Flughafen Wien schreibt im Quartal Riesen-Verlust

24. November 2011, 08:22
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Hohe Abschreibungen haben den börsenotierten Flughafen Wien im dritten Quartal 2011 in die roten Zahlen gedrückt

Wien - Hohe Abschreibungen - allen voran auf den Terminalneubau Skylink und das Paket am Flughafen Kosice - haben den börsenotierten Flughafen Wien im 3. Quartal 2011 in die roten Zahlen gedrückt. Der Nettoverlust lag bei 23,1 Mio. Euro, wie das Unternehmen bekannt gab. Der Verlust je Aktie wurde für das 3. Quartal mit 1,10 Euro beziffert.

In den ersten neun Monaten ist der Nettogewinn - wie schon vorige Woche in der Gewinnwarnung bekannt gegeben wurde - von 72,2 auf 20,2 Mio. Euro eingebrochen. Die Flughafen AG spricht von einmaligen "Sondereffekten". Im 3. Quartal haben Wertberichtigungen und Abschreibungen 74 Mio. Euro gekostet. Einer der großen Brocken waren ermittelte Schäden beim Skylink-Bau. Hier prüft der Airport Schadenersatzklagen.

Umsatzplus

Den Umsatz hat der Flughafen von Jänner bis September um 9,4 Prozent auf 435,3 Mio. Euro angehoben.

Operativ meldete der Vorstand Verbesserungen zum Vorjahr: In den ersten drei Quartalen sei ein kumuliertes EBITDA (operatives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) von 158,2 Mio. Euro (plus 9,5 Prozent) erreicht worden. Das Betriebsergebnis (EBIT) sank aber um ein Drittel auf 63 Mio. Euro.

Das Umsatzplus lag an der Verkehrsentwicklung, aber auch an der Verrechnung des neuen Sicherheitsentgelts. Die Umsätze des Segments "Airports" stiegen in den ersten drei Quartalen 2011 um 11,2 Prozent auf 221,6 Mio. Euro. Beim "Handling" gab es ein leichtes Plus von 2 Millionen auf 119,4 Mio. Euro. Mit Retail & Properties setzte der Flughafen 82,4 Mio. Euro um, das waren 12,4 Millionen Euro mehr als voriges Jahr.

In den ersten neun Monaten gab es am Flughafen Wien ein Passagierwachstum von 7,5 Prozent auf 15.992.075 Fluggäste. Die AUA-Gruppe hatte in den ersten drei Quartalen zwar einen Passagierzuwachs von 4,1 Prozent, ihr Anteil am Gesamtpassagieraufkommen am Flughafen Wien Schwechat verringerte sich allerdings wieder, von 51,6 Prozent auf 50 Prozent. Dafür legten die Billigairlines weiter zu: Die Zahl ihrer Passagiere stieg in Summe um 9,4 Prozent, der Marktanteil von 21,8 Prozent auf 22,1 Prozent.

Im Ausblick für 2011 geht der neue Flughafen-Vorstand nach positiven Oktoberzahlen davon aus, dass der prognostizierte Passagierzuwachs von 5 Prozent im Gesamtjahr übertroffen werden wird.

Bescheid für dritte Piste nächstes Jahr

Trotz der aus Sicht von Wirtschaftsforschern und Bank-Ökonomen bevorstehenden Rezession in Europa, auch in Österreich, befürchtet die Flughafen Wien AG derzeit keinen Rückgang der Passagierzahlen aus diesem Grund. Momentan gebe es keinen Anlass, die mittelfristige Prognose von durchschnittlich 4,2 Prozent Fluggast-Zuwachs bis 2020 nach unten zu revidieren, sagte Vorstandsdirektor Günter Ofner.

Es sei nicht unbedingt zu erwarten, dass es überhaupt einen merklichen Passagierrückgang geben werde, meinte Ofner: "Wegen der Euro-Staatsschulden-Probleme werden nicht gleich Urlaubsreisen abgesagt." Man solle hier nicht Kausalitäten herstellen, die es vielleicht gar nicht gebe: "Trotz der Befürchtungen über eine Krise findet das in der Realwirtschaft vielleicht gar nicht statt." Möglicherweise gebe es weniger Flugbewegungen, aber nicht unbedingt weniger Fluggäste. Auch heuer stagnierten die Bewegungen bereits.

Im laufenden Jahr 2011 wird der Flughafen Wien seine Prognose von 5 Prozent Passagier-Zuwachs "doch spürbar übertreffen", sagte Ofner: "Nach zehn Monaten halten wir bei 7,2 Prozent Plus." Die Planzahlen für kommendes Jahr sollen kurz vor Weihnachten feststehen.

Den erstinstanzlichen Bescheid für die geplante dritte Piste am Flughafen Wien-Schwechat erwartet der Airport-Vorstand frühestens für Anfang 2012. "Wir haben keinen Hinweis, dass das noch heuer möglich ist", so Ofner. Da man davon ausgehen könne, dass dagegen dann Rechtsmittel erhoben werden, werde sich auch der Unabhängige Verwaltungssenat (UVS) als zweite Instanz mit dem Thema befassen müssen. Daher werde es "nicht vor 2013 einen rechtskräftigen Bescheid" geben. Falls dieser positiv ausfalle, werde man - nach eineinhalbjähriger Planung - frühestens 2015 den Bau beginnen können.

Die geplante dritte Piste werde auch im positiven Fall nicht vor 2020/21 in Betrieb gehen können, hatte der Vorstand Ende Oktober erklärt. Bis dahin müsse das geplante Wachstum des Airports mit der bestehenden (Lande-)Infrastruktur bewältigt werden. Gemäß den langfristigen Business-Plänen sollten die aktuell 21 Millionen Passagiere auf 28 bis 30 Millionen wachsen. "Dann ist mit der bestehenden Infrastruktur Schluss, mehr geht nicht", hieß es damals. (APA)

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