Schmied: "Seine Lieder werden uns immer begleiten"

    23. November 2011, 09:49

    Mailath: "Legendärer Kabarettist, großer Liedermacher und kritischer Mensch"

    Wien - "Georg Kreisler war der Außenseiter, der das Innerste der österreichischen politischen Kultur und Gesellschaft treffend zu charakterisieren vermochte. Seine Distanz und Nähe ließen ihn zu einem der wichtigsten künstlerischen Analytiker der österreichischen Zeitgeschichte werden. Seine Lieder und seine Botschaften werden uns immer begleiten und in Erinnerung rufen, dass nicht Macht sondern Menschlichkeit das oberste Gebot der Politik sein soll", so Bundesministerin Claudia Schmied zum Ableben von Georg Kreisler.

    "Legendärer Kabarettist"

    "Georg Kreisler hat wie kein anderer die Tradition des literarischen Kabaretts, insbesondere des Wiener jüdischen Kabaretts der ersten Republik, beherrscht - hintergründig, witzig, politisch, sozialkritisch und stets auf höchstem Niveau", so Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny in einer Aussendung anlässlich des Tods von Georg Kreisler. "Er war aber viel mehr als der legendäre Kabarettist. Er war ein literarischer Schriftsteller, der mehrere Bücher mit Satiren und Polemiken veröffentlichte. Ein musikalisches Multitalent, das nicht nur die unvergesslichen schwarzen Lieder schuf, sondern auch mehrere Opern. Ein kritischer Mensch, der lautstark seine Stimme erhob und uns beständig daran erinnerte, dass wir bedenkliche Entwicklungen nicht einfach hinnehmen dürfen." Seine ambivalente Beziehung zu Österreich und Wien wirke als stete Mahnung, unter der Oberfläche der Gegenwart die Vergangenheit nicht zu vergessen.

    "Ein echter Wiener"

    "Georg Kreisler war ein ein echter Wiener, auch wenn er das nie sein wollte", so der Kultursprecher der Grünen Wien, Klaus Werner-Lobo, am Mittwoch in einer Aussendung. Kreislers "intelligenter, bissiger und schwarzer Humor, seine kritische Haltung gegenüber den Mächtigen, aber auch gegenüber seiner Geburtsstadt werden Wien weit über seine Zeit hinaus prägen." Der bekennende Anarchist habe zeitlebens den Finger in die Wunde gelegt und damit verknöcherte Machtstrukturen, Spießertum und Verdrängung, aber auch die mörderischen Auswüchse der kapitalistischen Verwertungslogik sichtbar gemacht. Er wurde dafür boykottiert und zensiert und sagte einmal über Wien: "Diese Stadt hat nie einen Finger für mich gerührt. Ich bin mehr weggebissen worden als zugelassen." Dennoch meinte er: "Heimat bleibt eben Heimat, auch wenn man mit ihr geschlagen ist."

    Von ÖVP-Seite würdigte Kultursprecherin Silvia Fuhrmann Kreisler als "Ausnahmekünstler von besonderem Format". Die Wiener ÖVP-Kultursprecherin Isabella Leeb hob die Bedeutung des Kabarettisten für die Bundeshauptstadt hervor: "Georg Kreisler hat die Wiener Seele wie kein anderer Künstler dieser Stadt durchschaut. Und er war wohl auch selbst viel mehr Wiener, als er es eigentlich sein wollte." Mit seinem Ableben habe der Letzte der alten Garde die Bühne verlassen. (red)

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