Vom Sudan über Äthiopien nach Nairobi

Benedikt Loebell, 24. November 2011, 16:45

Endlich bekommt Benedikt das Visum für Äthiopien, erlebt in Lalibela eine besondere Nacht und fährt endlich richtig Off-Road

Khartum ist wie leer gefegt. Ich verbringe zwei Tage hier, schlendere durch die Straßen, kaum ein Geschäft hat offen, auch der Souk ist leer. Die Taxifahrer klagen über das schlechte Geschäft. Für eine Strecke, für die ein Taxi normalerweise 45 Minuten braucht, braucht es jetzt 10 Minuten. Selbst die Geschwindigkeit des Internets wurde gedrosselt. Der Staat hat Angst, dass sich die Menschen in den Ferientagen zu sehr mit der Außenwelt beschäftigen.


Wie sich sudanesische Kinder amüsieren gibt's in der --> Ansichtssache zu sehen.

Ich besuche die Ausgrabungen von Musawwarat es Sufra, nördlich von Khartum. Eigentlich will ich auch noch die Meroe Pyramiden weiter nördlich besichtigen, doch es ereilt mich im Nirgendwo der Wüste der Anruf des äthiopischen Botschafters mit der Info, dass er mich innerhalb der nächsten Stunde erwartet, um mir das Visum auszustellen. Ich rase zurück nach Khartum, erhalte endlich mein Visum und reise am darauf folgenden Tag Richtung Äthiopien ab.

Die Straßen Äthiopiens

Die Veränderung der Natur ist beeindruckend. Die Wüste verwandelt sich langsam in Steppe, es gibt immer weniger Kamele neben der Straße und je näher ich der Grenze komme, umso abwechslungsreicher wird die Natur. Es gibt immer mehr Bäume, Sträucher und bestellte Felder. Obwohl die Sonne herunterbrennt und es 42°C hat, sehe ich zum ersten Mal nach drei Wochen wieder Wolken.

Kaum auf der äthiopischen Seite angelangt, wird die Straße besser und ich gewinne schnell an Höhe. In Serpentinen geht es steil bergauf durch eine fantastische Landschaft Richtung Gondar. Dort angelangt, suche ich einen Mechaniker, der mir mein Auto richten soll - es macht seit Tagen undefinierbare Geräusche! Dieser „Mechaniker" findet zwar etwas zum Richten - kein Wunder bei meinem Auto - löst aber nicht mein eigentliches Problem.

Gondar war bis vor nicht all zu lang Zeit die Hauptstadt Äthiopiens. In der Vergangenheit haben hier die Könige in der so genannten Royal Enclousure, der königlichen Festung, residiert. Es erinnert mich sehr an ein altes schottisches Schloss. Etwas außerhalb von Gondar liegt eine der Heiligtümer der orthodoxen äthiopischen Kirche: die Debre Berhan Selassie Kirche. Sie wurde vor 300 Jahren erbaut, in den Innenräumen befinden sich einzigartige Wandmalereien.

Die elf Kirchen von Lalibela

Mein Weg führt mich in den Osten. Gegen Abend erreiche ich, nach einer abenteuerlichen 60 Kilometer Off-Road Erfahrung, Lalibela. Elf, aus dem flachen Stein gehauene Kirchen, gibt es hier. Diese sind nicht Stein auf Stein, sondern von der Oberkante nach unten in den Stein gemeißelt.

Ich habe unglaubliches Glück: diese Nacht ist eine besondere. Es ist die letzte Nacht vor dem einmonatigen Fastenmonat. Am Ende des Fastens wird Weihnachten gefeiert. In dieser Nacht wird in jeder der Kirchen gefeiert, gebetet, getanzt und geruht. Wobei das Ruhen den Frauen vorbehalten ist. Die Männer singen, klatschen und tanzen, nur wenn die Geistlichkeit die Kirche verlässt, erheben sich die von weißen Leinentüchern verhüllten Frauen und trillern und klatschen ebenfalls.


Eine ganz besondere Nacht in Lalibela in dieser -->Ansichtssache.

Am Morgen sind nur noch wenige Gläubige anwesend, die die Nacht über durch gebetet haben. Aber es finden sich zunehmend neue Gläubige ein, die tanzend, klatschend und singend beten. Das Szenario, das sich da vor meinen Augen abspielt, erinnert mich sehr stark an die Vorstellung von Jesus mit seinen Jüngern am Ölberg.

Südlich in eine karge Hochebene

Auf der Fahrt nach Südosten verändert sich die Landschaft wieder rapide. Von einer recht saftigen Landschaft mit verschiedensten Grün-, Braun-, und Ockertönen, gelange ich auf eine karge Hochebene, von der aus ich auf die Hauptstadt Addis Ababa sehen kann.

Auffallend ist, dass es um einiges mehr Hochhäuser und Glasbauten gibt als z.B. in Khartum und der Smog um ein vielfacher stärker ist! Es gibt drei Erklärungen für den Rauchausstoß der Autos: die Seehöhe, die schlecht eingestellten Vergaser und die schlechte Treibstoffqualität. Liegt es aber vielleicht ursprünglich auch daran, dass die Autos ohne Vergaser, die wir in den Industrieländern vor 20, 30 Jahren gefahren haben, hierher gebracht werden und einen großen Teil Mitschuld an der Umweltverschmutzung Afrikas und der Vergrößerung des Ozonloches tragen?


Der Smog äthiopischer Großstädte und mehr in dieser --> Ansichtssache.

Leider werde ich in die Holy Trinitiy Kirche um sieben Uhr am Morgen nicht eingelassen, da das Touristenbüro noch nicht geöffnet ist und ich daher kein Ticket habe. Auch wenn ich beteuere, nicht als Tourist sondern als Gläubiger zu kommen, wird mir der Zugang verwehrt. Nachdem ich die Nacht auf dem Parkplatz einer Kirche verbracht habe, fahre ich weiter Richtung Süden, das Ziel: Nairobi.

Früh morgens wird an meinem Auto noch schnell am vorderen linken Reifen ein Kugellager erneuert. Außerdem entfernt man zwei Nägel aus dem recht Reifen. Die seltsamen Geräusche, die das Auto macht, verschwinden trotzdem nicht. Ich habe Angst, dass etwas Gröberes am Getriebe oder gar am Motor fehlerhaft ist und fahre etwa angespannt weiter in Richtung Nairobi. Jeder Kilometer, den ich näher an diesem Ort bin, verspricht eine kürzere Abschleppdistanz! Ich hoffe, dass es nicht dazu kommt!

Begleitung aus Bulgarien

Auf der Strecke Richtung Moyale, der Grenzstadt zw. Äthiopien und Kenia lese ich Terri auf. Sie ist 27 Jahre alt , kommt aus Bulgarien und versucht mit einem Budget von 2.500.- Euro den afrikanischen Kontinent zu umrunden. Von diesem Betrag braucht sie ca. 2000.-, allein für die verschiedenen Visa. Da sie schon einige Länder in Asien, sowie alle europäischen Länder bereist hat, war der afrikanische Kontinent das nächste Ziel auf ihrer Liste. Bis zu diesem Zeitpunkt war sie seit drei Monaten unterwegs. Ursprünglich wollte sie zu Weihnachten in Cape Town zu sein.

Auf meine Frage, ob sie keine Angst vor Vergewaltigung, Raub, Krankheiten oder dem unerwarteten Ausbruch eines kriegerischen Konfliktes hat, antwortete sie klar und einfach: „Nein, ich habe Vertrauen, dass nichts passiert". Terri trinkt auch Nilwasser. Kein anderer vernünftiger Europäer würde dies tun. Verschiedenste Krankheiten und auch die furchtbarsten Magen-, und Darmverstimmungen haben sie nicht davon abgehalten.

Ihre Idee, diese Reise alleine zu machen, beruht darauf, dass sie schon in ihrer Jugend von zu Hause ausgebrochen war, sich für bis zu drei Monate in die Berge Bulgariens verschanzt hatte und dort von Beeren, Kräutern und von Wildwasser gelebt hat.

Sie übernachtet bei ihren Reisen entweder in ihrem Zelt oder sucht sich über die Website couchsurfer.com einen Schlafplatz. Das sie mit weniger als 2 Euro pro Tag auskommen kann erklärt sich dadurch, dass die meisten Gastgeber sie auf Kost und Logis einladen.

Sie erzählt mir, wie unfassbar unfreundlich die Äthiopier zu ihr sind, mit welchen erniedrigenden Gesten sich vor allem Kinder über sie lustig machen. Sie werfen Steine nach ihr, bespucken sie, versuchen sie zu bestehlen, ziehen sie an den Haaren und lassen sie nicht einmal in Ruhe ihre Notdurft erledigen. Terri ist kurz vor dem Nervenzusammenbruch, als ich sie treffe. Eine mögliche Erklärung für diese Art des "Willkommen Heißens" ist, dass die Kinder verwahrlost sind und keine Erziehung genießen. Mir wird berichtet, dass gebildete Erwachsene so etwas nicht tun.

Off-Road nach Kenia

Nach der Grenze beginnt ein 360 Kilometer langer Ritt durch die Off-Road Hölle, der extrem viel Spaß macht und meine Nerven ordentlich strapaziert - endlich kann mir mein Auto zeigen was es kann! Es fängt mit einer recht angenehmen Schotterpiste an, die sich mal in eine Sandpiste, mal in eine Geröll-, oder Gatschpiste verändert. Derzeit ist zwar keine Regenzeit. Trotzdem kommt es immer wieder zu heftigen Regenfällen, die jedes Passieren der ohnehin schlechten Straße noch mehr erschweren.

Der schlimmste Teil erwartet uns auf der Straße südlich der Stadt Marsabit. Dort beginnt eine chinesische Straßenbaufirma den Weg in Richtung Norden (Addis) und Süden (Nairobi) zu asphaltiert. Dutzende LKWs sind auf der "Straße" unterwegs und hinterlassen tiefe matschige Furchen. Bis auf eine ausgehängte, hintere Feder übersteht mein Auto den Weg bis zur nächsten, asphaltierten Straße mit Bravour. Und ich hatte großen Spaß - der Thrill ist unübertroffen!


Off-Road geht's weiter in Kenia. Zu sehen in dieser --> Ansichtssache.

In der Nähe von Nyeri verlässt mich meine Begleitung. Sie hat hier ein Bett bei einem Couchsurfer, und will nicht nach Nairobi, sondern nach Westen, in Richtung Uganda.

In Kenia muss ich mich erst an die "umgekehrte" Fahrweise gewöhnen - links fahren muss gelernt sein! In Nairobi angelangt, berichtet mir der Mechaniker, dass durch mein kleines Off-Road-Abenteuer im rechten vorderen Reifen ein Kugellager zerfetzt ist und die Bremsblöcke eingerostet sind. Es scheint ein leicht behebbares Problem zu sein, denn nach nur wenigen Stunden Arbeit und einem Ölwechsel ist mein Baby wieder fit!

Ansichtssachen:

Die-elf-Kirchen-von-Lalibela
Sudan-Khartoum
Naechster-Halt-Aethiopien
Kenia

istros
00
25.11.2011, 11:44
kein anderer Europäer würde Nilwasser trinken?

So was, ich hab's aber gemacht und ich kenne viele, die ebenso.
Auch hat sich der Autor in einem anderen Artikel elegant herumgeschlängelt die Passagiere von der Fähre zwischen Ägypten und Sudan zu beschreiben.
In meinem Fall waren das an die 50 europäische "Abenteurer" gewesen, die sich auf dem Oberdeck breitgemacht haben.
Die Beschreibung, die hier abgeliefert wird, ist nur die von einem von hunderten Weißen, der von einem "Lonely Planet"-Hotel zum nächsten fährt - und dort mit anderen Weißen über die Eigenheiten der Einheimischen schimpft.
"für die meisten Europäer ist Afrika ein Computerspiel" sagte ein Belgier, die sitzen nur in ihren Campingplätzen und chatten per Laptop nach Hause, was für Helden sie nicht sind!

mic media
00
8.12.2011, 15:00

na du bist aber ein ganz ein toller!

TheNepomuk
02
24.11.2011, 20:54

Da hat wohl jemand keinen Plan von Fahrzeugtechnik...

Johannes Benn
11
24.11.2011, 17:29
.

"Sie werfen Steine nach ihr, bespucken sie, versuchen sie zu bestehlen, ziehen sie an den Haaren und lassen sie nicht einmal in Ruhe ihr Notdurft erledigen"
in europa wuerde man ein solches verhalten vermutlich als rassistisch bezeichnen

Ndugu
00
25.11.2011, 06:45
Ich kenne Äthiopien seit vielen Jahren,

und kann nur sagen, sehr seltsam.
Die Leute sind im Allgemeinen sehr gastfreundlich, und auch wenn einem überall Kinder nachlaufen, sind diese meist einfach neugierig und benehmen sich keinesfalls so wie hier beschrieben, bzw. wenn sie das tun, werden sie oft von Erwachsenen zurechtgewiesen.

istros
00
25.11.2011, 11:29
.

es kommt sehr auf die Gegend an und welche Stämme einem begegnen. Es gibt da schon einige richtige schlimme Rowdys.
Aber letztendlich kommt es auch immer drauf an, welche eigene Stimmung man mitbringt.
Ich bin die Strecke mit dem Fahrrad gefahren, da wechselt die oft. Manchmal ist man wirklich kurz davor sogar kleine Mädchen zu verprügeln, meistens aber wenn man selbst mit einer aufgeschlossenen Stimmung kommt und auch Verständnis für die Armut dieser Menschen aufbringt geht es gut!

jose luis schuster
03
24.11.2011, 18:24

das tut man in afrika auch. dadurch wird es aber weder hier noch dort besser.

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