"Wir werden junge Zuwanderung brauchen"

23. November 2011, 10:42
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    foto: standard/regine hendrich

    "Vorzugaukeln, man habe ohne Deutsch ein erfülltes Leben in Österreich, ist fahrlässig."

Sebastian Kurz, Staatssekretär für Integration, über Schwierigkeiten und Chancen junger Zuwanderer, Identität und Klischees

Wien - Der Einstieg in die Diskussion bei "Zukunft am Wort" gelang dem erst 25-jährigen Politiker ohne Probleme - seinem Berufsantritt sei allerdings viel Skepsis entgegengebracht worden, wie er erzählt. Sebastian Kurz ist seit April ÖVP-Staatssekretär für Integration. Letzten Mittwoch stellte er sich im Dschungel Wien den Fragen interessierter Jugendlicher. Das Thema: "Sind junge Zuwanderer unsere Zukunft?"

Dem Jus-Studenten habe es anfangs Sorgen gemacht, wie es werde, "mit Sektionschefs zusammenzuarbeiten, die zum Teil doppelt so alt sind". Letzten Endes wäre er aber im Innenministerium herzlich empfangen und nie auf den Altersunterschied angesprochen worden, was man von den Medien nicht behaupten könne.

Jung sind auch die Zuwanderer, die seiner Meinung nach unerlässlich sind. "Wenn wir nicht in einer Gesellschaft leben wollen, in der die Mehrzahl der Menschen bereits in Pension ist, werden wir junge Zuwanderung brauchen."

Auch Peter Filzmaier sieht Immigration als Lösung für das Problem der Altersstruktur in Österreich. "Wir haben derzeit rund 1.940.000 Menschen über 60 Jahre. Im Jahr 2050 werden das um 1,3 Millionen mehr sein", prognostiziert der Politologe. Jedoch: "Es geht nicht nur darum, neue Leute ins Land zu rollen, sondern auch darum, bereits vorhandene Potenziale zu nutzen", spricht Kurz von den "10.000 Menschen, die jährlich das Schulsystem ohne Hauptschulabschluss verlassen und keine Chance haben, am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen".

Doch was ist ein "Ausländer" überhaupt? Filzmaier sieht die juristische Definition in Bezug auf die Stimmungslage im Zusammenleben als völlig unzureichend. Menschen würden als Ausländer behandelt, obwohl sie seit ihrer Geburt die Staatsbürgerschaft besitzen. "Umgekehrt fühlen sich diese auch als Ausländer - das merkt man bei Fußballspielen." Diese "Identitätskrise" entstand laut Kurz in der Vergangenheit, als man viel zu leichtfertig Staatsbürgerschaften ausgestellt habe. Damalige Ansichten wie "Integration funktioniert von alleine" und "Multikulti ist nur super" hätten nach und nach für die Verstimmungen vieler Österreicher gesorgt. "Wir haben etwa drei bis fünf Prozent Rassisten, etwa 25 Prozent sind unsicher und ängstlich", weiß Filzmaier. Sein Vorschlag: bei Letzteren mit politischer Bildung ansetzen. Die würde bis jetzt größtenteils von bereits aufgeklärten Menschen genutzt.

Dauerbrenner Deutschkurs

Dauerbrenner in der Diskussion um ein funktionierendes Zusammenleben ist die Sprache. Jus-Studentin Amadea Fritsch machte die positive Erfahrung, dass Deutsch für Migranten immer mehr zum Alltag gehöre: "Kinder antworten ihren Eltern auf Deutsch, auch wenn deren Frage in einer anderen Sprache formuliert war." Aber auch gegenteilige Beispiele werden angesprochen: "Viele Ausländer kapseln sich leider ab und reden im Unterricht in ihrer Muttersprache. Ein Anschluss an die Mehrheitsbevölkerung ist so nicht möglich", meint der Integrationsstaatssekretär. "Jemandem vorzugaukeln, er habe ohne Deutsch ein erfülltes Leben in Österreich, ist fahrlässig."

Jeder, der einen Deutschkurs besuchen will, bekomme die Möglichkeit dazu und werde sogar finanziell gefördert. Das sei auch in der Schule von großer Wichtigkeit: Für Schüler, die dem Unterricht auf Deutsch nur sehr schwer folgen können, sei die schulische Niederlage vorprogrammiert. Erst nach massiver Sprachförderung, etwa im Kindergarten, sollten sie in die Klassenverbände aufgenommen werden.

In diesem Zusammenhang kam die Frage aus dem Publikum nach der Berechtigung von türkischsprachigem Unterricht. "Beim muttersprachlichen Unterricht in Ballungsräumen geht es darum, Jugendlichen mit türkischen Wurzeln zusätzlich eine Ausbildung in Türkisch zu ermöglichen. Es darf nie ein Entweder-oder sein", antwortete Kurz. "Mehr Sprachenvielfalt an Schulen" wünscht sich Christoph Girbinger, Schüler des BRG 23 und Landesschulsprecher. Er hält eine mehrsprachige Matura für unterstützenswert, "denn Sprache schafft Bewusstsein".

Eine weitere Frage seitens der Zuseher zielte auf verkürzte Vorurteile ab wie "Türken können kein Deutsch und hackeln nix". Solche Aussagen seien nicht von Interesse, sagt Kurz, meinte aber: "Manche Klischees haben einen wahren Kern." So sei man kein Rassist, wenn man auf Daten hinweise, die besagen, dass im Vergleich zu Migrantinnen aus anderen Ländern die Zahl der arbeitstätigen türkischstämmigen Frauen geringer ist. Diese Herangehensweise sei ganz anders als die oftmals rassistischen Vorurteile, die "am Stammtisch" aus solchen Informationen gemacht würden. (Mattias Fabian und Stefan Mayer, DER STANDARD, Printausgabe, 23.11.2011)

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20 Postings
Energievieto
00
27.11.2011, 12:38
Kurz

es dürfte Herr kurz und viele andere noch nie beim AMS
vorbei geschaut haben den 80% sind die die unsere
Pensionen in Zukunft sichern sollen.

die naive
02
23.11.2011, 16:26
Auf die Idee,

hier Familien wirklich zu fördern kommt er wohl gar nicht. Sagt einiges über die ÖVP aus.

Apocalypse
00
23.11.2011, 22:43

Kinder kosten viel mehr als ein ausgewachsener Ausländer.

die naive
01
24.11.2011, 12:08

Diese Überlegung traue ich der Wirtschaftspartei durchaus zu.

BlSenf
02
23.11.2011, 15:37
ein deutschkurs...

wäre für so manch österreicher auch von vorteil.. :-)

Politisch unkorrekt
12
23.11.2011, 15:21
Wie wäre es mit weniger jungen österreichischen Schnöseln und einer höheren Frauenerwerbsquote?

Ole
01
23.11.2011, 15:04
Auch nicht des Pudelskern

Wenn wir junge Ausländer brauchen haben wir in das gleiche Problem in 30-40 Jahren, wenn die in Pension gehen wollen. Österreich altert! Das ist Fakt. Junge Ausländer stopfen VIELLEICHT kurzfristig eine finanzielle Lücke, aber auch diese werden wieder alt und das Problem beginnt von vorne (und irgendwann hat Österreich dann 20 Millionen Einwohner bzw. Einwanderer). Es wird wohl nur übrig bleiben, dass Pensionsalter zu erhöhen. Junge Ausländer sind nicht unbedingt die Lösung.

Elena Evgenjevna
00
23.11.2011, 22:28

Die Einwanderer sind nich sterilisiert und bekommen Kinder!??

Erwin Wolfram
00
23.11.2011, 13:35
...

halte ich fuer nicht moeglich

Radio Eriwan
00
23.11.2011, 12:26
Nathaniel Winerib
13
23.11.2011, 12:25

Einwanderung ja, aber nur aus Laendern mit einem BIP von mindestens 20.000 USD nominal pro Einwohner.

Rico Whatever
 
31
23.11.2011, 13:06

Du möchtest die Bewohner des mittleren Burgenlandes von der Migration ausschließen?

http://tinyurl.com/clwgo2l

Nathaniel Winerib
00
24.11.2011, 12:14

nein, die koennen gerne auswandern. kaernter ditto.

stretfordender
52
23.11.2011, 11:28
ich find ihn gut, den Kurz :)

hat glaub ich einige gesilenced mit seiner bisherigen Arbeitsweise

Fritz Meyer
32
23.11.2011, 14:28
Ja, der beherrscht die hohlen Phrasen schon perfekt!

Nur schade, dass er 40 Jahre zu jung ist, um in seiner Partei richtig Karriere zu machen.

Frik Frikazoid
54
23.11.2011, 11:35

Welche Arbeitsweise?? Sind ja alles nur leere Worte, was kann den der Herr Staatssekretär schon für Taten aufweisen?? Aber anscheinend reicht für die Wähler schon ein paar gelungene Medienauftritte aus um jemanden zu wählen, sehr bedenklich und traurig :-(. Könnte mir vorstellen so etwas lernt man in den gut subventionierten Parteiakademien.

LG

schniggschnagg
 
21
23.11.2011, 11:42
Na schau ma mal...

...wie das Leben voran geht, wenn die Alternative Strache beweisen kann, was er - außer seine tollen Medienauftritte - so zu bieten hat. Mir ist neu, daß man als Staatssekretär neuerdings viel bewegen kann im Parlament. Vielleicht sollte man ihn als Minister reinholen - dann braucht's vielleicht nicht nur bei den gelungenen Medienauftritten zu bleiben.

Frik Frikazoid
31
23.11.2011, 12:16

ganz ihrer Meinung: Staatssekretäre abschaffen, heiße Luftspender braucht man im Zeitalter der Klimaerwärmung sowieso nicht.

;-)

Roter Baron
00
23.11.2011, 11:27
na is nich wahr

ist er etwa die 5. kolonne des bolschewismus ?

roter baron

Apocalypse
12
23.11.2011, 11:27

Ein Immigrant sofern er die Chance hat, hackelt sicher, muss er auch, weil er sonst verhungert und zweitens Geld nach Hause schicken will. Das halt einige der Immigranten das Arbeiten nicht erfunden haben ist eine andere Sache. Generell sitzt halt Österreich auf dem hohen Ross wir sind ein schönes sicheres Land und das reicht um für Immigranten attraktiv zu sein. So bekommt man halt nur die eher schwachen Immigranten und die meist aus den gleichen Ländern. Zusammenzug von Ehepartnern gehört erleichtert, wobei einer davon keinen Migratorischen Hintergrund besitzt, damit ist auch sichergestellt das die Sprache erlernt wird und nicht wie aktuell zuerst Prüfungen gemacht werden müssen um am Arbeitsmarkt zugelassen zu werden und kostet...

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