Gewaltschutz-Gesetz zeigt kaum Wirkung

23. November 2011, 11:58
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UNO-Bericht zeichnet düsteres Bild von Gewaltverfolgung im ehemaligen Kriegsgebiet - Gesetz findet keine Anwendung

Kabul - Ein Gesetz, dass Gewalt gegen Frauen in Afghanistan unter Strafe stellt, hat nach Erkenntnissen der Vereinten Nationen auch mehr als zwei Jahre nach Inkrafttreten kaum zu einer Verbesserung der Situation geführt. Der Regierung von Präsident Hamid Karzai sei es nicht gelungen, das seit August 2009 geltende Gesetz angemessen umzusetzen, heißt es in einem am Mittwoch in Kabul veröffentlichten UNO-Bericht. Denn Staatsanwälte, Richter und Polizei wendeten es nur in sehr wenigen Fällen an.

Das Gesetz stellt zahlreiche Gewaltakte gegen Frauen unter Strafe, darunter Schläge sowie Kinder- oder Zwangsheirat. Auch traditionelle Stammespraktiken wie die Aushändigung von Frauen oder Mädchen an andere Familien zur Schlichtung von Fehden fallen darunter.

Frauenmorde und Zwangsverheiratungen weit verbreitet

Nach UNO-Angaben ist etwa ein Drittel der afghanischen Frauen körperlicher oder seelischer Gewalt ausgesetzt. Afghanische und internationale MenschenrechtsaktivistInnen zählten zwischen März 2010 und März 2011 fast 2300 Fälle von Gewalt gegen Frauen. Vor allem häusliche Gewalt finde jedoch zumeist im Verborgenen statt und tauche daher in keiner Statistik auf. In dem UNO-Bericht wird die afghanische Regierung aufgefordert, Behörden stärker für das Problem zu sensibilisieren. Nach Angaben von ExpertInnen sind vor allem sogenannte "Ehrenmorde" an Frauen und Zwangsverheiratungen in Afghanistan weiterhin sehr verbreitet. (APA)

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