Diskussion um Rheintalstraße

23. November 2011, 15:56
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Landesregierung favorisiert Schnellstraße durchs Ried

Bregenz - Dreieinhalb Jahre hatten sich Experten, Politiker und Vertreterinnen von Umweltschutzorganisationen die Köpfe über eine Lösung der Verkehrsprobleme im Unteren Rheintal zerbrochen. Ergebnis des "konsensorientierten Planungsverfahrens" sind zwei Straßenvarianten, die das österreichische und Schweizer Straßennetz im Raum Bregenz/Dornbirn verbinden könnten: Eine Ortsumfahrung von Lustenau oder die Alternative Z, eine riedquerende Variante.

Die Landesregierung entschied sich bei ihrer Sitzung am Dienstag für die Riedquerung. "Mehrheitlich", wie der scheidende Landeshauptmann Herbert Sausgruber (VP) einräumen musste. Denn Umweltlandesrat Erich Schwärzler (VP) stimmte gegen die Riedstraße und nahm damit die Bedenken der Umwelt- und Naturschutzorganisationen ernst, die Beeinträchtigungen geschützter Riedgebiete befürchten.

Für den designierten Landeshauptmann Markus Wallner hat die Riedvariante Z erste Priorität, da sie "nach allen Untersuchungen die höchste Entlastung bringen würde". 23.000 bis 25.000 Kraftfahrzeuge würden 2025 über diese Schnellstraße fahren, Lustenau hätte dann 7000 Pkws und bis zu 2000 Lkws weniger, sagte Verkehrs- und Wirtschaftslandesrat Karlheinz Rüdisser (VP). Begleitend zum Straßenbau würden Bus- und Bahnverbindungen verbessert, versprach er.

Die 7,5 Kilometer lange Riedstraße könnte in zwei Varianten realisiert werden: als "überdeckelte" zu 335 Millionen Euro oder in der Tunnelversion um rund 440 Millionen Euro. Nun soll die Asfinag als Bauherrin die "vertiefte Planung" angehen.In eineinhalb Jahren könnten konkrete Pläne vorliegen. Baubeginn wäre frühestens 2018.

An einer anderen Riedstraßenvariante, der S18, sind mehrere Landesregierungen gescheitert. Die S18 durch das Lauteracher Ried wurde über vier Jahrzehnte von Umweltschützern, Grundbesitzern und Anrainergemeinden bekämpft. Schließlich sprach die EU ein Machtwort. Vor fünf Jahren kam aus Brüssel das Aus für die S18, die durch Natura-2000-Gebiete geführt hätte. (jub, DER STANDARD, Printausgabe, 23.11.2011)

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