Mit acht Knoten Richtung Karibik

25. November 2011, 13:02
16 Postings

Die Teams haben mit ihren Segelbooten den Hafen verlassen und sind auf dem Atlantik unterwegs. Verenas Crew segelt mitten in eine Flaute

Es brodelt und es braust als hätte jemand einen riesigen Mixer in das Meer gehalten. Die Gischt rauscht nur so am Rumpf der Sunrise vorbei. Ab und zu leuchtet Plankton wie Glühwürmchen auf. Rundherum nur schwarze Nacht. Ab und zu flackert am Horizont das Positionslicht eines anderen ARC-Teilnehmers auf.

Das war beim Start in Las Palmas noch ganz anders. Mehr als eine Stunde vor dem Start verwandelt sich der Yachthafen Muelle Deportivo in einen Hexenkessel. Die 222 Yachten, die Richtung Karibik aufbrechen, lassen sich noch mal so richtig feiern.

Laute Musik und hunderte Schaulustige auf dem Wellenbrecher, die den Reisenden zuwinken. Ob sie einen wohl beneiden oder doch eher bemitleiden?

Wenige Minuten vor Start, als wir zum ersten Mal das Großsegel setzen wollen, wartet eine böse Überraschung auf uns. Das Großfall beginnt sich aufzulösen. Mit Faden und Zwirn wird das Problem noch schnell gelöst, allerdings kriegen wir das Groß vor dem Start nicht mehr hoch und starten nur mit unserem Vorsegel. Fünf Minuten nach 13 Uhr passieren wir die Startlinie.

Die ersten Seemeilen überholen wir noch die eine oder andere Yacht, dann fällt die Nacht ein. Unser Kurs führt uns leider mitten in die erste Flaute. An Schlaf ist kaum zu denken. Das Schlagen der Segel und das Ächzen des Großbaums - alles noch ungewohnte Geräusche. Das Rauschen der Wellen lullt einen dann aber doch noch irgendwie ein.

Das ständige Auf und Ab der Wellen fordert bereits einige Opfer. Doch dank exzessiven Ingwerkonsums gelingt es, die Seekrankheit in Schach zu halten. Das Hantieren mit Essen ist für mich die schwierigste Übung. Man muss sich in der Pantry wie Spiderman an einer Hauswand festkleben, irgendwie die Wellenbewegungen ausgleichen und ganz nebenbei Gemüse und Fleisch klein schnibbeln, mit offenen Dosen jonglieren und aufpassen, dass das Ganze nicht anbrennt. Trotz dieser außergewöhnlichen Umstände gelingt uns ein ganz vorzügliches Chili Con Carne und Grünes Thai Curry.

Einmal täglich bekommen wir ein Email von der Regattaleitung mit unserer derzeitigen Positionierung. Demnach haben wir nach unserem anfänglichen Rückstand wieder ein bisschen was wettmachen können.

Die Stimmung an Bord ist jedenfalls ausgezeichnet. Noch freuen wir uns auf die rund 2500 Seemeilen, die vor uns liegen.

  • 222 Yachten auf dem Weg in die Karibik. Erste Station für Verenas Crew: Flaute.
    foto: world cruising club/james mitchell

    222 Yachten auf dem Weg in die Karibik. Erste Station für Verenas Crew: Flaute.

Share if you care.