Stasi-Akten belasten Terrorist "Carlos" schwer

23. November 2011, 06:46
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Der Terrorist soll in vier Attentate in Frankreich verwickelt sein

Paris - Dokumente des früheren DDR-Staatssicherheitsdienstes belasten nach Aussage eines Pariser Ermittlers den Terroristen "Carlos" schwer. Zahlreiche Akten verstärkten den Verdacht, dass der vor einem Pariser Sondergericht angeklagte 62-Jährige in vier Anschläge in Frankreich verwickelt gewesen sei, sagte Kommissar Eric Bellemin-Comte am Dienstag. Der französische Geheimdienstler wertete mehrere Monate lang die von den deutschen Behörden Anfang der 1990er Jahre an Frankreich übergebenen Stasi-Unterlagen aus. Darin fand er unter anderem eine "Attentats-Liste" der Stasi, die diese der Gruppe um "Carlos" zuordnete. Die Stasi hatte den Terroristen observiert, nachdem dieser sich in Ost-Berlin niedergelassen hatte.

Zu der Liste gehörten nach Aussage Bellemin-Comtes auch Fotos von den Anschlagsorten. Eine zentrale Rolle bei der Vorbereitung der Attentate habe der Deutsche Johannes Weinrich gespielt. Gegen Weinrich und die Deutsche Christa-Margot Fröhlich sowie gegen den Palästinenser Ali Kamal al Issawi verhandelt das Pariser Gericht in Abwesenheit.

Elf Menschen getötet

Dem Quartett werden vier Anschläge 1982 und 1983 zur Last gelegt, mit denen der Venezolaner "Carlos" seine damalige deutsche Ehefrau Magdalena Kopp und einen Komplizen aus französischer Haft freipressen wollte. Insgesamt wurden dabei elf Menschen getötet. Das Verfahren gegen "Carlos", der eigentlich Ilich Ramírez Sánchez heißt, läuft bis zum 16. Dezember.

In Österreich führte der Terrorist bei dem Angriff auf die Wiener OPEC-Zentrale im Dezember 1975 das Kommando, bei dem drei Menschen getötet wurden. Damals flohen die Terroristen, in deren Hand sich Dutzende Geiseln befanden, mit einem gekaperten Flugzeug über Algerien in den Nahen Osten. Auf ihrer Flucht wurde "Carlos" vom damaligen österreichischen Innenminister Otto Rösch (S) auf dem Flugfeld in Schwechat per Handschlag verabschiedet, was diesem später heftige Kritik eintrug. Ramirez und seine fünf Kampfgefährten wurden in Österreich nie vor Gericht gestellt. (APA)

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    "Carlos" führte auch 1975 das Kommando bei dem terroristischen Angriff auf die Wiener OPEC-Zentrale.

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