Außer Spesen ...

Kommentar23. November 2011, 18:46
40 Postings

Zahlen dürfen jene Länder, die dank solider Staatsfinanzen noch Kredit zu erträglichen Kosten bekommen

Wieder einmal hat Brüssel eine Wunderwaffe konzipiert. Mit Eurobonds will José Manuel Barroso den Käuferstreik bei europäischen Staatsanleihen beenden. Die Anleger würden es danken. Höhere Renditen und größere Sicherheit sind eine Kombination ganz nach dem Geschmack der Investoren. Zahlen dürfen jene Länder, die dank (einigermaßen) solider Staatsfinanzen noch Kredit zu erträglichen Kosten bekommen.

Für Österreich hieße das - wie Finanzministerin Maria Fekter meint - höhere Zinsen von etwa drei Milliarden. Das wäre verkraftbar, hätten die traditionellen Hartwährungsländer noch keinen Solidaritätsbeitrag geleistet. Dem ist aber nicht so: Über den Eurorettungsschirm beträgt Wiens Ausfallrisiko inklusive Zinsen bereits rund 30 Milliarden. Und von der Europäischen Zentralbank wurden nicht nur 200 Milliarden Euro an Ramschpapieren erworben, sie hat auch noch 500 Milliarden Euro in die Banken der Südländer gesteckt, um sie am Leben zu erhalten.

Wohin die Strategie - eine Schuldenkrise mit neuen Schulden zu bekämpfen - führt, zeigt das Schicksal des Rettungsfonds EFSF eindrucksvoll. Der muss trotz hundertprozentiger Absicherung mit dem Top-Rating AAA weit höhere Zinsen zahlen als der Schnitt seiner Garantiegeber. Gleichzeitig würden Eurobonds den Druck von den Schuldenstaaten nehmen. Am Ende hieß es angesichts noch höherer Schulden: Außer Spesen nichts gewesen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.11.2011)

Share if you care.