Marokko: Der König und der Untertan

Blog23. November 2011, 13:19
3 Postings

Marokkos König Mohamed VI. ist ein guter Monarch - Er hilft den Bürgern wo er nur kann

Es war einmal ein kleiner, armer Kneipenwirt mit Namen Vedat Karaaslan. Er arbeitete sich Tag für Tag ab, doch die Einnahmen waren spärlich. Schuld daran hatte die örtliche Gewerbeaufsicht, mit der Karaaslan gar arg haderte. Denn die Herren in den noblen Amtsstuben wollten ihm einfach keine Lizenz für den Zigarettenverkauf ausstellen.

Da kam der junge König Mohamed VI. in seiner Luxuslimousine des Weges. Karaaslan nahm all seinen Mut zusammen und beschloss dem Herren seine Klagen zu überbringen. Der Monarch hörte ihn an und versicherte Abhilfe zu leisten - Antitabakgesetz hin oder her.

Mohamed VI. hielt sein Versprechen. Er nahm mit dem stellvertretenden Gemeindevorsteher Kontakt auf und wies ihn an, im Regierungspalast vorstellig zu werden. Karsaalan sollte schon bald die lang ersehnte Lizenz erhalten.

Es war nicht das erste Mal, dass der Monarch den Untertanen im Dorfe Karsaalans geholfen hatte. Mohamed VI. ist bekannt dafür, die kleinen Geschäften und Kneipen rund um seinen prunkvollen Palast großzügig mit Aufträgen zu versehen. Und auch das Nachbarschaftszentrum hat Mohamed VI. mitfinanziert. Zufriedene Untertanen sind gute Untertanen.

Warum das Volk dennoch seit dem 20. Februar diesen Jahres Sonntag für Sonntag zu Tausenden durch die Städte des Königreiches Marokko zieht und lautstark das "Ende des Regimes" fordert? Die Erklärung ist simpel. Es ist purer Sozialneid. Denn unsere kleine Geschichte spielt in Betz, 60 Kilometer nordöstlich von Paris. In sein dortiges Schloss zieht sich Mohamed VI. immer häufiger zurück. Welcher Marokkaner würde nicht gerne in Frankreich leben? (Reiner Wandler, derStandard.at, 23.11.2011)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    König Mohamed VI., der bürgernahe Monarch.

Share if you care.