Massive Schräglage

23. November 2011, 19:27
posten

Sislej Xhafa schränkt mit seiner elf Meter langen, raumgreifenden Skulptur "oblique motionless" die Bewegungsfreiheit in der Galerie König stark ein

Eine Atmosphäre, in der der Künstler Fragen zum Thema Migration aufwirft.

Wien - Betritt man die Galerie König, stehen die Betrachter mit einer skulpturalen Barriere auch vor einer Entscheidung: Bückt man sich und begibt sich kriechend in die hinteren Räume, schafft man es erhobenen Hauptes vorbei oder versucht man gar darüberzuklettern? Aus massiven Stahlrohren gefertigt, zieht sich die elf Meter lange Skulptur von Sislej Xhafa diagonal durch den Raum und lädt zumindest formal zu einer spielerischen Bezwingung ein.

Obwohl weitgehend abstrahiert, kann man die Skulptur noch als Teil einer Schaukel identifizieren, wie sie der 41-jährige Künstler jüngst für einen Wettbewerb in Zürich gestaltet hat. Xhafas riesiges "Y" reüssierte und wurde im Herbst tatsächlich in einem Park aufgestellt. Diese überdimensionale Schaukel erinnert ob ihrer Y-Form an eine Steinschleuder, also ein Kampfwerkzeug. Das "Y" steht aber auch für die Frage "Warum ?" ("Why?"), die im Englischen ebenso ausgesprochen wird, und leuchtet bunt-fröhlich auf, sobald jemand aus der überwiegend migrantischen Nachbarschaft schaukelnd partizipiert. Mit dem Thema Migration befasst sich der heute in New York lebende kosovarisch-albanische Künstler seit langem.

Anders als die Zürcher Skulptur strahlt jene in der Galerie König nicht ganz so viel Optimismus aus: Das Schaukelfragment liegt dort vielmehr sperrig und "nutzlos" im Raum, scheint inklusive der wuchtigen Ketten im Boden zu versinken. Schräge Bewegungslosigkeit lautet der stimmige Titel. Denn weder am Objekt selbst - einem seltsamen Unding mit befremdlicher Wirkung - noch an den von ihr angesprochenen Themen kommt man leicht vorbei: Gesellschaftliche Ausschlussmechanismen gehören dazu ebenso wie die Aufteilung öffentlichen Raums.

Weniger stark ist der Rest der Schau - etwa die Skulptur Rocket Ship (eine Schubkarre mit Weihnachtsbeleuchtung), die das klassische Arbeitsgerät mit einem Versatzstück der Konsumkultur konterkariert. Oder die Installation Hije (Schatten), bei der die Aussage ähnlich simpel wie ihre Machart ist: Sislej Xhafa hat dafür ein Stiegengeländer benutzt, das - von einem Diaprojektor illuminiert - das Muster eines Gefängnisgitters an die Wand wirft.  (Christa Benzer  / DER STANDARD, Printausgabe, 24.11.2011)

Bis 14. 1., Galerie Christine König, Schleifmühlgasse 1a, 1040 Wien

 

  • "Schräge Bewegungslosigkeit": Trimm-dich-Gerät oder Ab- und Ausgrenzung? Sislej Xhafa nutzt die unmittelbare Wirkung seiner Skulptur, um auch gesellschaftspolitische Fragen zu verhandeln.
    foto: galerie könig

    "Schräge Bewegungslosigkeit": Trimm-dich-Gerät oder Ab- und Ausgrenzung? Sislej Xhafa nutzt die unmittelbare Wirkung seiner Skulptur, um auch gesellschaftspolitische Fragen zu verhandeln.

Share if you care.