Filmwirtschaftsbericht mit verhaltenem Optimismus

23. November 2011, 13:51
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Anhaltende Exporterfolge: Umsatz von knapp 700 Millionen Euro mit "Luft nach oben"

Wien - Der deutliche Aufwärtstrend des österreichischen Films in den Jahren 2008 und 2009 hat sich 2010 bestätigt, die Entwicklung auf gutem Niveau konsolidiert, konstatiert der vom Österreichischen Filminstitut (ÖFI) erarbeitete Filmwirtschaftsbericht, der mit allen Details ab Ende November offiziell auf www.filminstitut.at, der Webseite des ÖFI, zum Download zur Verfügung steht.

Die heimische Filmwirtschaft setzte demnach 2010 knapp 700 Millionen Euro um, rund 6.900 Beschäftigte waren in der Branche tätig. Für das ÖFI bewegt man sich damit im Ländervergleich "im guten Mittelfeld", aber angesichts der Menge und Qualität der eingereichten Projekte durchaus mit "Luft nach oben". Für bemerkenswert hält dessen Direktor Roland Teichmann bei seinen Erläuterungen gegenüber der APA vor allem die Leistung des ORF, dessen Förderungsleistung von 5,6 Millionen im Jahr 2007 auf 17,8 Millionen Euro im vergangenen Jahr angestiegen ist und sich damit nunmehr "auf Augenhöhe" mit dem Filminstitut bewegt.

Dass der österreichische Film außerhalb des Landes rund drei Millionen verkaufte Tickets erreichte, ist für Teichmann der Beweis für einen "kulturellen Exportartikel, der weit über den Festivalfokus hinausgeht." Dieser Erfolg sei nicht auf ein One-Hit-Wonder zurückzuführen, sondern lasse sich als Trend beobachten. Benjamin Heisenbergs "Der Räuber" laufe etwa, wenn auch in kleiner Kopienanzahl, seit 37 Wochen in den amerikanischen Kinos - "das ist schon beeindruckend". Bei den Filmpreisen ragt Michael Hanekes Oscar-Nominierung für "Das weiße Band" heraus, aber auch der "Special Orrizonti Jury Prize" in Venedig für "The Forgotten Space" oder Auszeichnungen für Werbe- und Tourismusfilme werden gelistet.

5,1 Prozent Marktanteil

Die Kinobesuche in Österreich fielen 2010 von 18,1 auf 16,5 Millionen in 160 Kinos zurück, von insgesamt 584 Kinosälen waren 299 digitalisiert. Bei den Besuchen belief sich der nationale Marktanteil auf 5,1 Prozent, 2009 waren es 7,7 Prozent. Für Teichmann ist dabei bemerkenswert, wenn man die Zahl im Umfeld betrachtet: Der Marktanteil der europäischen Produktionen insgesamt beträgt 19,2 Prozent, während US-Produktionen 80 Prozent der Besuche verzeichneten. Insgesamt verzeichnete der österreichische Film 37 Kinostarts (davon 19 Spielfilme), die innerhalb des Felds der europäischen Produktionen somit einen Marktanteil von 26,1 Prozent erreichten.

Der erfolgreichste Film im Kinojahr 2010 war James Camerons "Avatar - Aufbruch nach Pandora" mit 799.639 Besuchen vor "Alice im Wunderland" (526.814) und "Harry Potter 7 - Die Heiligtümer des Todes: Teil 1" (526.014), knapp gefolgt von "Für immer Shrek" und "Twilight Saga: Eclipse - Biss zum Abendrot". Als erfolgreichste österreichische Produktion konnte sich "Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott" mit 195.427 Besuchen auf Platz 19 etablieren, im heimischen Vergleich folgte dahinter die umstrittene Doku "Am Anfang war das Licht" (93.570).  Von 425 im Kino gezeigten Filmen erzielten nur 50 mehr als 100.000 Besucher (davon 45 US-Filme), immerhin 114 Filme blieben aber unter 1.000 Besuchern (davon 17 US-Filme).

Dumpinggefahr

Alle Förderstellen zusammengerechnet, standen der österreichischen Filmbranche 69,9 Millionen Euro für Film- und Fernsehproduktionen zur Verfügung, davon stellte das ÖFI 16,5 Millionen. Dieses Budget ist auch für 2011 und 2012 stabil, erklärte Teichmann, "ab 2013 wird es spannend". Die im Regierungsprogramm angekündigte Aufstockung auf 20 Millionen Euro "wäre schön, aber momentan haben alle ganz andere Sorgen. Vorrangig wird wohl eher die Bestandssicherung sein, wenn die Sparstifte angesetzt werden."  Seitens des Bundes wurde 2010 die Film- und TV-Filmbranche mit 22,6 Millionen Euro unterstützt, bei einem insgesamten Kulturförderungsetat von knapp 420 Millionen Euro.

Eine "Spirale nach unten" sieht Teichmann dabei bei den durchschnittlichen Kosten eines Spielfilms, die sich vor fünf Jahren auf 1,8 Millionen Euro beliefen, laut aktuellem Bericht für 2010 nur mehr auf 1,3 Millionen. Es gebe die Tendenz, dass sich viele Budgets nicht mehr an dem orientieren, was ein Film tatsächlich kosten würde, sondern an der Finanzierungswahrscheinlichkeit: Im Wettbewerb ums Fördergeld bedeute ein geringerer Betrag einen Wettbewerbsvorteil. Dies sei Resultat der Situation, dass äußerst viele Projekte eingereicht werden, davon "weit mehr spannende Projekte", als die Fördertöpfe unterstützen können. Es drohe bei den Produktionsfirmen die Gefahr eines Dumpings.  (APA/red)

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