Ermittlungen nach schädlichem Versuch mit Reizgas in Justizanstalt

23. November 2011, 13:51
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Krankenschwester in Justizanstalt Josefstadt laut "News" verletzt - Staatsanwaltschaft ermittelt

Wien  - Bei der Vorführung eines Reizgaswerfers in der Wiener Justizanstalt Josefstadt im Mai 2010 sei eine Krankenschwester verletzt worden, danach sei versucht worden, den Vorfall zu vertuschen. Das berichtet das Nachrichtenmagazin "News" in seiner am Donnerstag erscheinenden Ausgabe. Die Staatsanwaltschaft Wien ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung und des Verdachts der Gefährdung der körperlichen Sicherheit, wie deren Sprecher Thomas Vecsey am Mittwoch bestätigte.

Pflegerin verletzt

Der Vorführung lag laut "News" die Annahme zugrunde, dass ein Insasse randaliere und sich im Haftraum verbarrikadiert habe. Durch die sogenannte Speiseklappe sei CS-Gas in den Raum gesprüht worden. Der Justizwachebeamte, der sich als Versuchsperson zur Verfügung stellte, habe nach zehn Sekunden einen "totalen Atemverlust" erlitten und sei kollabiert. Daraufhin habe man eine Krankenschwester zur Hilfe gerufen, die heute angibt, über den Gasversuch nicht informiert gewesen zu sein. Die Krankenschwester habe schwere Verletzungen erlitten und befinde sich seit einem Jahr im Krankenstand.

In einem Einsatzbericht wurde nach Informationen des Nachrichtenmagazins zunächst behauptet, es habe keine Verletzten gegeben, danach, dass die Krankenschwester bei der Vorbesprechung anwesend gewesen sei. Ein dabei angefertigtes Video sei "nachbearbeitet" worden.

Laut Thomas Vecsey versucht die Staatsanwaltschaft, den Sachverhalt zu klären. Es gebe polizeiliche Erhebungen, zwei Gutachtenaufträge seien erteilt worden, sagte der Behördensprecher zur APA. Vorläufig liegen diese Expertisen zu den Verletzungen der Frau nicht vor.

Pfefferspray

Der Reizgaswerfer sei der Vollzugsdirektion angetragen worden, sagte deren stellvertretender Leiter Peter Prechtl. Man sei auf der Suche nach einer Alternative für zuvor verwendete Tränengaszerstäuber und -gewehre gewesen, die nicht den Vorstellungen entsprochen hätten. Prechtl bestätigte, dass die Krankenschwester sich im Krankenstand befindet, die anderen Beteiligten hätten keine Probleme gehabt. Zum Verdacht der Vertuschung des Vorfalls äußerte sich der stellvertretende Vollzugsdirektor unter Hinweis auf das laufende Verfahren nicht. Der Reizgaswerfer sei nicht in Verwendung, Tränengas sei durch Pfefferspray ersetzt worden. (APA)

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    Umstrittenes Experiment mit Reizgas sorgt für Aufruhr: Justizanstalt Josefstadt

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