Riskant, aber alternativlos

Kommentar23. November 2011, 18:43
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Es wäre sinnvoll, gleich mit offenen Karten zu spielen und Eurobonds einzuführen

Ohne gemeinsame Anleihen für alle Euroländer wird die Währungsunion zerbrechen. Der Ruf nach Eurobonds ist aber riskant: Deutsche, Finnen, Niederländer würden für die Schulden von Italienern, Griechen und Spaniern mithaften. Für vergleichsweise solide Länder wie Österreich würde die Zinsbelastung steigen. Doch mit der vereinten Wirtschaftsmacht der Währungszone im Rücken wäre der Anstieg moderat, wie auch der deutsche Wirtschaftsweise Peter Bofinger glaubt.

Vor allem aber sind die von der EU-Kommission geforderten Eurobonds alternativlos. Die bisherige Strategie der EU, den Schuldenländern Sparkurse vorzugeben und Rettungsschirme zu schaffen, ist gescheitert. Das belegt die wachsende Zahl an Ländern, die auf den Märkten unter Druck geraten. Gegen das Übergreifen der Krise geholfen haben bisher nur die Stützkäufe von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB). So wirksam diese Strategie auch war: Die EZB geht intransparent und ohne parlamentarische Kontrolle vor. Zudem haften für die Risiken der Zentralbank - die EZB hat Krisenanleihen im Wert von 194 Milliarden Euro gekauft - ohnehin die Steuerzahler.

Anstatt also die Risiken über die Hintertür auf alle Schultern zu verteilen, wäre es sinnvoll, gleich mit offenen Karten zu spielen und Eurobonds einzuführen. Dass dafür zunächst die Aufsicht über die nationalen Haushalte verstärkt werden muss, steht außer Diskussion. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.11.2011)

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