Ungebrochene Proteste gegen Militär

Kairo: "Das Volk will den Marschall stürzen"

23. November 2011, 17:53

Tantawis Rücktritt gefordert - UNO kritisiert "unverhältnismäßige" Gewalt - Israel hofft auf Durchgreifen der Armee

Kairo/Genf/Jerusalem - Fünf Tage vor dem Beginn der Parlamentswahl herrscht in Ägypten Chaos. Ungeachtet politischer Teilzugeständnisse des regierenden Militärrates unter Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi gingen die blutigen Straßenschlachten zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften in Kairo und anderen Städten am Mittwoch weiter. 

Demonstranten harren aus

"Hau ab, hau ab. Das Volk will den Marschalls stürzen", skandierten denn auch Demonstranten auf dem Tahrir-Platz, die dort einmal mehr zum Teil die ganze Nacht ausgeharrt hatten. Andere hängten eine Puppe auf, die Tantawi darstellen sollte. Viele trugen Atemschutzmasken, um sich vor den Tränengasschwaden zu schützen. Rettungswagen fuhren die Verletzten davon. "Mit Tagesanbruch haben sie angefangen, uns zu beschießen, weil sie uns dann sehen konnten", sagte ein 32 Jahre alter Möbeltischler.

Die Polizei hat erklärt, sie habe keine scharfe Munition eingesetzt. Doch Ärzten zufolge wiesen viele der Menschen, die in den vergangenen fünf Tagen getötet wurden, Schusswunden auf. Am Nachmittag schien sich die Lage etwas zu entspannen, als sich die Polizei aus der Mohamed Mahmoud Straße zurückzog und einem Waffenstillstand zustimmte.

Der Militärrat, der im Februar die Macht von dem nach Massenprotesten zum Rücktritt gezwungenen Präsidenten Hosni Mubarak übernommen hatte, kündigte am Dienstag eine Präsidentenwahl für Juni 2012 an. Bisher war von Ende 2012 oder Anfang 2013 die Rede gewesen. Das Rücktrittsgesuch der Übergangsregierung unter Ministerpräsident Essam Sharaf wurde vom Militärrat angenommen.

USA rufen zur Zurückhaltung auf

Den Demonstranten geht die Zusage nicht weit genug. Sie fordern den Rücktritt Tantawis, der unter dem früheren autoritären Regime zwanzig Jahre lang Verteidigungsminister gewesen war. Die USA, die Ägypten jährlich Militärhilfen in Höhe von 1,3 Milliarden Dollar zahlen, riefen erneut "alle Seiten" zur Zurückhaltung auf. UNO-Menschenrechtskommissarin Navanethem (Navi) Pillay hat die ägyptischen Behörden aufgefordert, den "eindeutig unverhältnismäßigen Einsatz von Gewalt" gegen die Protestierenden auf dem Kairoer Tahrir-Platz zu beenden. Es müsse eine "rasche, unparteiische und unabhängige Untersuchung" zu dem Vorgehen der Sicherheitskräfte geben, erklärte die Südafrikanerin in Genf. Pillay kritisierte willkürliche Festnahmen und nannte die Bilder vom Tahrir-Platz "zutiefst schockierend".

Amnesty: Unterdrückung und Folter haben zugenommen

Die Menschenrechts- und Gefangenenhilfe-Organisation Amnesty International hat die Militärmachthaber in einem 62-Seiten-Bericht beschuldigt, Unterdrückung und Folter verglichen mit dem früheren Regime noch verschärft zu haben. Nach Erkenntnissen der Vereinten Nationen sind bei den jüngsten Unruhen in Ägypten etwa 30 Menschen ums Leben gekommen. Pillay sprach von "der berichteten Tötung von etwa 30 Demonstranten" sowie von vielen hundert Verletzten.

Israel setzt nach den Worten von Heimatschutzminister Matan Vilnai auf Tantawi, um die chaotischen Zustände in dem Nachbarland abzuwenden und den ägyptisch-israelischen Friedensvertrag auch nach einem zu erwartenden Wahlsieg der Muslimbrüder zu bewahren. "Wir hoffen, dass er (Tantawi) Erfolg haben wird. Das sollten auch die Ägypter hoffen", meinte Vilnai im israelischen Armeerundfunk. Die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu sei in ständigem Kontakt mit dem obersten Militärrat Ägyptens, sagte der Minister.

Israel fürchtet Wahlsieg der Muslimbruderschaft

Israels größte Sorge sei der erwartete Wahlsieg der Muslimbruderschaft, deren palästinensischer Ableger die im Gazastreifen herrschende Hamas ist, sagte Vilnai. Nach Informationen der Zeitung "Maariv" soll Generalstabschef Benny Gantz dem israelischen Sicherheitskabinett bereits einen Plan für den Fall vorgelegt haben, dass Ägypten den Separatfrieden von Camp David - wie von den Muslimbrüdern gefordert - annulliert. Vilnai sagte dazu, dies sei "derzeit nicht aktuell". Er fügte hinzu: "Ich sage: derzeit".

Netanyahu hatte nach Beginn des Volksaufstands in Ägypten zu Jahresbeginn die US-Regierung vergeblich bis zum letzten Moment gedrängt, Mubarak zu unterstützen. Nach dem Machtwechsel in Kairo warf Netanyahu dem Militärrat vor, nicht entschieden genug gegen den Terrorismus vorzugehen. Inzwischen wird auch spekuliert, dass ein Bündnis mit den wahrscheinlichen islamistischen Wahlsiegern den Militärs ihre umfangreichen Privilegien sichern könnte. (APA/Reuters/red)

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Posting 1 bis 25 von 61
1 2
chacun à son gout
11
23.11.2011, 17:16
Und nach dem Militär

Kommen dann die Muslimbrüder.
Dann wird's wieder lustig...

Wie sagt der Wiener so richtig: "es kommt nix Bessas noch!"

Allerdings gilt auch: Die Hoffnung stirbt zuletzt

2010sdafrika
00
23.11.2011, 16:45
Ägypten am Scheideweg

Während Tunesien die ersten demokratischen Wahlen hinter sich gebracht hat und diese frei abliefen, warten die Ägypter dieses Prozess ungeduldig ab. Allerdings regiert in Kairo eine Militärführung, die nicht gerade daran interessiert, im Lande einen demokratischen Transformationsprozess einzuleiten. Ich befürchte, dass der Islamismus in Nordafrika somit insgesamt stärker und vor allem radikaler wird: http://wp.me/pNjq9-3k0.

Hans Klade2
01
23.11.2011, 18:32

Die Amerikaner stehen hinter dem Militär. Dort sind ihre Vertrauensleute, die sie teuer gekauft haben. Sie werden es niemals dulden, dass dieses Militär in Ägypten seine Macht verliert. Sie werden dieses Land, das auch Nachbar Israels ist, niemals in die Entscheidungsmacht der Bevölkerung entlassen.

Stephan Schaefer
 
02
24.11.2011, 10:52

Und genau deswegen muss die Militärregierung verschwinden!

vox dei !
43
23.11.2011, 16:31
Dir paar arbeitsscheuen Kasperl sind DAS Volk?

Killer Bunny
33
23.11.2011, 16:45

Wie soll es denn auch anders sein? Die einzigen Ehrlichen, Fleißigen, Tüchtigen und noch dazu Kleinsten weltweit wohnen ja alle in Österreich und wählen seit Jahren die FPÖ oder die ÖVP oder sind deren Funktionäre.

vox dei !
23
23.11.2011, 19:04
Lass deine Primitivreflexe beiseite und...

noch einmal die Frage:

Sind die paar arbeitsscheuen Kasperln DAS Volk?

Killer Bunny
00
23.11.2011, 19:25

Lassen Sie ihre primitiven Vorurteile beiseite. Es ist ein Teil des Volkes - die Mehrheit ist die schweigende Masse, die die politischen Manöver und ihre Auswirkungen kaum versteht. Und das ist ihre Vertretung.

vox dei !
01
23.11.2011, 22:06

Und wann wurden die paar arbeitsscheuen Kasperln zu "Vertretern" gewählt?

Killer Bunny
01
24.11.2011, 06:02

In außerordentlichen Situationen wie Faschismusvorbeugung wird erst später gewählt.

woifee 0.0
12
23.11.2011, 16:38

Geh bitte...

Troll oder nur dumm?

vox dei !
00
23.11.2011, 22:11
Letzteres trifft genau auf dich zu!

Ersteres ist falsch!

woifee 0.0
00
24.11.2011, 12:45

Süß

Killer Bunny
01
23.11.2011, 16:07

Der Militärrat ist wirklich ausgefuchst bzw. falsch: jetzt haben sie zwischen den Demonstranten und der Polizei eine Reihe Soldaten als "Peacekeeper" eingezogen. Ob sich die Demonstranten noch einmal täuschen lassen?

tom krishan1
 
21
23.11.2011, 15:53

demokratiebewegung?

was für ein glücklicher zufall, dass mehrere staaten des mittleren osten und nordafrikas plötzlich alle so unglaublich nach freiheit und demokratie schreien.

warum eigentlich nur dort?

zufall? eu-krise?? finanzkrise??? ... hä????

ab ca. 21:00 min

http://blip.tv/ludwig/20... ex-5705950

NeoProgressive
01
23.11.2011, 17:55

Was für eine dumme Propagandasendung.

tom krishan1
 
00
23.11.2011, 20:58

welche politische kraft soll denn ihrer meinung nach hinter den aussagen des interview-partners stecken?

richtig, es gibt keine.

so lange sie das wort propaganda offensichtlich nicht verstehen, müssen sie natürlich, ganz wie trollen üblich, irgendwas posten.

solandre
 
00
23.11.2011, 17:12

aber vielleicht sind die iraner auch so gescheit um den amerikanern nicht in die hände zu spielen.

tom krishan1
 
00
24.11.2011, 02:08

die entscheidende aussage ist ab 21:00 min zu finden

solandre
 
00
23.11.2011, 17:12

interessant

Sinclair Babbitt
12
23.11.2011, 15:46
Sharif Abdel Kouddous berichtet aus Kairo

Ich schätze die Berichterstattung des Standard sehr – eine sinnvolle Ergänzung sind die englischsprachigen Berichte von Sharif Abdel Kouddous, der selbst aus Kairo kommt. Heute berichtet er von den Opfern der letzten Tage und gibt eine Einschätzung der Tantawi-Rede, die er mit einer der letzten Reden von Mubarak vergleicht: eine Mischung aus unbendeutenden Mini-Zugeständnissen und unverhohlenen Drohungen: http://www.democracynow.org/tags/egypt

schewardnase
00
23.11.2011, 14:42
may god bless us-america

Cordula Stritzlberger
20
23.11.2011, 14:29
Äypten befreit sich von Gott.....

ich wünsche meinen Schwestern viel Glück.

subspace99
00
23.11.2011, 17:11

Ja, Gott ist das Problem, weil er Menschen unterdrückt, prügelt, foltert und tötet. Haarscharfe Analyse.

Cordula Stritzlberger
00
23.11.2011, 18:40

Du endest beim interpretieren, aber vom orient hast Du offenbar gar keinen blassen Schimmer. Außerdem: willst du mir die Rede verbieten, subspace99, oder den Zwangscharakter der gesellschaftlichen Verhältnisse, unter dem meine Schwester zu leiden haben, leugnen? Na also..

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