"Von Fischen, Vögeln und Reptilien" in der Nationalbibliothek

23. November 2011, 14:25
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Ausstellung zu Renaissance-Tieralben aus den kaiserlichen Sammlungen im Prunksaal

Wien  - Etwa 400 Jahre sind sie alt, die Kakadus und Krokodile, die Leoparden und Meereseinhörner, aber ihre Farben strahlen nach eingehender Restaurierung prächtig aus den Vitrinen. Mit der Sonderausstellung "Von Fischen, Vögeln und Reptilien" zeigt die Nationalbibliothek  bis zum 29. Jänner in ihrem Prunksaal ganz besondere Schätze aus dem kaiserlichen Fundus: Tieralben aus der Zeit um 1600. Sie selbst sei mit "fast kindlicher Freude" durch die Ausstellung gegangen, berichtete Generaldirektorin Johanna Rachinger bei der Pressekonferenz am Mittwoch.

Es sei diese "ganz unmittelbare Faszination" mit der Tierwelt, die wir in Zeiten von Film und Foto genauso kennen wie schon die Menschen der frühen Neuzeit. Die Zeichnungen sind Kunstwerk und naturwissenschaftliche Skizze zugleich, sie markieren ein Interesse an empirischer Naturbeobachtung ebenso wie den ästhetischen Genuss der fürstlichen Kunst- und Wunderkammern. "In der Kunstgeschichte wurden diese Darstellungen bisher viel zu wenig wertgeschätzt", betonte  Kuratorin Christina Weiler.

Säulen der Schau sind zwei bedeutende Sammlungen: Das "Museum" Rudolfs II. (1552-1612), der sich in der Werkstatt seines Hofes in Prag rund 200 Tierbilder anfertigen ließ - mit zahlreichen Kopien von Hans Hoffmann und Guiseppe Arcimboldo. Der Kaiser besaß auch selbst viele lebendige Tiere, die in seinen Orangerien und Menagerien hausten - oft neben ihren Abbildungen. Die zweite Kostbarkeit ist das mehr als 1.000 Einzeltierzeichnungen umfassende Tieralbum des Erzherzogs Ferdinand II. von Tirol (1529-1595), der die prachtvollen Aquarelle der Adria-Tierwelt bei dem Maler Giorgio Liberale in Auftrag gab.

Exotische Wesen, aber manchmal auch Fabeltiere - "der Vollständigkeit halber"- so Weiler, Vögel und Fische, aber auch Elefanten und Schmetterlinge: Exquisite Detailarbeit kennzeichnet die Meister, leuchtende Farben preisen die Arbeit der Restauratoren. Die aktuelle Ausstellung ist die erste, in der die Tiere in derartiger Fülle aus ihren Regalställen geholt werden - und wird aufgrund der sensiblen Materialien wohl auch für längere Zeit die letzte sein.  (APA)

  • Ein Nilkrokodil, präsentiert von Giorgio Liberale (1527–1580) in "Meeresfauna des adriatischen Meeres" (Görz/Innsbruck, 1562–1579)
    foto: nationalbibliothek

    Ein Nilkrokodil, präsentiert von Giorgio Liberale (1527–1580) in "Meeresfauna des adriatischen Meeres" (Görz/Innsbruck, 1562–1579)

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