Pro Eurobonds

Riskant, aber alternativlos

Kommentar | András Szigetvari , 23. November 2011, 18:43

Es wäre sinnvoll, gleich mit offenen Karten zu spielen und Eurobonds einzuführen

Ohne gemeinsame Anleihen für alle Euroländer wird die Währungsunion zerbrechen. Der Ruf nach Eurobonds ist aber riskant: Deutsche, Finnen, Niederländer würden für die Schulden von Italienern, Griechen und Spaniern mithaften. Für vergleichsweise solide Länder wie Österreich würde die Zinsbelastung steigen. Doch mit der vereinten Wirtschaftsmacht der Währungszone im Rücken wäre der Anstieg moderat, wie auch der deutsche Wirtschaftsweise Peter Bofinger glaubt.

Vor allem aber sind die von der EU-Kommission geforderten Eurobonds alternativlos. Die bisherige Strategie der EU, den Schuldenländern Sparkurse vorzugeben und Rettungsschirme zu schaffen, ist gescheitert. Das belegt die wachsende Zahl an Ländern, die auf den Märkten unter Druck geraten. Gegen das Übergreifen der Krise geholfen haben bisher nur die Stützkäufe von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB). So wirksam diese Strategie auch war: Die EZB geht intransparent und ohne parlamentarische Kontrolle vor. Zudem haften für die Risiken der Zentralbank - die EZB hat Krisenanleihen im Wert von 194 Milliarden Euro gekauft - ohnehin die Steuerzahler.

Anstatt also die Risiken über die Hintertür auf alle Schultern zu verteilen, wäre es sinnvoll, gleich mit offenen Karten zu spielen und Eurobonds einzuführen. Dass dafür zunächst die Aufsicht über die nationalen Haushalte verstärkt werden muss, steht außer Diskussion. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.11.2011)

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Posting 1 bis 25 von 40
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aculus populus
 
00
25.11.2011, 16:21
Alternativlos???

Nein...erst der Markt muss reguliert werden und da müssen die Amis mitspielen...sonst macht alles keinen Sinn. Diese Raubüberfälle der Spekulanten soll unterbunden werden

Peter Pichler
 
00
28.11.2011, 08:51
Raubüberfälle der Spekulanten beenden...

... was wollen Sie konkret?

Aus meiner Sicht sind es nicht die risikobereiten AnlegerInnen, die den Staaten derzeit Probleme machen, sondern die "seriösen AnlegerInnen", die Staaten wie Griechenland kein Geld mehr leihen, was man ja nachvollziehen kann. Die Spekulantinnen und Spekulanten sind jene, die noch Geld hergeben.

Natürlich ist es sinnvoll nachzudenken, ob im Rahmen des Bank- und Finanzwesens nicht Geldschöpfungsgewinne lukriert werden, die eigentlich der Allgemeinheit zustehen würden. Auch möglich das die Geldwirtschaft im Vergleich zur realen zu hohe Kosten verrechnet. (die aktuellen Bankbilanzen sagen etwas anderes, die Gehälter der Branche weisen aber darauf hin)

Anton Friesl
02
24.11.2011, 19:20
Die Spekulanten/Banken welche immer ihre Gewinne selbst behalten haben, sollen auch ihre Verluste selbst behalten.,.

Es wird behauptet, dass bei Insolvenz der Banken das gesamte Finanzsystem zusammenbrechen würde. Ist überhaupt nicht wahr.

http://www.24hgold.com/english/n... 6348G10020

Praktisch alle großen Banken, weltweit, würden bei einem Konkurs nur ca. 1/3 ihres Wertes einbüßen wobei externe Kundeneinlagen unter neuen Bankeigentümern unverändert weiter bestehen würden. Die Kunden würden das nur an einer neuen Überschrift auf ihren Kontoauszügen merken. Es geht den Regierungen gar nicht darum die Existenz der Banken und des Finanzsystems zu retten sondern nur darum die Eigentümer der Banken auf Kosten der Steuerzahler vor selbstverschuldeten Spekulationsverlusten zu bewahren.

Peter Pichler
 
00
28.11.2011, 09:00
Wir müssen darauf aufpassen ... dass in Zunkunft nur noch Banken - nicht aber Bank-EigentümerInnen gerrettet werden.

Wenn das Banksystem Kapital braucht, müssen die Staaten/Zentralbanken einspringen.... das bedeutet aber nicht, dass man das Geld herschenken muss. Die Verluste der bisherigen BesitzerInnen müssen nicht ausgeglichen werden.... Aktienbesitz ist Spekulation und die ist erlaubt... aber mit Risiko behaftet...

vorname nachname1
00
24.11.2011, 18:58
Wie man einen Frosch bei lebendigen Leib kochen kann

Gibt man einen Frosch in heisses Wasser, springt er raus. Gibt man ihn in kaltes und erhitzt dann langsam bleibt er bis zum Ende drinnen. Genau das gleiche passiert in der EU. Es passieren ja schon jetzt Sachen, die noch vor 5 Jahren VOLLKOMMEN undenkbar gewesen wären. Es wurden bereits X mal Vereinbarungen und Gesetzte gebrochen mit den uns die EU verkauft wurde...und die Eurobonds würden nur das Ende von uns allen besiegeln. Denn, die Ausländischen Geldgeber sind ja auch nicht blöd und würden fuer Eurobonds weitaus mehr Zinsen verlangen als wir, oder die BRD, jetzt zahlen.

Peter Pichler
 
00
24.11.2011, 17:48
There are million of alternatives...

z.B.: Wenn ein Land überschuldet ist, dann gibt es einen Hair-Cut. Die Märkte werden dann schon aufpassen, dass die Budgets im Rahmen bleiben. (oder es macht wieder schnipp-schnapp). Wenn die Budgets nicht im Rahmen bleiben helfen Euro-Bonds auch nichts...

Die Aussage "Ohne Eurobonds wird die Währungsunion zerbrechen" ist eine unüberprüfbare hellseherische Behauptung

Hair-Cuts sind auch Zuschüsse... allerdings primär von den SpekulantInnen (z.B. Lebensversicherungs/Privatpension-KundInnen) zu zahlen.

Als Land Kredite haben wollen aber keinen Schulddienst leisten können, wird längerfristig nie funktionieren. Für solche Strukturen zu haften, vergrößert das Problem.

Ich weiß es auch
00
24.11.2011, 17:19
alternatovlos - die xte version

alleien wenn ich das wort in Währungsdesaster schon höre bekomme ich gänsehaut.

Alles was bis jetzt unter dem Titel "alternativlos" gemacht wurde war ein schuss in den Ofen

Ökonomix
00
24.11.2011, 13:36
Warum Sekundärmarktkäufe besser als €-Bonds sind

Durch €-Bonds bekommen die Schuldenstaaten billiges Geld. Der Druck die Staatsfinanzen zu sanieren sinkt. Man erinnere sich, dass Sparpakete in den Schuldenstaaten erst dann beschlossen wurden, als denen das Wasser bis zum Hals stand.

Durch EZB-Käufe kann der Zins auf erträglichem Niveau gehalten werden, ohne den Druck von den Schuldenstaaten zu nehmen. Es liegt an der EZB den Druck zu erhöhen bzw. zu senken.

Verleihnix
 
11
24.11.2011, 13:43
Und wie steht's im Kommentar?

"Anstatt also die Risiken über die Hintertür auf alle Schultern zu verteilen, wäre es sinnvoll, gleich mit offenen Karten zu spielen und Eurobonds einzuführen"

otto strammer
00
24.11.2011, 13:31
Gibts denn keine Alternative

zu "alternativlos", Herr Redakteur?
2. Versuch

L.B.
01
24.11.2011, 13:29

>Für vergleichsweise solide Länder wie Österreich würde die Zinsbelastung steigen.

Keineswegs sicher. Japan oder USA haben schlechtere Werte als die Euro-Zone insgesamt. Sie zahlen aber lächerlich niedrige Zinsen - weil sie ein riesengroßer, liquider Markt sind, an dem kein Investor vorbeikommt. Bei einem geeinten Eurobond-Markt wäre das ähnlich.

Manchmal kommt es eben doch auf die Größe an.

otto strammer
00
24.11.2011, 13:10
Als Redakteur

sollte man sich nach Alternativen zum Wort "alternativlos" umsehen.

Sidlo
00
24.11.2011, 12:59
Gut das dieser Artikel einen zentralen Punkt anführt,

der sonst immer von Politikern vollmundig unter den Teppich gekehrt wird: Die Risiken werden ohnehin über die Hintertür auf die Schultern aller verteilt, nämlich durch die im Sinne der Systemstabilität unverzichtbaren Käufe von Krisenanleihen durch die Notenbank (bisher im Umfang von ca. 200 Millarden EURo!!). Ein Punkt wurde aber nicht angeführt, dass diese Riskiken ohne jegliche Zugeständnisse und Verpflichtungen der PIGS auf die Schultern der Allgemeinheit verteilt werden, sie können im Prinzip weitermachen wie bisher, solange sie nicht den Rettungsschirm beantragen müssen, wo sie dann unter Kuratel des Währungsfonds gestellt werden. Eurobonds hingegen würden an Durchgriffsrechte geknüpft die zur Abbremsung zwingen.

Ökonomix
00
24.11.2011, 13:27
Solche Durchgriffsrechte sind derzeit nicht machbar.

Darüber muss erst verhandelt und abgestimmt werden. Außerdem ist fraglich, ob die Durchriffsrechte überhaupt ihre Wirkung entfalten. In Griechenland wurde totz Vorgaben von IWF und EU wenig umgesetzt.

Der Schärdinger
 
00
24.11.2011, 12:39
Der Schärdinger

Richtig, es wird kein Schwachoniland seinen Haushalt in Ornung bringen, wenn immer billiges Geld nachrückt.
Das wird so nicht funktionieren.
Wir bekommen ein Sparpaket um AAA nicht zu verlieren, also weniger % zahlen zu müssen. Bei Bonds würden wir aber mehr bezahlen, dann würde es also nichts machen, wird uns jetzt vorgekaukelt!
Frau Fekter, ja nicht zustimmen, also umfallen, sonst wird sie der Zorn des Wählers beim Sch...lafen treffen.
Zumindest bei der nächsten Wahl.............

Don Quixote1
00
24.11.2011, 11:39
Und wer garentiert,

dass diese "sensiblen, nervösen, ängstlichen" Märkte so reagieren wie geplant?

Das Spiel kann man so lange weiter spielen bis Deutschland auch bankrott geht und erst dann die nationalen Währungen einführen. Für die Abzocke sind die Eurobonds natürlich besser geeignet.

Sidlo
00
24.11.2011, 13:02
Wenn nichts mehr hilft, dann muss sowieso die

Notenpresse her. Wollen wir nicht hoffen, dass es soweit kommt!

franz der freie
 
00
24.11.2011, 14:02
ihre hoffnung können sie fallen lassen > es ist bereits so weit.

es wird von der ezb auf teufel komm raus monetisiert> geld gedruckt, ohne jede hemmung. der kater wird nach dem grossen gelage sehr gross sein. ich garantiere, dass die kopfwehtabletten für die nettozahler auf jahrzehnte sehr teuer kommen werden. inzwischen haben die üblichen verdächtigen ja schon wieder ordentlich aufgeschuldet. also nächste runde?

Sidlo
00
24.11.2011, 13:00
Wenn alles schiefgeht hilft sowieso nur die

Don Quixote1
00
24.11.2011, 11:40
Garantiert -Korr.

politisch verfolgt
03
24.11.2011, 11:34
unglaublich

wer ist so blöd und glaubt jenen, die seit einem jahr erzählen, sie wüßten, wie es geht, obwohl der karren täglich tiefer in den dreck schlittert? gerade die, die jetzt zugeben müssen, daß ihre noch vor wenigen wochen präsentierten rettungsaktionen wirkungslos sind, sollen jetzt schon wieder ans ruder gelassen werden?

Roo-saa-lindä
02
24.11.2011, 11:14

Eurobonds ändern nichts an der Schuldenproblematik, dienen blos zur Umverteilung.
Keine einzige strukturelle Maßnahme ist daran gekoppelt (Z.B Horten von Billiarden in Steueroasen und damit feheldene Einnahmen...Steuermoral besonders in Südeuropa... lächerliche Generikaquote bei Medikamenten von 3% in Griechenland vs. 60% in Deutschland weil die Ärzte Eigennutz der gesellschaftlichen Verantwortung vorziehen..etc.etc.)

Man hofft halt nur dass sich alles alleine wieder erfängt. Keiner traut sich wirklich was zu machen.

Standardabweichung
00
24.11.2011, 12:57

"Eurobonds ändern nichts an der Schuldenproblematik, dienen blos zur Umverteilung. "

Richtig. Aber genau darum geht's ja. Wir sind ein vereintes Europa.

LGM
00
24.11.2011, 17:26

Wir sind ein vereintes Europa, das aber Gütertrennung vereinbart hat. Speziell ist ein baillout explizit verboten.

Mika Eskimo
 
00
24.11.2011, 11:14

Warum nicht gleich direkt bei der Ezb die Anleihen aufnehmen, zu 1% Zinsen, das wäre Alternativlos.

Das Gewäsch über die Inflationsgefahr kann einfach nicht stimmen, die Banken machen ja auch nichts anderes. Warum soll die Inflation steigen wenn der Staat direkt von der Ezb seine Anleihen bedienen lässt anstelle über einen Zwischenhändler.

Zusätzlich könnte man noch vorschreiben, das Staaten die die Mastricht Kriterien nicht einhalten, mindestens 4% Überschüsse erwirtschaften müssen um die Staatsschuld zurück zu fahren. Da wären wir dann noch immer bei leistbaren 5% Zinsen.

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