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Wie sinnvoll sind Theaterelemente in der Lehrlingsausbildung? Und was hat Theater mit Lernen zu tun? Sehr viel, meinen nicht nur Theaterpädagoginnen und LernpsychologInnen, sondern auch der Leiter der SPAR-Akademie in Wien.
Vor knapp einem Jahr wurden die DarstellerInnen von „Romeo und Julia" im Theater Akzent bejubelt. Das Besondere daran: Die SchauspielerInnen waren allesamt Lehrlinge der SPAR-Akademie, die in ihrem Berufs- und Alltagsleben wenig mit Theater am Hut hatten. Das hat sich durch die Zusammenarbeit mit Sylvia Rotter und ihrem Team von „Schule für das Leben" radikal verändert. In nur acht Wochen haben die Jugendlichen nicht nur den von Felix Mitterer bearbeiteten Text memoriert, sondern weit mehr erarbeitet: Stimm-, Atem- und Gesangsübungen sowie Workshops zu Improvisation, Rhythmus und Musik, Körper- und Fechttraining waren wichtige Elemente ihrer Theaterarbeit. „Für mich war die Entfaltung der Jugendlichen im Lauf der acht Wochen beeindruckend", so Sylvia Rotter.
Theater wirkt
Die Theaterproduktion war Teil einer wissenschaftlichen Studie, die unter der Schirmherrschaft von Manfred Spitzer (Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen, Universität Ulm) durchgeführt wurde. Die Ergebnisse sind mehr als beeindruckend: Im Vergleich zur Prüfgruppe haben jene, die im Theaterprojekt involviert waren, ein deutlich höheres Selbstbewusstsein, viel bessere sprachliche Ausdrucksfähigkeit und einen besseren Zugang zu den eigenen Gefühlen angegeben. Auch hinsichtlich des Gemeinschaftsgefühls und des Umgangs mit Kunden konnten eindeutige Verbesserungen erzielt werden. Manfred Spitzer resümiert: „Theaterspielen hat einen sehr positiven Effekt auf die intellektuelle, emotionale und soziale Komponenten der Persönlichkeit".
Was liegt also näher, als Theaterelemente in die regulären Lehrpläne aufzunehmen? Der Leiter der SPAR-Akademie, Jörg Schielin, hat genau das vor. Ab Februar 2012 werden Theaterworkshops für alle Lehrlinge ab dem ersten Lehrjahr angeboten.
Offenheit statt Kontrolle
Die SPAR-Akademie ist mit diesem Schritt nicht nur im Bereich der Lehrlingsausbildung Vorreiterin in Sachen Pädagogik mit dem Prädikat „besonders wertvoll". Österreichweit gibt es bislang wenig theaterpädagogische Elemente im Regelschulunterricht. Einzelne engagierte LehrerInnen sind da die Ausnahme. Theaterpädagogik ist weder in Schullehrplänen festgeschrieben, noch gibt es etwas wie „szenisches Lehren und Lernen" in der Ausbildung der Lehrenden. Lisa Kolb, Leiterin des AGB-Ausbildungslehrgangs für Theaterpädagogik, weiß aus ihrer Erfahrung mit Theaterprojekten in Schulen, dass vor allem die nötige Ausbildung für offene Lernprozesse fehlt: „LehrerInnen sind zielorientiert in Hinblick auf spezifische Ergebnisse. Dass etwas offen ist und dass Beiträge der SchülerInnen genommen werden, um zu einem Ziel zu kommen, findet kaum statt. Es geht mehr um die Kontrolle der SchülerInnen."
Theaterpädagogik
Theaterpädagogik geht davon aus, dass Lernen mit Persönlichkeitsentwicklung einhergeht: Sie nützt das szenische Spiel für das Lernen in unterschiedlichen Kontexten: In der Sozialarbeit mit Jugendlichen, in der Unternehmensberatung oder auch in der Politik. Während in Deutschland über hochschuldidaktische Zentren diese Methoden angehenden LehrerInnen vermittelt werden, fehlt Vergleichbares in Österreich. Mit verantwortlich dafür sei die Fokussierung auf einen eng gefassten schulischen Leistungsbegriff, sagt die Germanistin und Theaterpädagogin Susanne Hochreiter von der Uni Wien: „Mit steigendem Druck auf Schulen in Richtung Output und testbarem Wissen, erscheint ,spielen' als Zeitverschwendung." Und das, obwohl auch in Österreich „szenische Interpretation" im Schulunterricht seit den 1980er-Jahren durchaus einen fixen Platz im Methodenkanon habe.
Der Romeo aus der Feinkost
Die Theatralisierung verfolge im Unterricht denselben Zweck wie die konventionelle Lehre, nämlich Wissen verfügbar zu machen und Kompetenzen zu stärken, betont Hochreiter. Darüber hinaus gibt es aber weitere Absichten: „Die Erfahrung, die Erinnerung der Lernenden aktivieren, ihre Fantasie anregen". In der Theatralisierung wird ein Erfahrungsraum geschaffen, in dem die TeilnehmerInnen in Kontakt mit sich und den anderen kommen. In dieser Lernsituation, in der auch Emotionen und der eigene Körper vorkommen (dürfen), setzen sie das Thema, mit der gegenwärtigen Wirklichkeit in Beziehung. Genau das bestätigt Jörg Schielin für das Projekt mit den Lehrlingen: „Unsere Lehrlinge haben zu sich selbst gefunden, sie haben sich besser kennengelernt und sie haben gelernt, dass sie Ziele erreichen können - auch indem sie Hilfe dafür annehmen." „Romeo und Julia" sind den Lebenswelten der jungen Leute so betrachtet viel näher, als die historische Distanz und die fremd wirkende Sprache vermuten lassen. „Die Konflikte im Stück haben viel mit der Wirklichkeit der Jugendlichen zu tun. Es ist einfach zeitlos", erklärt Schielin.
Theater als Rezept in der Krise?
Die SPAR-Akademie arbeitet mit verschiedenen Unterrichtsmethoden, setzt aber insgesamt auf praktische, anschauliche Zugänge. Bei heterogenen Gruppen, die in so manchen Schulen als Problem wahrgenommen würden, müsse man sich eben etwas einfallen lassen, fordert Jörg Schielin. De facto haben zwei Drittel seiner Lehrlinge Migrationshintergrund, es sind bis zu 25 verschiedene Muttersprachen und 9 Glaubensbekenntnisse vertreten. Da brauche es Maßnahmen, die soziale Interaktion und Persönlichkeitsentwicklung stärken. Dass auch die Firmenleitung all diese Projekte unterstützt, ist, so Schielin, die Voraussetzung, um innovative Ideen mit den Lehrlingen umsetzen zu können. (Meri Disoski, derStandard.at, 22.11.2011)
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"Theaterspielen hat einen sehr positiven Effekt auf die intellektuelle, emotionale und soziale Komponenten der Persönlichkeit"
Tja, warum wohl wurde in vielen guten? (Internats-)Schulen früher einmal jährlich ein Stück von den Schülern aufgeführt?
Zumindest kommt das bis heute in vielen Büchern und Filmen vor. Seien es jetzt altbackene Internatsromane oder moderne Teeniefilme.
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