Fast zwei Drittel der HIV-Infizierten stehen im Berufsleben

23. November 2011, 14:30
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Erkrankte sind überwiegend männlich und gebildet - Rund 500 Neuinfektionen jedes Jahr - Angst vor Stigmatisierung

Wien - In Österreich leben 7.000 bis 8.000 Menschen, die sich mit dem HI-Virus infiziert haben, und jedes Jahr kommen rund 500 dazu. Neue Therapiemöglichkeiten zeigen zwar gute Laborwerte, "bisher haben wir aber nicht gewusst, wie diese Leute leben", sagte Horst Schalk von der Österreichischen Aids-Gesellschaft bei einem Pressegespräch im Vorfeld des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember in Wien. Darüber gibt jetzt eine Studie der Österreichischen Gesellschaft niedergelassener Ärzte zur Betreuung HIV-Infizierter (ÖGNÄ-HIV) Aufschluss: Fast zwei Drittel der Befragten - es handelt sich dabei überwiegend um Männer - arbeiten. Sie haben mit Stigmatisierung zu kämpfen und mit der Angst, andere anzustecken.

HIV sei zwar nach wie vor nicht heilbar, die Sterblichkeitsrate konnte durch Kombinationstherapien aber um rund 90 Prozent abgesenkt werden, sagte Brigitte Schmied, Leiterin der Immunambulanz im Wiener Otto-Wagner-Spital. Ziel der von einem Pharmaunternehmen unterstützten Befragung sei es gewesen zu erfahren, wie die Patienten leben und "wie wir sie noch besser betreuen können", sagte Studienleiter Olaf Kapella. Die Daten seien "ziemlich verlässlich", sagte er, niedergelassene Ärzte und die Ambulanzen am Wiener AKH, am Grazer LKH und am Wiener Otto Wagner Spital haben 800 Fragebögen an ihre Patienten verteilt, 472 konnten ausgewertet werden.

Angst, andere anzustecken

Die Angst davor, dass andere Menschen von der Erkrankung erfahren könnten, schränkt die Lebensqualität der Befragten am meisten ein, so Kapella. Außerdem haben sie große Angst davor, andere anzustecken. 80 Prozent der Befragten gaben an, immer oder fast immer auf sicheren Sex zu achten. Die Partner sind es auch, die mit rund 94 Prozent am häufigsten über die Krankheit informiert werden. Ganz anders die eigenen Kinder - sie wissen häufig nicht um die Erkrankung der Eltern.

Wie stark sich die Patienten in ihrem Alltagsleben beeinträchtigt fühlen, hängt auch davon ab, wie viele Medikamente sie wie oft am Tag einnehmen müssen. 75 Prozent der Männer und die Hälfte der befragten Frauen schlucken nur noch einmal am Tag Tabletten. Nebenwirkungen verspüren aber fast alle, am häufigsten Müdigkeit, aber auch Verdauungsprobleme.

Die Erkrankung sei mittlerweile zwar gut therapierbar, "leider hat die gesellschaftliche Entwicklung mit der medizinischen aber nicht schritthalten können", kritisierte Herr Helmut, Betroffener und Obmann der Selbsthilfegruppe "Positiver Dialog". Er wünsche sich, dass HIV eine Stellung bekomme wie andere chronische Erkrankungen auch. Schmied schloss sich diesem Wunsch an, "das wird aber noch dauern", gab sie zu bedenken. (APA)

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