ELGA

Die "rosa" Sicht auf Elga

23. November 2011, 18:34

Weiter kein Kompromiss zwischen Ärzten und Minister

Wien - Wäre es keine Podiumsdiskussion, sondern eine Unterrichtsstunde gewesen, man hätte die beiden auseinandersetzen müssen. Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) und der Vizepräsident der Wiener Ärztekammer, Johannes Steinhart, konnten nicht aufhören zu diskutieren, auch wenn ihr Mikro ausgeschaltet und jemand anderer am Wort war. In der Debatte über die elektronische Gesundheitsakte (Elga) ist zwischen Ministerium und Ärzten kein Kompromiss in Sicht.

"Zu rosa" ist Steinhart Stögers Zugang zu dem Thema, sagte er bei der Präsentation des "Handbuch Gesundheitspolitik", das die PR-Beraterin Silke Rudorfer und die ORF-Journalistin Claudia Dannhauser geschrieben haben. Der Ärztevertreter äußerte einmal mehr seine Datenschutz-Bedenken, außerdem kritisierte er das Ansinnen, Doppelbefundungen einzusparen: Diese seien für die Patienten auch eine "Sicherheitskategorie". Am Mittwoch beschloss außerdem die Bundesärztekammer eine Ablehnung von Stögers Gesetzesentwurf.

Der Gesundheitsminister verteidigte sein Vorhaben: Elga würde dem Patienten "die Chance geben, autonomer zu sein". Einen Beschluss werde es "nicht gestern und nicht morgen" geben, aber jedenfalls "in absehbarer Zeit". Grundsätzlich pro Elga äußerten sich auch Apothekerkammer-Präsident Heinrich Burggasser, Pharmig-Präsident Robin Rumler und der Vorsitzende des Hauptverbands, Hansjörg Schelling.

Während einige in der ÖVP bei Elga skeptisch sind, fordert der schwarze niederösterreichische Finanzlandesrat Wolfgang Sobotka dringend deren Einführung. "Ich bräuchte Elga schon längst", sagte Sobotka dem Standard. Innerhalb der Landesklinikenholding werde es bis 2016 eine Art Elga geben, die Vernetzung mit Ärzten und Apotheken fehle aber. Diese würde nicht nur das Gesundheitssystem effizienter machen, sondern auch "dem Patienten dienen". Obwohl inhaltlich mit ihm d'accord, kritisiert der Landesrat das Vorgehen des Ministers: "Er muss alle an einen Tisch holen. Da lässt er einen Luftballon steigen, und dann hört man monatelang nichts von ihm."

Risiko Adipositas

Zum Dauer-Thema Gesundheitsfinanzierung kamen am Mittwoch gute Nachrichten von der OECD: In der Studie "Health at a Glance" wurde Österreich bescheinigt, dass die Ausgaben mit elf Prozent zwar über dem OECD-Schnitt von 9,6 Prozent liegen, sie würden aber nur halb so schnell steigen wie im internationalen Mittel. Zum zunehmenden Gesundheitsrisiko entwickelt sich Fettleibigkeit, Österreich liegt mit zwölf Prozent adipösen Menschen unter dem OECD-Schnitt (17 Prozent). Spitzenreiter sind die USA, Mexiko und Neuseeland. (Andrea Heigl, DER STANDARD, Printausgabe, 24.11.2011)

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22 Postings
Jehane
01
24.11.2011, 11:14
Sehr autonom...

.... komm ich mir als Patientin vor, wenn's heißt "Du bist automatisch im System drin und kannst nur hinausoptieren". Jo eh. Da wird einem suggeriert, dass man sich eh frei entscheiden kann; dass aber viele, sobald sie erst mal im System drin sind, sich die "Mühe" des Hinausoptierens gar nicht mehr antun werden, warum auch immer, steht auf einem anderen Blatt. Was mich an der Sache aber am meisten irritiert, ist die Geschwindigkeit, mit der Stöger das auf einmal durchboxen will. Wieso setzen die sich nicht einfach zusammen und schauen, was die beste Lösung für die Patienten ist?

RS69
 
00
27.11.2011, 22:54

Sie können nicht hinaus optieren.

Sie konnen individuell die Rechte einschränken - während der Minister generell Rechte vergeben kann.

Wenn SIe also keine Einschlägige Verordnung übersehen, die Einschränkungn in dem von Ihnen gewünschten Ausmass zuäassig sind, und Sie immer schnell genug sind - dann haben's damit eine Chance.

Sofern niemand illegal auf die Daten zugreift - und kein Druck ausgeübt wird (a la "Für den Vetrag brauchen wir von Ihnen den Elga Auszug, sonst wird das nichts" - was wohl kommen wird.)

K. K. Lacke
32
25.11.2011, 15:34
für PatientInnen gibts eh nix zu befürchten...

was soll es ihnen denn Schaden wenn ihr behandelnder weiss welche Allergien sie haben?

oder wenn er weiss wann sie zuletzt mit einem bestimmten Wehwehchen bei seinem Kollegen waren?

Schaden tut ELGA nur jenen die von der undurchsichtigen Situation profitieren. Ärzten die doppelt und dreifach die selben Symptome behandeln.

Ist ihnen eigentlich bewusst dass der Ärztestand einer der wenigen Berufsstände ist, die (fast) KEINER Kontrolle und Qualitätssicherung unterliegen?

haben sie einen Begriff davon was ELGA genau bewirken wird?

ihre mickrigen Daten interessieren da niemanden... es geht eher darum was welcher Arzt bei einer bestimmten Diagnose LEISTET.

zu wissen wann sie zuletzte Grippe hatten nutzt nämlich nur ihnen...

Jehane
00
29.11.2011, 14:09

Ich hab mich mit ELGA durchaus auseinandergesetzt, und ich find die Grundidee nicht schlecht - wenn sie vernünftig umgesetzt wird und z.B. auf Freiwilligkeit basiert. Bei meiner Hausärztin laufen schon jetzt alle Befunde zusammen, die weiß genau, welcher Arzt wann welche Diagnose gestellt hat - und wenn die Befundübermittlung mal nicht hinhaut, dann hab ich a) alles im Kopf und b) alle Befunde daheim.
Dass die Ärzte nicht jetzt schon kontrolliert werden können, glaub ich nicht. Soweit ich weiß, müssen die doch eh alles dokumentieren, was sie tun. Klar gibt's schwarze Schafe, die Leistungen abrechnen, die sie nicht erbracht haben. Aber das ist doch nicht die Gesamtheit der Ärzteschaft.

hot doc
01
26.11.2011, 15:23

und wenn im akt drinnensteht diagnose multiple sklerose oder Z.n. Herzinfarkt, dann wünsche ich viel spass bei der jobsuche, sollten die daten in österreichischer manier so gesichert doch nicht sein.

sie versuchen ganz gezielt die gefahren zu verharmlosen, uns ärzte dafür uns als potenzielle betrüger und versager hinzustellen.

was ist denn ihr interesse an der implementierung von elga?

der gärtner
11
24.11.2011, 10:58
die ärzte sind ein bisschen wie laokoon momentan

aber ihr werdets schon noch sehen.

eine elga einzuführen haben schon viele länder versucht, mit teilweise mehr mitteln und einsatz als österreich.

ist immer am datenschutz gescheitert, der nie kosteneffizient gewährleistet werden konnte.

wenn das jetzt ausgerechnet österreich, noch dazu mit weniger mitteln, schafft, ist da etwas faul,
da wurden irgendwo abschläge gemacht und es ist sicher der datenschutz.

und es genügen wirklich schon die fächer der ärzte die man besucht hat, in verbinfung mit alter und geschlecht, um mit hoher wahrscheinlichkeit zu ermitteln welche krankheit man hat und wie hoch die fehlzeiten in der arbeit sein werden.

RS69
 
00
27.11.2011, 22:56

DEr DAtenschutz ist nicht festgeschrieben. Der Minsiter kann mit Verordnung die nötigen Massnahmen anordnen. ---> KANN. Und es ist nicht festgeschrieben, was die notwendigen Massnahmen sind.

Jehane
00
24.11.2011, 11:20

Da ist was dran. Ich glaub, das einzige Land, das es geschafft hat, sowas einzuführen, ist Dänemark.

naja2010
00
24.11.2011, 10:48
warum kriegt nicht jeder einen A4 Ordner vom HVB?

Und die Ärzte eine Verpflichtung, Befunde schriftlich zu äußern?
Wäre genauso gut.

naja2010
00
24.11.2011, 10:47
Gibt es Wissende in diesem Forum?

Wieso sagt der Minister in der Pressestunde, ELGA würde erstmals auch gute epidemiologische Daten liefern?
Wenn die Daten verteilt auf den Rechnern der KH und der Ärzte sind, und zentral nur eine "linksammlung" vorliegt? Oder sammelt etwas googleartiges in der Nacht alles ein und macht eine "pseudonymisierte" Statistik draus?

</ lustig>
33
23.11.2011, 21:03
Elga ist nicht sicher.

Daten, die man nicht selber bewacht, sind NIE sicher.

.) Nicht in der Tiroler Gebietskrankenkasse
.) Nicht im Pentagon - cheers, Julian ;-)
.) Nicht vor Anonymous
.) Nicht für Maestro, Amex, Mastercard oder Visa

Wer hat Lust, seine Krankenakte an eine Litfasssäule zu tackern?

werthers leiden
11
24.11.2011, 10:25
Daher die einzige Lösung:

Gar nicht zum Arzt gehen und sich im stillen Kämmerlein sich selbst operieren...

Ui, da bekommen die lieben Ärzte aber auchg kein Honorar mehr!

</ lustig>
01
24.11.2011, 10:38
Warum soll ich nicht zum Arzt gehen,

wenn ich ELGA ablehne?

Klappt ja jetzt ganz gut, oder?

werthers leiden
10
24.11.2011, 10:48

Weil man niemandem vertrauen kann!

Salop1238
00
24.11.2011, 09:41
mir fehlt

.) Nicht sicher bei den Ärzten

</ lustig>
01
24.11.2011, 10:21
Richtig, aber sicherer als in der öffentlichen Hand allemal.

Und: den Arzt, dem ich vertraue, kann ich mir aussuchen...

Walter Fenz
23
23.11.2011, 21:25
Sicher ist hingegen die Ärztekammer-Kampagne

gegen demokratisch notwendige Datentransparenz für Krankenkassen und Patienten.

Das ist wenigstens sicher und wird auch noch von den Zwangsmitgliedern bezahlt - den Ärzten nämlich, die es den zwangsversicherten Patienten abknöpfen.

</ lustig>
02
23.11.2011, 21:48
Demokratisch notwendige Datentransparenz?

Verstehen Sie darunter:

"Einige wenige kennen die Krankengeschichten von allen."

Da fehlt mir jetzt a bisserl das Verständnis, was daran demokratisch sein könnte.

"Alle kennen sie von allen." - DAS wäre demokratisch!

Oder brauch' ma des jetzt lieber doch ned, das mit dem demokratischen Zugang zu den Krankenakten?

OiOioioioi....

IchHabeImmerRecht
10
24.11.2011, 09:44

Jeder, der eine Lebens- oder Krankenversicherung abschließt, erlaubt der Versicherung von seinem Arzt Daten abzufragen, die man u.U. nicht einmal seinen engsten Verwandten anvertraut. Und wo kugeln die herum? Da ist eine e-card ein Tresor dagegen.

Jehane
01
24.11.2011, 11:17

Ärzte unterliegen doch einer Verschwiegenheitspflicht - ich glaub nicht, dass die so ohne weiteres Daten an irgendwelche Versicherungen rausgeben dürfen.

hot doc
00
30.11.2011, 17:08

der patient kann mich von dieser verschwiegenheitspflicht befreien. muss man sich gut überlegen.

</ lustig>
01
24.11.2011, 10:19
Und ELGA würde das Problem lösen,

daß sich die Versicherungen die Daten besorgen müssen?

Das würde eher intransparenter ablaufen als momentan. Schauderhaft!

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