Sanierung der Pensions­kasse kostet 108 Millionen

23. November 2011, 16:08
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Zu Nachzahlungen an Ex-Mitarbeiter soll es nicht kommen, neu eintretende Mitarbeiter sollen auf Pensionskassenzusagen verzichten

Wien - Angesichts der massiv eingebrochenen Renditen muss die Wirtschaftskammer nun 48 Mio. Euro in ihre Pensionskasse nachschießen. Zu Nachzahlungen an die Ex-Mitarbeiter soll es aber nicht kommen. Für neu eintretende Mitarbeiter soll es überhaupt keine Pensionskassenzusagen mehr geben, kündigte Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl (ÖVP) bei einer Pressekonferenz am Mittwoch an. Einen entsprechenden Beschluss sollen die Gremien im Lauf des Nachmittags fassen. Außerdem soll die bestehende betriebliche Pensionskasse ausgelagert, also an eine überbetriebliche Pensionskasse vergeben werden.

Weitere 20 Mio. Euro "Schwankungsrückstellung"

Zusätzlich zu den sofort fälligen 48 Mio. Euro wird die Wirtschaftskammer bis 2021 noch zwei Mio. Euro jährlich in die "Schwankungsrückstellung" ihrer Pensionskasse investieren. Die insgesamt 20 Mio. Euro würden in das Kapital der Pensionskasse eingeschossen, wenn die nun angestrebte Verzinsung von 4,75 Prozent nicht erreicht werden sollte, sagte WKÖ-Generalsekretär Herwig Höllinger. Die Kosten bis 2021: 68 Millionen Euro. Insgesamt entstehen der Wirtschaftskammer für die Sanierung ihrer Pensionskasse Kosten von 108 Mio. Euro. Grund dafür: Neben den 68 Mio. Euro, die für die Abdeckung zukünftiger Ansprüche in die Pensionskasse eingeschossen bzw. zurückgestellt werden müssen, wird es weitere 40 Mio. Euro für die Abdeckung von in der Vergangenheit nicht ausreichend berücksichtigten Risiken geben.

Rendite nicht erreicht

Die Wirtschaftskammer will mit der Sanierung die Affäre um die Zusatzpensionen ihrer Mitarbeiter begradigen. Hintergrund: Die ursprünglich erwartete Rendite der Pensionskasse von 7,5 Prozent wurde nie erreicht. Auch eine einmalige Absenkung der Zinserwartung auf 6 Prozent reichte nicht aus. Vielmehr lag die durchschnittliche Wertsteigerung bei gerade einmal 0,64 Prozent. Entsprechend sind auch die Pensionszahlungen an die ehemaligen Mitarbeiter deutlich geringer ausgefallen als ursprünglich in Aussicht gestellt.

Wie der zuständige Generalsekretär Herwig Höllinger am Mittwoch erläuterte, sollen daher nun einmalig 48 Mio. Euro in das Kapital der Pensionskasse nachgeschossen werden. 18 Mio. Euro muss allein die Bundeswirtschaftskammer aufbringen, der Rest entfällt auf Landeskammern und Fachgruppen. Damit wird es zwar, wie Höllinger sagte, keine Ausgleichszahlungen für die in der Vergangenheit geringer als geplant ausgefallenen Rentenzahlungen geben. Für die Zukunft soll das zusätzliche Kapital aber etwas höhere Auszahlungen ermöglichen.

Zinserwartung wird gesenkt

Außerdem wird die Zinserwartung für die Pensionskasse der Wirtschaftskammer neuerlich gesenkt - und zwar von aktuell 6 auf auf 4,75 Prozent. Damit soll der Kasse, so Höllinger, eine weniger riskante Anlagestrategie ermöglicht werden. Nicht näher beziffert wurden allfällige in der Zukunft noch nötige Zuschüsse für die Pensionskasse. Medial war von insgesamt bis zu 110 Mio. Euro die Rede.

Ebenfalls beschließen will die Wirtschaftskammer bei ihren Gremiensitzungen am Mittwoch, dass die betriebliche Pensionskasse an eine überbetriebliche Kasse ausgelagert wird. Für neu eintretende Mitarbeiter soll es daher keine Pensionskassenzusagen mehr geben. (APA)

 

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