feuerwehren und Bundesheer berichteten bereits in der Vorwoche über steigende Einsätze wegen Waldbränden. "In solchen Trockenperioden reicht ein kleiner Funke, um einen ausgedehnten Wald- oder Flächenbrand mit verheerenden Folgen zu entfachen", teilte der Tiroler Landesfeuerwehrinspektor Alfons Gruber in einer Aussendung mit.

Trockenphase mit wirtschaftlichen Folgen

Das Hochdruckwetter, die niedrigen Temperaturen, wenig Wind und kein Regen sorgen auch für messbare Auswirkungen auf die Umwelt. Die Dürre hat die Feinstaubkonzentration vor allem in den tiefergelegenen Ballungsräumen ansteigen lassen.

Die Trockenheit zeigt auch erste wirtschaftliche Folgen. Sie sei neben der geringen Schneeschmelze im Frühjahr verantwortlich, dass die Wasserkraftwerke der Salzburg AG heuer um 15 bis 20 Prozent weniger Strom erzeugen als in einem durchschnittlichen Jahr, sagt Sprecher Sigi Kämmerer. Auch der Verbund produziere derzeit um rund 20 Prozent weniger Strom als üblich, so das Unternehmen.

Der mangelnde Schnee führe vereinzelt auch zu Verschiebungen des Winterstarts. Auf die Gesamtsaison lasse sich das allerdings noch nicht ableiten, teilte Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner am Mittwoch in einer Aussendung mit. (red, derStandard.at, 24.11.2011)

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    Niedrigwasser auf der Donau – eine Folge der Trockenperiode in Mitteleuropa

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