FPÖ warnt vor Ärztemangel

23. November 2011, 12:44

Karlsböck und Belakotsich-Jenewein fordern dringend Gegenmaßnahmen

Wien - Die FPÖ schließt sich der Warnung der Ärztekammer vor einem drohenden Ärztemangel in Österreich an. Gesundheitssprecherin Dagmar Belakowitsch-Jenewein und Ärztesprecher Andreas Karlsböck warfen am Mittwoch in einer gemeinsamen Pressekonferenz den verantwortlichen Politikern im Gesundheits- und Wissenschaftsministerium Untätigkeit vor und verlangten dringend Reformmaßnahmen. Konkret forderten sie eine Reform der Ärzteausbildung und eine Aufhebung der Zulassungsbeschränkungen zum Medizinstudium.

Die beiden freiheitlichen Gesundheitspolitiker verwiesen auf Berechnungen der EU-Kommission, die einen Mangel von 230.000 Ärzten in der Union in zehn Jahren errechnet habe. In Österreich werde die Situation spätestens in zehn Jahren dramatisch, wenn die mehr als 13.000 Ärzte, die heute zwischen 46 und 55 Jahre alt sind, in Pension gehen. Karlsböck und Belakowitsch-Jenewein verwiesen darauf, dass heuer nur 1.150 Studenten an den Medizin-Unis neu zugelassen wurden. Auf Grund der Quoten für Ausländer sind darunter nur 860 Österreicher. Davon würden nur rund 800 ihr Studium tatsächlich abschließen und etwa 300 dann später nach Deutschland zur Facharztausbildung gehen, wovon wiederum nur wenige nach Österreich zurückkehren werden, so die Rechnung der beiden FPÖ-Politiker. Sie warfen den Ministern Alois Stöger (SPÖ) und Karlheinz Töchterle (ÖVP) vor, eine Ärztebedarfsstudie, die diese Zahlen belegen würde, unter Verschluss zu halten.

Facharztausbildung reformieren

Wenn nicht rasch Maßnahmen ergriffen werden, befürchten die Freiheitlichen zwei Szenarien: Entweder müsse man um teures Geld fertige Mediziner aus dem Ausland anwerben oder es würden chronisch unterversorgte Gebiete insbesondere im ländlichen Bereich entstehen. Beide Alternativen seien nicht wünschenswert. Neben einer Aufhebung der Zugangsbeschränkungen und der Errichtung einer zusätzlichen Medizinischen Universität in Linz fordern die Freiheitlichen daher eine Reform des Ärzteausbildungssystems. Vorbild könne dafür das deutsche Bundesland Sachsen sein, wo Turnus und Facharztausbildung in einem integrierten Curriculum in maximal sechs Jahren absolviert werden können. In Österreich dauert die Facharztausbildung mindestens neun Jahre, im Durchschnitt 12 bis 13 Jahre. Außerdem verlangt die FPÖ einen Tutor als Ausbildungsbevollmächtigten für die angehenden Mediziner nach deutschem Vorbild sowie die Schaffung von Lehrpraxen. (APA)

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15 Postings
FFluXXuSS
00
16.1.2012, 12:50
Eine Seite beschließt die Zugangsbeschränkung, die andere wettert dagegen.

Zumindest so sorgen sie für Beschäftigung.

Nicht die der Mediziner...

Sarepta
00
24.11.2011, 13:15

Sowieso, immer schön nach dem Vorbild des grossen Bruders Deutschland, wo ein noch nie dagewesener Ärztemangel herrscht, warum wohl? Die hirnlose Idee das Loch dann eben wieder mit Massenausbildung zu stopfen, wird so nicht funktionieren oder ist das Zynismus, wo gerade eben erst dem AKH der Geldhahn zugedreht wurde. Und warum um alles in der Welt braucht Linz eine MedUni, lächerlich...

sainty1
00
24.11.2011, 10:35
sollen sie was dagegen tun

der gärtner
13
23.11.2011, 20:14

niemand will für einen hungerlohn und totalverzicht auf privatleben in ein ländliches kaff ziehen.

da könnens noch so viele medunis aufstellen.

Walter Fenz
00
23.11.2011, 19:10
FA-Ausbildung in D heißt meist: NICHT

in Mindestzeit fertig, NICHT in der Arbeitszeit werden viele Ausbildungsinhalte vermittelt (trotz Ärztemangels !) wie rechtlich vorgesehen, sondern in der Freizeit auf eigene Kosten. Und meist werden nicht einmal ansatzweise die vorgeschriebenen Inhalte beigebracht, sondern eben nur die Inhalte nach Gutdünken des Chefs unterschrieben, die man sich "verdient" hat. Viele "FÄ" an Kliniken lernen erst als Oberarzt richtig operieren !

Zudem muß man sich in D viele zwingend vorgeschriebene Rotationen in andere Fächer und bestimmte Bereiche des eigenen Fachs selbst organisieren (auch außerhalb), während dies in Ö und international automatisch läuft.

Zeitlich sind mancherorts 8-10 Jahre und mehr (!!) in D nicht unüblich. Ärzteverachtung brutal.

Walter Fenz
00
23.11.2011, 19:05
Die Realität der FA-Ausbildung in D sieht meist

so aus, daß man mitnichten in der Mindestzeit von 5 Jahren den FA hat. Auch aus Gründen des Ärztemangels: FÄ sind am Markt einfach viel gefragter und meist sofort wieder weg, obwohl die Kliniken "so viel" in die Ausbildung investiert haben.

"So viel" heißt in D häufig: Nichts ! FA-Diplom in D sagt eher etwas über Anpassungs- als über Fachqualifikation aus, weil praktisch NUR bei Stromlinienform die Chefs, die gleichzeitig ALS PERSON für die Weiterbildung "verantwortlich" zeichnen, in erster Linie dies honorieren und bestätigen. Viele österr. KH können bereits ein Lied von deutschen "FÄ" singen, die man wieder wegschicken mußte, weil die Qualität nicht paßte.

In D ist im Vergleich zu Ö die FA-Ausbildung desorganisiert und willkürlich.

Walter Fenz
00
23.11.2011, 19:01
Hier gilt es ein paar Dinge zurechtzurücken:

Wahrscheinlich wird die Zahl der nach D abwandernden Ösis deutlich zurückgehen, weil die FA-Ausbildung in D absolut nicht der Brüller ist und man zunehmend auch in Ö direkt ins Fach rutschen kann, jedenfalls in weniger beliebten Bereichen und Örtlichkeiten (Psychiatrie Linz z.B.). Turnusplätze sind schon heute kein Problem mehr außerhalb der Unistädte.
Viele Ösis wandern aus D wieder rück, die teils erbärmliche Realität in D hat sich schon gut hierorts herumgesprochen.

In Sachsen kann man mitnichten Turnus UND FA-Ausbildung in 6 Jahren absolvieren, weil es dort den Turnus garnicht gibt ! Diese Info ist wirklich FPÖ-like.
Die FA-Ausbildung in D dauert FORMAL "nur" 5 Jahre -allerdings ist das Graue Theorie.

byron sully
01
23.11.2011, 16:16

hab sonst mit der fpö nichts am hut, aber da muß man ihr leider recht geben.

DreadCat
31
23.11.2011, 16:27

Das ist schon mind seit 2006 bekannt, war auch vor ca 1,5WO wieder in den Schlagzeilen, nun setzt sich die F drauf... *gääähn*

byron sully
00
23.11.2011, 16:39

das ist noch viel länger bekannt.

Columbo_der_neue
22
23.11.2011, 15:55
"FPÖ warnt" Sollte man euch ernst nehmen? Ich glaub nicht :)

flohimpelz
11
23.11.2011, 15:16
Die FPÖ apportiert

jedes Thema der Krone, nachdem diese es durchgekaut und ausgespuckt hat.
Vielleicht sollte man doch noch einmal über die Studiengebühren und damit verbundene Repressalien der Großparteien gegenüber Studierenden nachdenken.
Aber, Nachdenken und FPÖ - Autsch!!

SMaRT Himself
14
23.11.2011, 13:45
"Man müsse um teures Geld fertige Mediziner aus dem Ausland anwerben"

ich vermute der FPÖ gehts da nicht ums Geld sondern um den Fakt, dass die angewordenen Ärzte aus dem Ausland kommen. Die Aufhebung der Zugangsbeschränkungen befürworten sie ja auch und die Kostet ebenfalls Geld, das die Uni nicht hat!

Amalrich
 
01
23.11.2011, 15:46

Jo, aber zugegebenermaßen ist's schon ein Armutszeugnis nicht genug Ärzte im Inland "generieren" zu können. Blau hin - Blau her.

O5
00
23.11.2011, 14:22

Naja, das kann man nicht ganz vergleichen. Schauen Sie sich in Nordamerika an, dort zahlt man teilweise mehrere hunderttausend Dollar (!) um einen Arzt anzuwerben. Dagegen sind die Ausbildungskosten gering, vor allem in einem System wie in Österreich.

Da hat die FPÖ ausnahmsweise sogar Recht. Denn am Interesse liegts nicht - es gibt in Österreich jedes Jahr tausende Maturanten die gerne Medizin studieren würden. Wundert mich auch nicht, ist schließlich der mit Abstand bestbezahlte Job in unserem Land.

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