Kostenladung für Schienenbahnen

23. November 2011, 18:15
posten

Die heranrollende Gehaltsnach­forderung der Eisenbahnerge­werkschaft irritiert Privatbahnen wie ÖBB. Kostentreibend dürften auch Eisenbahnverordnungen sein

Die heranrollende Gehaltsnachforderung der Eisenbahnergewerkschaft irritiert Privatbahnen wie ÖBB. Kostentreibend dürften auch Eisenbahnverordnungen sein, die das Ministerium ins Rollen bringt.

***

Wien - Auf Österreichs Schienenbahnen und allen voran den größten Anbieter ÖBB rollt eine Kostenladung zu. Sie besteht einerseits aus einem Lohn- und Gehaltsnachforderungspaket, das die Verkehrssektion in der Dienstleistungsgewerkschaft Vida derzeit schnürt, und einigen Eisenbahn-Verordnungen samt Sicherheitsnormen, die vom Verkehrsministeriums unterwegs sind.

Rein rechnerisch klingt eine Entgeltnachforderung nicht unplausibel, denn gemessen an der im Herbst kontinuierlich gestiegenen Inflation und am Metallerabschluss (mit einem Vierer vor dem Komma) wirken die 2,4 Prozent der Eisenbahner mickrig.

Wiewohl die Vida-Gremien die an der Basis formulierten Forderungen nach unterjähriger Entgeltaufstockung noch nicht beschlossen haben: Die ersten Absagen sind unterwegs. Der für die 20 Privatbahnen in Österreich zuständige Geschäftsführer des Fachverbands Schienenbahnen in der Wirtschaftskammer, Robert Woppel, formuliert es diplomatisch: Man warte ab, welche Überlegungen vonseiten des Sozialpartners kommen. Offener sind Arbeitgebervertreter nur hinter vorgehaltener Hand: Die nächste KV-Erhöhung stehe routinemäßig im Juli 2012 an und davor werde man über Forderungen nicht verhandeln, sagt der Chef eines kommunalen Verkehrsbetriebs.

Zugeknöpft auch ÖBB-Holding-Chef Christian Kern. Er lässt ausrichten, dass man Gehaltsverhandlungen prinzipiell nicht kommentiere und laufende schon gar nicht. Die Verschlossenheit liegt freilich auch daran, dass die ÖBB auch ohne Nachschlag deutliche Mehrkosten verdauen wird müssen. Denn sie muss damit rechnen, gerichtlich zu einer großflächigen Anrechnung von Vordienstzeiten bei zahlreichen Mitarbeitern verdonnert zu werden. Die Staatsbahn hat dafür zwar bereits mit 37 Millionen Euro vorgesorgt, an jährlichen Mehrkosten kommen durch diese rund zehn Millionen Euro dazu.

Kostenbelastungen mit sich bringen dürften auch Eisenbahnverordnungen, an denen im Verkehrsministerium gearbeitet wird. Von der Eisenbahn-Eignungs- und Prüfungsverordnung etwa erhofft sich der neue ÖBB-Konzernbetriebsratschef, Roman Hebenstreit, dass "Ausbildungs- und Lohndumping in zerstörerischem Ausmaß" verhindert wird. Hinter dem Wortungetüm verbergen sich Mindeststandards an Qualifikation und Sicherheitsnormen, die Bahnbedienstete wie Bahnbetriebe erfüllen müssen. Im Gegensatz zu Kran- und Staplerfahrern gebe es diese bei Eisenbahnern nicht - nicht nur in Österreich. Einzige Ausnahme sei der Lokführerschein, auf den sich die EU-Mitgliedsländer verständigt hätten.

Kritik übt der oberste ÖBB-Personalvertreter auch am Verkehrsministerium. Im Gegensatz zur Schweiz, wo 36 Eisenbahnpolizisten die Einhaltung von Sicherheit und Normen überprüften, habe Österreich eine "Mini-Eisenbahnbehörde, die praktisch keine Kontrollen durchführen kann", sagte Hebenstreit im Standard-Gespräch. Auch fehle eine Art TÜV-Pickerl, mit dem ein Bahnunternehmen nachweist, dass Waggons und Triebfahrzeuge regelmäßig technisch geprüft würden. Das entscheide jede Bahn für sich "und kann zum Sicherheitsproblem werden." (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.11.2011)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Weil die Inflation höher ist als der KV-Abschluss, wollen die bei Wind und Wetter Dienst schiebenden Eisenbahner bald mehr Geld.

Share if you care.