Statistik

Seit 1976 wurde Schuldenbremse erst einmal eingehalten

23. November 2011, 07:15

Strukturelles Defizit nur 2001 knapp unter 0,35 Prozent-Grenze - Musterschüler Finnland mit Überschüssen auch ohne "Schuldenbremse"

Wien - Würde die "Schuldenbremse" tatsächlich umgesetzt, dann würde das für die österreichische Politik einen Paradigmenwechsel bedeuten. Die Regierungen der vergangenen 35 Jahre haben die Defizit-Grenze von 0,35 Prozent der Wirtschaftsleistung, die nach den Plänen von SPÖ und ÖVP künftig gelten soll, nämlich nur ein einziges Mal eingehalten. Und auch die aktuelle Regierung ist nicht gerade vorbildlich unterwegs, denn für 2013 erwartet das EU-Statistikamt Eurostat bereits wieder ein steigendes strukturelles Defizit.

Die Aufzeichnungen des EU-Statistikamtes Eurostat reichen bis 1976 zurück. Damals lag das strukturelle Defizit der Republik bei 3,6 Prozent der Wirtschaftsleistung - und blieb in den nächsten zweieinhalb Jahrzehnten hoch. Keine Regierung war in der Lage, den ab 2017 vorgesehenen Wert von 0,35 Prozent dauerhaft einzuhalten. Nur die schwarz-blaue Regierung schaffte dieses Kunststück einmal - nämlich im Jahr 2001. Und auch das war nur ein punktueller Erfolg, denn in den Jahren danach stieg das Defizit wieder deutlich an.

2013 neues Sparpaket

Dass die Regierung ihren Sparkurs deutlich verschärfen müsste, um das Defizit bis 2017 in Richtung der 0,35 Prozent-Grenze zu drücken, lässt sich aus den Eurostat-Zahlen ebenfalls recht deutlich ablesen: Das EU-Statistikamt rechnet zwar damit, dass das strukturelle Defizit im kommenden Jahr sinkt - und zwar von heuer 3,27 Prozent auf 2,74 Prozent des BIP. Schon im Jahr 2013 müsste die Koalition aber mit einem weiteren Sparpaket gegensteuern, denn für dieses Jahr wird schon wieder ein leichter Anstieg auf 2,79 Prozent erwartet.

Im Vergleich mit den anderen Mitgliedern der Euro-Zone schneidet Österreich damit schlecht ab: Das strukturelle Defizit liegt nämlich sowohl über dem Durchschnitt aller 17 Euro-Mitglieder als auch deutlich über den Werten vergleichbarer (ebenfalls mit Tripple-A bewerteter) Staaten: Die Niederlande wollen ihr strukturelles Defizit bis 2013 auf 1,4 Prozent senken. Finnland sieht für die Jahre 2011 bis 2013 überhaupt (wie seit Ende der 1990er Jahre fast durchgehend) strukturelle Überschüsse vor - und das übrigens ohne verfassungsrechtliches Schuldenlimit. (APA)

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16 Postings
Wanda von Dunajew
 
00
25.11.2011, 07:58
Genau deswegen gehört die Schuldenbremse ja i die verfassung

...damit nicht jede Regierung und Partei im Wahlkampf wieder Stimmenkauf mit Neuverschuldung betreiben kann.
Ist schon interessant, wieso haben die Sozis eigentlich so ein Interesse daran, dass sich die Staaten verschulden?
WO geht das Geld hin?

Erisian Liberation Front
04
23.11.2011, 13:03
Seit 1976 wurde Schuldenbremse erst einmal eingehalten

Pfui

Daran ist sicher auch der Schüssel schuld.

leftwing
00
23.11.2011, 18:32
Wer war seit 1976 in der Regierung.... SPÖ, ÖVP, FPÖ, BZÖ

Redali
00
23.11.2011, 12:04
strukturelles Defizit?

Könnte bitte jemand vom Standard (er)klären was das "strukturelle Defizit" ist und wie es sich vom sonst immer publizierten Maastricht-Defizit abgrenzt?

Im Text findet sich kein Hinweis darauf wie, warum und wieso Eurostat das berechnet!

mike sierra
00
24.11.2011, 11:22

strukturelles Defizit = Defizit abzüglich konjunktureller Einflüsse

Aber wie es sich berechnet ist wohl ein von Eurostat gut gehütetes "Geheimnis".

mike sierra
00
23.11.2011, 11:44
Überschrift stimmt nicht

Es ist im Text richtig, dass nur 1x (2001) das Defizit kleiner als 0,35% vom BIP war.
(2002, 2007 und 2008 war es kleiner als 1%)

Aber die Schuldenbremse schreibt nur ab einer Verschuldung von 60% diesen Wert vor.

Bis 1992 stieg die Schuldenquote aber von ca 35% auf ca 56% an, davon bis 1988 mit negativem Primärsaldo.
Erst 1993 wurde die 60%-Grenze übersprungen.

staxmax
00
23.11.2011, 11:35
"Große Koalition"

Bevor die „Große“-Koalition von den Oppositionsparteien die staatspolitische Verantwortung einmahnt, sollte sie uns einmal sagen, wie sie sich überhaupt vorstellen, das Defizit auf 0,35% zu bringen. Ohne Steuererhöhungen müsste das jährliche Wachstum mehrere Prozent ausmachen, was derzeit aber unrealistisch ist. Der logische Schluss daraus ist, dass die Steuern erhöht werden müssen. Da aber gewisse Steuern aus parteipolitischen Überlegungen - Parteipolitik geht vor staatspolitischer Verantwortung - nicht durchführbar sind z.B. vermögensbezogene Steuern für sehr Reiche, werden wohl Massensteuern z.B. MwSt., Mineralölsteuer, usw. angehoben werden müssen.
Eine Verwaltungsreform, Lehrerdienstrecht und dgl. können bestenfalls langfristig, da Bea

guenne2
10
23.11.2011, 11:28
jetzt LIF

dieses schauspiel in österreich wird immer unerträglicher! jeder intelligente mensch ist eingeladen, beim aufbau einer alternative für die nächste wahl mitzuhelfen: www.liberale.at

leftwing
02
23.11.2011, 18:35
Statt Pseudoliberale wäre eine echte Linke Alternative wesentlich reizvoller, wie auch das Potenzial in Portugal, Griechenland und Spanien gezeigt hat.

Jochen Mars
10
23.11.2011, 11:23
Der Föderalismus ...

.. gehört abgeschaft. Die Verwaltung zentralisiert. Im Burgenland leben weniger Menschen als in Graz, braucht es da wirklich den Verwaltungs- und Gesetzgebungsaparat eines eigenen Landes ?

der burli
12
23.11.2011, 10:02
weg mit den bundesländerverw. und baw. keine pensionssteigerungen für pensionen ab 3k.

Da_Burgenlandla
 
04
23.11.2011, 10:07

was is baw.?

johhint
01
23.11.2011, 11:14
nick passt gut zur frage...

;-p

Phil_Anthrop
05
23.11.2011, 08:26

Schwarz Blau hat das nur mit einmalertrafen aus Privatisierungen und goldverkauf geschafft.

leftwing
00
23.11.2011, 18:36

Die Nachwehen bekommen wir auch heute doppelt und dreifach zu spüren!

Plugman
00
23.11.2011, 14:52

Dies kann eigentlich beim begriff strukturelles defizit nicht sein. Einmalerlõse sollten da nicht drin sein oder?

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