Mayr wehrt sich und will "Aufsichtsratsbehördliches Verfahren beim Bundesministerium"
Klagenfurt - Heinrich C. Mayr, seit 2006 Rektor an der
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, steht vor der Abberufung durch
den Klagenfurter Universitätsrat. Im Hintergrund steht ein Konflikt
über den Ausbau einer Universitätsfläche. Mayr gab sich am Mittwoch
gegenüber der APA selbstbewusst und kündigte die Beantragung eines
"Aufsichtsratsbehördlichen Verfahren beim Bundesministerium für
Wissenschaft und Forschung" an. Herta Stockbauer, Vorsitzende des
Universitätsrates, wollte sich unter Berufung auf ihre
Verschwiegenheitspflicht nicht konkret äußern.
Stockbauer bestätigte gegenüber der APA zwar, dass es bereits am
Sonntag eine außerordentliche Sitzung des Rates gegeben habe. Zum
Inhalt der Sitzung wollte sie unter Berufung auf "gesetzliche
Vorgaben" nichts sagen. Die Ankündigung Mayrs, das Ministerium
einschalten zu wollen, sei "sein gutes Recht", er werde wohl Gründe
dafür haben, so Stockbauer. Sie betonte allerdings, der
Universitätsrat handle grundsätzlich "nicht aus Jux und Tollerei".
Ministerium prüft
Im Wissenschaftsministerium hieß es auf APA-Anfrage, es handle
sich um ein "universitätsinternes Abberufungsverfahren". Bestätigt
wurde, dass Mayr ein Aufsichtsratsbehördliches Verfahren angeregt
habe, nun werde eingehend überprüft, ob ausreichende Gründe für die
Einleitung eines "Aufsichtsratsbehördliches Verfahren" vorliegen
würden.
Mayr zeigte für die Abberufungspläne wenig Verständnis. Er
argumentierte, korrekt gehandelt zu haben, räumte jedoch ein, dass es
zwischen ihm und dem Universitätsrat "seit langer Zeit einen
schwelenden Konflikt gibt, wie man eine Uni führt".
Entzündet hatte sich der Streit laut Mayr letztlich am Umgang mit
einer vor Jahren vom Verbund abgekauften Fläche nördlich der
Universitätsstraße. Der Rektor strebte "die Entwicklung der Fläche",
samt der Errichtung eines "Group-House" für Universitätsangehörige
an. "Der Universitätsrat war jedoch gegen diese Sanierung", erklärte
der Rektor. Daraufhin habe er Drittmittel von der Stadt Klagenfurt
lukrieren können und mit der Umsetzung des Projekts begonnen, was
letztlich zum Bruch geführt habe.
"Keine Auswirkungen auf den Normalbetrieb"
Mayr hofft nun, "negative Konsequenzen für die Universität
hintanhalten" zu können. Der Streit zwischen ihm und dem
Universitätsrat werde "keine Auswirkungen auf den Normalbetrieb"
haben.
In der kommenden Woche wird sich der Universitätssenat mit der
Causa beschäftigen, da dieser in einem Abberufungsfall gehört werden
muss. Der Universitätsrat tagt am 2. Dezember wieder, dabei könnte
Mayr abberufen werden. Die Tagesordnung für die Sitzung ist laut
Stockbauer noch nicht bekannt, die Frist für die Erstellung beträgt
eine Woche. Letztlich könnte der Streit aber bis zum
Verwaltungsgerichtshof gehen und Monate oder Jahre dauern. (APA)