Fernreisen: Welche Imp­fungen sind notwendig?

23. November 2011, 10:11
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Der "Konsument" testete reisemedizinische Zentren: Die Unterschiede bei der Beratungsqualität und den Kosten sind groß

Wien - Fernreisen sind beliebt - vor allem wenn es in Österreich nass und kalt ist. So attraktiv die exotische Ziele sein mögen, es drohen auch gesundheitliche Gefahren, etwa Malaria, Typhus oder Gelbfieber. Vor Antritt einer Fernreise ist daher unbedingt eine Beratung und gegebenenfalls Impfung in einem reisemedizinischen Zentrum anzuraten. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat 19 Einrichtungen in ganz Österreich mit zwei Testszenarien auf die Probe gestellt und wie bereits bei einem Test im Jahr 2005 große Unterschiede bei Beratungsqualität und Kosten festgestellt.

Zwei Szenarien: Niedrig- und Hoch-Risikoreise

Getestet wurden auf Reisemedizin spezialisierte private Institutionen, die als offizielle Gelbfieberimpfstellen anerkannt sind sowie je Bundesland zumindest eine amtliche oder universitäre Stelle. Die Einrichtungen wurden mit zwei unterschiedlich riskanten Szenarien konfrontiert: eine "Niedrig-Risiko-Reise" in Form eines Cluburlaubs auf Thailand (Mutter mit 5-jährigem Sohn) und ein "Hoch-Risiko-Szenario", bei dem sich zwei junge Männer auf eine viermonatige Reise durch Ostafrika begeben.

Basis jeder maßgeschneiderten Impfberatung ist die Informationserhebung durch den Arzt. Von allen getesteten Einrichtungen wurde der Impfstatus erhoben. Die Umstände der Reise waren meist ein Thema. Die wesentliche Frage nach vorliegenden Erkrankungen wurde hingegen vielfach bereits nicht gestellt.

Große Unterschiede bei den Impfempfehlungen

Teilweise wurden notwendige Impfungen nicht empfohlen, in einigen Fällen kam es jedoch zu Überempfehlungen. In den Zentren, die eine optimale Prophylaxe für eine geplante Thailandreise anboten, bewegten sich die Kosten zwischen 200 und 280 Euro. Im Wiener Impfzentrum Nord wurden zusätzlich sechs Impfungen empfohlen, die nicht nötig gewesen wären, was mit insgesamt 1.148 Euro zu Buche schlug. Das Wiener Institut für Reise- und Tropenmedizin riet über das normale Impfprogramm hinaus zu vier nicht unbedingt nötigen Impfungen. Hier wären 764 Euro fällig geworden. Testsieger wurde wie bereits beim letzten Test Traveldoc in Wien - das einzige Institut das für beide Szenarien mit "sehr gut" abschneiden konnte.

Lücken beim "Hoch-Risiko-Szenario

Die Beratung fiel beim "Niedrig-Risiko-Szenario" tendenziell besser aus. Die Mehrheit der Institute erhielt eine "gute" Bewertung (12 von 19) - drei sogar ein "sehr gut". Deutlichere Lücken gab es beim "Hoch-Risiko-Szenario": Die notwendige Empfehlung für eine Gelbfieberimpfung erfolgte überall, doch bei der ebenfalls unverzichtbaren Malariaprophylaxe patzten das Amt der Salzburger Landesregierung, die Bezirkshauptmannschaft Dornbirn und das Magistrat St. Pölten. Angesichts der Reiseart wäre auch eine Tollwutimpfung anzuraten gewesen. Dennoch wurde diese vom Magistrat St. Pölten und der BH Innsbruck nicht empfohlen. Andererseits wäre es in vielen Fällen zu einer Überversorgung gekommen: Neun Institute ignorierten den bestehenden Hepatitis-A-Schutz, sechs den Polioimpfschutz und sieben den Diphtherie-/Tetanusschutz und rieten zur Impfung. Dies spiegelt sich auch in den Testurteilen wieder - lediglich ein "sehr gut" wurde für dieses Szenario vergeben - die Mehrheit (11 von 19) erhielt ein "durchschnittlich" oder sogar ein "weniger zufriedenstellend" (3 von 19).

"Eine gute reisemedizinische Beratung zeichnet sich durch Individualität aus - genau angepasst an das Reiseziel, Reisezeit, Reiseart und besondere Bedürfnisse", erläutert VKI-Gesundheitsexpertin Bärbel Klepp. "Nur so kann so viel wie nötig und so wenig wie möglich geimpft werden. Das schont nicht nur die Gesundheit sondern auch den Geldbeutel." (red, derStandard.at)


Details zum Test gibt es auf www.konsument.at sowie ab dem 24.11. in der KONSUMENT-Dezemberausgabe.

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    Teilweise wurden notwendige Impfungen für Fernreisen nicht empfohlen, in einigen Fällen kam es jedoch zu Überempfehlungen.

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