Die profunde Mozart- und Strauss-Interpretin starb kurz nach ihrem 90. Geburtstag
Augsburg - Vor kurzem, rund um ihren 90. Geburtstag (24. Oktober),
konnte man sich an Sena Jurinac erinnern, an diese geschmeidige,
klangvolle und souverän geführte Stimme - und natürlich an eine Sängerin
von hoher Gestaltungskraft. Nun ist die profunde Mozart- und
Strauss-Interpretin am Dienstag in ihrem Haus nahe Augsburg gestorben.
Jurinac, 1921 in Travnik (Bosnien) geboren, startete ihre Karriere
mitten im Zweiten Weltkrieg in Zagreb; sie sang 1944 Dirigent Karl Böhm
vor, und 1945 debütierte die Tochter eines Militärarztes an der Wiener
Volksoper als Cherubino in Mozarts Figaro. Schließlich wurde sie auch
Teil jenes legendären Sängerensembles, das in der
Staatsopernausweichstätte Theater an der Wien seiner delikaten Arbeit
nachkam.
In vielen Rollen und wohl zu oft eingesetzt, handelte sich Jurican in
jener Zeit eine Stimmkrise ein. Diese ging vorbei, und Jurinac
entwickelte sich zu einer zunächst auf Hosenrollen spezialisierten
international gefragten Bühnenpersönlichkeit, die 1960 zur Eröffnung des
Großen Salzburger Festspielhauses im Rosenkavalier den Oktavian gab. Das
Repertoire erweiterte sich. Und wie Jurinac als Feldmarschallin
(Rosenkavalier) 1982 ihren Abschied von der Staatsopernbühne feierte,
hatte sie dort in fast vier Jahrzehnten 1268 Vorstellungen mit 46
Partien gegeben. (tos / DER STANDARD, Printausgabe, 24.11.2011)