Unversität Wien

Lehrende und Studenten für Reform der Studieneingangsphase

23. November 2011, 12:46

Nur eine Prüfungswiederholung erlaubt - Kritiker: Lehrende mit Prüfen statt Unterrichten beschäftigt

Wien - Lehrende und die HochschülerInnenschaft (ÖH) an der Uni Wien treten für eine Reform der neuen Studieneingangs- und Orientierungsphase (STEOP) ein. Dass man nach nur einer negativen Prüfungswiederholung lebenslang für sein Wunschstudium gesperrt ist, ist für die ÖH "untragbar". Die Lehrenden sehen indes laut Kuriensprecher Karl Ille ihre Arbeit missbraucht: "Die STEOP darf kein untaugliches Selektionsinstrument sein und muss eine tatsächliche Studienorientierung ermöglichen", fordert er gegenüber der APA. An der Uni-Spitze sieht man indes keinen Handlungsbedarf.

Die STEOP gilt seit Herbst an jenen elf Unis, die keine generellen Zugangsbeschränkungen haben. Nur wer alle Prüfungen im ersten Semester besteht, darf weiter studieren. Das Gesetz sieht dabei nur eine Prüfungswiederholung vor, um eine negative Note auszubessern. Wer eine Prüfung zum zweiten Mal nicht schafft, ist für immer für das betreffende Fach an der jeweiligen Uni gesperrt. Die Unis können aber autonom einen dritten Prüfungsantritt erlauben - was auch alle außer der Uni Wien und der Uni Linz tun. Auch das Ausmaß an Prüfungen unter diesen verschärften Bedingungen ist an der Uni Wien höher als an anderen Universitäten.

Dritter Prüfungsantritt

Angesichts dieser Situation hat die Plattform universitäre Mitbestimmung (PLUM) an der Uni Wien Dienstagabend zu einer Diskussionsveranstaltung geladen. Für PLUM-Vertreter Ille ist die derzeitige Regelung immer noch besser als generelle Zugangsbeschränkungen. Dennoch müsse es eine Reparatur geben, etwa ein dritter Prüfungsantritt erlaubt werden. "Der Druck vonseiten der Lehrenden, Studierenden und auch Teilen des Senats ist mittlerweile sehr groß."

Aus Illes Sicht dürfte die STEOP für die Lehrenden problematischer sein als für die Studenten, denn "sie wird nicht sehr selektiv gehandhabt". Immerhin seien den Lehrenden die Folgen bewusst. Durch die vorgeschriebenen zwei Antritte pro Semester sei jedoch weniger Zeit für Unterricht. Wegen der kurzen Fristen für die Prüfungskorrektur müssten nun außerdem Multiple-Choice-Verfahren eingesetzt werden. "Wir werden dazu gezwungen, eine Maschine darüber entscheiden zu lassen, ob jemand sein Wunschstudium fortführen darf", kritisiert der Romanist.

ÖH gegen Sperre

Julia Kraus (Kommunistischer StudentInnenverband - Linke Liste) vom ÖH-Vorsitzteam an der Uni Wien warnt gegenüber der APA vor negativen Folgen wie noch höherem Druck auf die Studenten. Auch wenn die ÖH - wie auch die PLUM - die Studieneingangsphase an der Uni Wien ursprünglich mitbeschlossen hat, weil sie "das kleinere Übel" als die geplanten Platzbeschränkungen in Massenfächern gewesen sei, muss diese in ihrer derzeitigen Form weg, so Kraus. Ihre Forderung: tatsächliche Orientierung und keine Sperre.

Senat: Mehr Struktur

Helmut Fuchs, Vorsitzender des Senats an der Uni Wien, sieht keinen Bedarf nach einer neuen Regelung, allenfalls brauche es einzelne Korrekturen bei den in sehr kurzer Zeit erstellten Studienplänen. "Die STEOP soll mit einem klaren, straffen Programm mehr Struktur in den Studienanfang hineinbringen, um hier die Ressourcen besser einzusetzen. Das soll den Studierenden der späteren Semester zugutekommen", erklärt er die Intention des Senats. "Wenn ein Student gleich am Anfang mehrfach durchfällt, sollte er sich überlegen, ob er ein anderes Studium wählt oder für einige Zeit in die Berufspraxis geht." Dass es nur eine Prüfungswiederholung gibt, sieht er nicht als Problem ("Das ist internationaler Standard"), allerdings würde er sich anstelle der lebenslangen nur eine ein- bis zweijährige Sperre für das jeweilige Fach wünschen.

"Dann sollte eine weitere Wiederholung möglich sein." Insgesamt sei die STEOP derzeit die beste Möglichkeit, den Studienzugang zu regeln - und dass die Anforderungen an der Uni Wien etwas höher als an andere Unis seien, liege möglicherweise auch an deren vergleichsweise geringeren Studentenzahlen bei höherem Budget. Nur die Wirtschaftsuniversität stehe unter ähnlichem Druck. 31 Prozent aller Studenten besuchen die Uni Wien, vom Budget bekomme sie aber nur 15 Prozent. "Ich persönlich bin für den offenen Zugang - aber nur, wenn die Unis genug Geld bekommen, um alle Studenten gut betreuen zu können." (APA)

Schreck
12
23.11.2011, 13:36
"und dass die Anforderungen an der Uni Wien etwas höher als an andere Unis seien, liege möglicherweise auch an deren vergleichsweise geringeren Studentenzahlen bei höherem Budget"

Wohl eher andersrum.

3. Prüfungsantritt zu streichen ist eine Frechheit. Die STEOP ist sowas von fehlkonzipiert, dass es einem graust.

Innerhalb von kürzester Zeit prasseln ein Haufen stumpfsinninger Prüfungen, die zu einem guten Teil kein Wissen sondern Auswendiglernerei und Formulierungen abfragen, auf einen ein. Dazu gehören Multiple Choice-Tests, wo zB mehrere Antworten pro Frage richtig sien können. Werden nicht alle angekreuzt ist die Antwort komplett falsch. Man lernt also nicht das Wissen für die Prüfung, sondern versucht die Prüfungsmethode zu durchschauen.

Wenn man die STEOP mit nur 1. Wiederholung nicht schafft ist man für immer gesperrt.
Das ist keine STEOP sondern einfach ein Rasuprüfen.

Dr. Ewald Hinterfotzig
00
23.11.2011, 17:12

Wo genau soll das eine Frechheit sein? Es ist eben nicht jeder für jedes Studium geeignet und wenn man es eben durch die Prüfung UND die Wiederholungsprüfung fliegt muss man sich eben nach einem anderen Fach umsehen. Das ist übrigens wirklich international Standard.

Nur in Österreich sind (waren) Studenten so verwöhnt, sich von Anfang an Prüfungstermine frei aussuchen zu können und eine quasi unbegrenzte Anzahl an Fehlversuchen zur Verfügung zu haben (was ja nach der STEOP immer noch so ist, kein Wunder ist die Qualität am Boden).

Schreck
00
23.11.2011, 18:44

Jetzt darf ich zurückgeben: Sowie Sie reden, waren Sie in den letzten 10 Jahren kein Student.

Dieses Bild der arglosen Student_innen ist ca 100 Jahre alt und keinesfalls aktuell.

Student_in sein heißt in den meisten Fällen um die Armutsgrenze herum leben, Arbeiten gehen, prekär beschäftigt sein und irgendwie alles unter einen Hut bekommen müssen. Kann man ganz gut in der Studierendensozialerhebung nachlesen: http://ww2.sozialerhebung.at/Ergebnisse/2009.php

Ein paar verwöhnte Bälger vom Juridicum sind sicherlich nicht der Maßstab.

Dr. Ewald Hinterfotzig
00
23.11.2011, 19:02

Mal davon abgesehen, dass sie meinen Post ziemlich missinterpretiert haben ist ihre Argumentation inkonsistent.

Einerseits reproduzieren sich an den Unis also Eliten, Leistung und Intelligenz haben nur in begrenzten Fällen was mit dem Studienerfolg zu tun, ergo wimmelt es dort nur so von Akademikerkindern.

Andererseits leben die meisten Studenten quasi auf der Strasse, wo sie halbtags betteln müssen um wenigstens ein mal pro Woche was zu essen zu bekommen.

Bewusst überspitzt formuliert, damit Sie den Widerspruch auch sehen. Das passt so nicht wirklich zusammen.

Sie reimen sich die Realität so wie es Ihnen argumentativ gerade passt. In Wahrheit geht es dem Grossteil der Studenten alles andere als schlecht.

ascafirithion
00
23.11.2011, 13:56

Was sollen denn die STEOP anderes prüfen als Fleiß und die Motivation zu lernen? Auswendiglernen ist zwar stupide und langweilig, allerdings bilden die ganzen Fakten und Begriffe auch die Grundlage für späteres, verknüpftes Wissen. Jeder hat die gleichen Chancen und kommt mit genügend Engagement locker durch.

Schreck
21
23.11.2011, 14:27

Blödsinn. Die Kinder, die vom Elternhaus mitbekommen wie es auf der Uni zugeht, da wo die Eltern die Lehrenden kennen, die haben einen Vorteil. Wenn du aus einer Nichtakademiker_innen-Familie an die Uni kommst ist es ganz einfach wie auf einem anderen Planeten.
Und wenn es nicht Wissen prüft, ist es reine Schikane und schon gar keine Orientierung oder sonstwas. Multiple-Choice prüft gar nix, außer wer irgendwen kennt, der/die einem sagen kann wie der/die Prof gerne prüft.
Unsinning und aufwändig. Orientierung, aber wirkliche, wo man wirklich ins Fach reinschnuppern kann und weiß wie es ist, das wäre gefragt. Jetzt wird man zum größten Teil mit dumpfen Masenlehrveranstaltungen abgespeist, die einem recht wenig über das Fach sagen.

Schurli Schorsch
 
00
24.11.2011, 10:11

das ist so ziemlich der größte schwachsinn zu dem thema, den ich seit langem gelesen habe. oder kennen sie die computersoftware auch pesönlich, welche die fragen durchmischt und die antworten auswertet???

Dr. Ewald Hinterfotzig
00
23.11.2011, 17:17

Jaja, so kann man sich alles irgendwie zurechtreimen und auf die bösen "Eliten" schieben die es sich "irgendwie untereinander richten".

Ist deswegen aber leider trotzdem weit an der Realität vorbei. ;)

Ich bin auch als Nicht-Akademikerkind an die Uni gekommen und habe das erste Jahr auf Anhieb geschafft. Wer sich nicht auf das Unileben einstellen will/kann, dem helfen auch Erfahrungsberichte nichts. Zumal man diese ja nicht unbedingt von den Eltern bekommen muss sondern z.B. von Freunden/Bekannten.

Auch die Sache mit den MC-Fragen ist doch komplett an den Haaren herbeigezogen. Was sollen die Leute denn sagen? Bei dem Prof ist die Anzahl Richtiger Antworten immer normalverteilt? Sorry, aber so wie Sie daherreden sind sie kein Student.

Schreck
00
23.11.2011, 18:41

Warum so untergriffig?

Nicht normalverteilt, aber ist doch kein Geheimnis, dass ähnliche Prüfungsfragen immer wieder gerne kommen, weil sich Profs nicht immer eine niglnagelneue Prüfung einfallen lassen. Und wer vernetzt ist hat es leichter. Wer Geschwister auf der Uni hat, die wiederum wen kennen usw., hat es leichter. Uni hat leider nur in begrenzten Fällen etwas mit wahrer Leistung und Intelligenz zu tun.
Und natürlich reproduzieren sich Eliten, das ist weder eine Verschwörung noch an den Haaren herbeigezogen. Und das passiert eben nicht nur auf einer Ebene. Bourdieu's calling. Das ist weder neu noch originell.
Zustände wie die STEOP verschärfen soetwas noch anstatt es zu minimieren.

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