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Mir wird jedes Mal aufs Neue mulmig, wenn der Flieger auf die Startbahn rollt. Und auch jetzt verspüre ich wieder ein ungutes Gefühl. Doch meine Irritation rührt diesmal nicht von meiner - Gott sei Dank milden - Flugangst, sondern von der kognitiven Dissonanz, die mich beim Lesen von Joseph Nyes Werk "The Future of Power" in meinem Sitz überkommt. Denn Nye, Harvard-Professor mit intimen Verbindungen nach Washington, argumentiert, dass Amerika seine globale Vormachtstellung behalten und einer Eskalation mit China ausweichen kann. Doch dafür benötigten die Vereinigten Staaten vor allem eines: "smart power".
Es ist dieses "smart", das mir Unbehagen bereitet. Denn in den vergangenen Wochen habe ich den Vorwahlkampf der amerikanischen Republikaner genauer verfolgt. Und wie sollte einem angesichts dessen nicht himmelangst werden?
Verbalattacken statt Inhalte
Dabei ist unbestritten, dass jener Vorwahlkampf durchaus Unterhaltungswert besitzt. Gerade, weil ihn die drei Hauptprotagonisten offensichtlich in Hobbes'scher Manier auffassen: als Krieg aller gegen alle. Herman Cain, der einst der "Pizza des Paten" vorstand, sieht sich dabei dem Verdacht ausgesetzt, dass er später seine Hände nicht nur über Pizzateig und Salami hat gleiten lassen. Cain selbst beteuert seine Unschuld und bezichtigt seinen Konkurrenten Rick Perry, eine mediale Schlammschlacht auf seinem Rücken inszenieren zu wollen.
Perry, Gouverneur von Texas, wiederum ist über diese Anschuldigungen in höchstem Maße empört! Was ihn aber nicht davon abhält, seinen Widersacher Mitt Romney als wahren Urheber des Skandals zu verdächtigen. Die unterhaltsame Posse hat durchaus komische Züge, allerdings auch einen schalen Beigeschmack. Denn Cain und Perry scheinen sich deshalb so gerne mit gegenseitigen Verbalattacken einzudecken, weil sie inhaltlich nur wenig zu sagen haben.
So plant Perry, wie nahezu alle republikanischen Präsidentschaftskandidaten, verschiedene Regierungsbehörden aufzulösen, um Steuergelder zu sparen. Nur welche Behörden auf seiner Streichliste stehen, konnte er sich in einer landesweit übertragenen Debatte trotz aller Anstrengungen nicht in Erinnerung rufen. Ups! Derweil hat Cain weiter zu seinem zweifelhaften Ruf beigetragen, indem er sich - in bester Palin-Manier - erst keine Meinung zu den jüngsten Geschehnissen in Libyen bilden konnte, um anschließend die Taliban und al-Qaida in der libyschen Regierung zu verorten.
Voodoo, Gott und Kinderrecht
Da ist es fast schon überflüssig zu erwähnen, dass beide Kontrahenten weder an Klimawandel noch an Evolution glauben, was sie wiederum mit Michele Bachmann verbindet. Bachmann, eine wiedergeborene Christin, hält den wissenschaftlichen Konsens über die Erwärmung des Planeten für Voodoo und wird von Matt Taibbi als religiöse Eiferin beschrieben, "deren Gehirn einem tobenden, elektrischen Sturm göttlicher Visionen und paranoider Wahnvorstellungen" gleicht. So mag es denn auch nicht verwundern, dass Bachmann eine Verbindung zwischen Homosexualität und Satan konstruiert, während ihr Mann über Jahre eine Therapie angeboten hat, um die jeweils Betroffenen von ihren satanischen Neigungen zu "heilen". (Zu einem "Best of" von Bachmanns Ansichten geht es hier.)
Selbst die beiden moderateren Kandidaten Mitt Romney und Newt Gingrich haben sich beim Thema Klimawandel um nahezu 180 Grad gedreht und zweifeln mittlerweile an der Validität der wissenschaftlichen Erkenntnisse. Im Falle Gingrichs sind die Erkenntnisse des IPCC nicht das einzige Hinterfragenswürdige für einen wachen Geist. Ganz oben auf seiner Liste: die U.S.-Gesetze zur Kinderarbeit. Denn indem sie die gewerbliche Tätigkeit von 9- bis 14-Jährigen verbieten beziehungsweise strikt reglementieren, tragen sie maßgeblich zur hohen Kinderarmut in amerikanischen Großstädten bei. Und damit seien sie, so Gingrich, truly stupid. (Mark T. Fliegauf, derStandard.at, 23.11.2011)
Autor
Mark T. Fliegauf, The European, ist Journalist, Politologe und Kommentator. Er lehrt Führung und Politik an der LMU München und promoviert an der University of Cambridge.
All diese Eigenschaften machen sie aber um nichts schlechter als Obama, der der ganzen Nation ein "Yes we can" vorgegaukelt hat und letztlich nichts zustande gebracht hat, ausser in 4 Jahren gleich viel Geld zu verbraten wie Bush in zwei Amtsperioden.
denn es ist nochmal ein deutlicher Unterschied, ob Obama angesichts eines gegnerischen US-Kongresses nichts weiterbringt oder ob - wie bei den Herrschaften der Grand Old Pary üblich - Evolutionstheorie und die IPCC-Erkenntnisse über den Klimawandel über Bord gehen.
Meiner Meinung nach geht damit auch der Verstand über Bord, und das sieht man auch.
Obama hat zwar wie ein Tiger wahlgekämpft, sich als Präsident bisher aber zu oft als Lamm erwiesen - wenn er nicht bald wieder ins richtige Fell schlüpft, werden ihm seine Gegner das falsche über die Ohren ziehen (trotz aller - für uns politisch auch nicht gerade weltoffenen Europäer - unfasslichen und grotesken Wirklichkeitsverfremdungen, Wissenslücken, Peinlichkeiten und Abstrusitäten seiner republikanischen Gegenspieler).
entweder nicht erhalten, oder sich von den republikanern auf das übliche ausmass von narretei, kriegsrhetorik und religiöser ekstase hintrimmen lassen.
http://www.rollingstone.com/politics/... y-20100928
das is zwar ein jahr alt, und es geht mehr um seinen sohn rand paul, aber sinngemäss gilt für paul sr. dasselbe wie für die gesamte tea party: er wird assimiliert von den üblichen republikanischen interessen (tax breaks für reiche, kürzung des sozialetats, milliarden verteilen an freunderln) oder er bleibt übrig.
die krausen Theorien ihrer Gegner als so lächerlich darzustellen, wie sie eigentlich sind, und auf einer "intellektuellen" Ebene diskutieren wollen, werden sie chancenlos sein.
Erinnert mich irgendwie an die Probleme der SPÖ mit der ÖVP. Man kann ideologische Standpunkte nicht mit Argumenten erschüttern. Sondern entweder mit standhafter eigener Ideologie parieren oder mit den Mitteln der Bloßstellung karikieren.
Das stimmt allerdings.
Ich glaube aber nicht, dass sich das bei der Präsidentenwahl auswirken wird.
Zumindest insoweit nicht, als Obama trotzdem gewinnen wird.
MMn hat sich das eher schon bei den midterms ausgewirkt, bzw. wirkt es sich - wie du richtig sagst -, jetzt, also in der alltäglichen Politik, in den approval polls usw. aus.
Die gleichen Kommentare erschienen vor der Wahl von Reagan, heute gilt er als einer der erfolgreichsten Präsidenten, was sich wiederholt sind die endlos jammervollen Warnungen der Kommentatoren über den Untergang der Demokratie - eingegangen sind allerdings nur einige Zeitungen.
seit diesem präsidenten geht die verschuldung der usa los
die geschichtsbücher werden den wohl eher als erste marionette des big business darstellen
aber dafür brauchts noch lange zeit...da is momentan zuviel ideologie dahinter
Kommt immer darauf an, wen man fragt, und ob man den historischen Irrtum erliegt, Reagan haette den kalten Krieg gewonnen.
Sie tun sich wahrscheinlich sprachlich etwas schwer amerikanischen Zeitungs- und Fernsehkommentaren zu folgen, anderenfalls wuerden Sie wissen, dass wie sehr dieser Standardkommentar hunderten Editorials in der NY-Times, Washington-Post, Huffingtonpost, MSNBC und in der Blogosphere aehnelt.
Sie als gutverdienender Gastarbeiter in den USA koennen leicht die Augen vor den Problemen in der amerikanischen Politik verschliessen. Wenn es Ihnen einmal persoenlich drueben nicht passt, haben Sie immer noch ihre stattliche Politikerpension. Die meisten Amis sind nicht so gluecklich. Fuehrungsschwaechen haben Konsequenzen!
Ich versteh ja, dass es gut tut, jemanden mit einer anderen politischen Meinung anzupinkeln, nur ein paar Richtigstellungen: Ich hab leider keine Politikerpension, bin auch kein Gastarbeiter, die meisten meiner Familie haben einen US Pass, ich erscheine in der Liste der Obama- Untetstuetzer im Internet auf - aber sonst stimmt alles in Ihrem Beitrag.
Hab ich Sie angepinkelt, weil ich das Wort "Gastarbeiter" verwendet habe?
Ich bin seit vielen Jahren US-Resident (ohne US-Pass). Ich bin hier weil ich einen Haufen Geld verdiene, tolle Karriere mache, gute Freunde gefunden habe und mir New York sehr gut gefaellt. Trotzdem bin ich hier Gastarbeiter, weil ich meine AT Staatsbuergerschaft nicht beabsichtige aufzugeben. Im Gegensatz zu Ihnen mag ich meine Heimat.
Oder hab ich sie angepinkelt, weil ich von einer Politikpension gesprochen habe? Wuerd auch viel aussagen, darueber wie Sie sich selbst als Ex-Politiker sehen. Ich geb zu, ich hab Ihre Ansprueche nicht recherchiert, und wenn Sie sagen Sie haben keine, dann wird das schon stimmen.
Aber "angepinkelt" hab ich Sie sicher nicht.
Unter dem persönlichen Schutz der Gottesmutter und mit der Kraft des Gebets im Bizeps hat er den sowjetischen Bären eigenhändig niedergerungen.
der reagan ist doch mit viel glück an einem skandal vorbeigegangen, das erste, erhat über die israelis haben verbotene raketen, an den iran verkauft, derselbe iran, der die angestellten der us embassy 445 tage gefangen gehalten hat, reagan hat dann das geld dazu gebraucht um den contras in nicaragua waffen zu liefern, aber wie soll P.S. soetwas wissen? ausserdem hat der reagan ein riesiges loch im budget hinterlassen, und von maccarthy hearings gar nicht zu reden, great president, my foot
Ja Herr Fliegauf, mit ihrer antiamerikanischen linksgeschliffenen Brille schaut eben alles anders aus.
Wenn man die ganzen PR`s über ihre Person im Internet liest, glaubt man zuerst, es mit einer intelligenten Person zu tun zu haben.
Aber über die Amerikaner scheinen Sie noch nicht viel zu wissen, sonst wäre ihnen klar, dass Sie mit solchen Meinungsausflüssen nicht die amerikanische Wahl beeinflussen können. Mehr wie bereits durchgekauter Mainstream, ist in ihrem Artikel nicht beinhaltet.
Müssen Mitglieder von "The European" die Amerikaner durch den Dreck ziehen, um ihre Daseinsberechtigung zu rechtfertigen?
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