Graz

Atemwegsprobleme bei Kindern durch Feinstaub

22. November 2011, 19:36
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    grafik: der standard

    Überblick über die Feinstaubbelastung in Wien und Graz der vergangenen zehn Tagen.

In Graz will die Umweltstadträtin Autos sofort aussperren, in Wien setzt die Verkehrsstadträtin vorerst noch auf Parkraumbewirtschaftung

Wien/Graz - Beim Feinstaub fühlen sich alle irgendwie zuständig - und auch wieder nicht. Greenpeace fordert angesichts der anhaltenden Grenzwertüberschreitungen einen Straßenbaustopp und Fahrverbote, der Verkehrsclub Österreich plädiert für die Einrichtungen von Umweltzonen in Graz und Wien, die Grünen rufen nach einem Krisengipfel. Sogar die Umweltreferentin der Diözese Graz-Seckau sprach sich dafür aus, das Auto stehen zu lassen.

Umweltminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP) befand am Dienstag am Rande des Ministerrats zunächst, er sei "nicht zuständig" (siehe Bericht). Es sei eindeutig Sache der Länder zu handeln. Ein paar Stunden und empörte Reaktionen später sagte seine Sprecherin, dass Berlakovich gemeint habe, dass er 2010 die gesetzlichen Rahmenbedingungen geschaffen hat, für deren Umsetzung die Länder verantwortlich seien.

"Grazer zunehmend krank"

In Graz, das wegen seiner Kessellage unter einer der höchsten Feinstaubbelastungen Europas leidet, zählte man am Dienstag den 63. Tag in diesem Jahr, an dem der von der EU erlaubte Tagesmittelwert überschritten wurde. Die Grazer Vizebürgermeisterin Lisa Rücker (Grüne) wandte sich am Dienstag mit der Medizinerin Helga Ruschka an die Öffentlichkeit und forderte Fahrverbote als Sofortmaßnahme. "Es reicht", sagte Rücker, "die Grazer leiden unter der ständigen Belastung und werden zunehmend krank."

Zwischen 80 und 100 Kinder würden täglich mit Atemwegsproblemen in die Kinderklinik gebracht. Die Verhängung von Fahrverboten ist gesetzlich im Immissionsschutzgesetz Luft gedeckt, kann aber nur vom Land verordnet werden. Deshalb ging Rückers Forderung an Landeshauptmann Franz Voves (SP), der die Causa "zur Chefsache machen soll". In der Steiermark ist seit 2010 Gerhard Kurzmann (FP) Referent für Verkehr und Umwelt, dessen Vorschläge will Voves vorerst abwarten. Als längerfristige Maßnahme fordert Rücker Umweltzonen.

Vassilakou kann sich Fahrverbot nur schwer vorstellen

In Wien, wo gerade das dritte Feinstaubpaket umgesetzt wird, werde die Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung und die Erhöhung der Tarife fürs Kurzparken eine deutliche Verbesserung bringen, ist die grüne Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou überzeugt. Jede zehnte Fahrt in Wien sei kürzer als zwei Kilometer, die Hälfte kürzer als fünf.

Vassilakou: "Der Verkehr ist beim Feinstaub die Schraube, an der gedreht werden kann." Wie fest sie diese Schraube anziehen möchte? "Ein totales Fahrverbot ist grundsätzlich denkbar, aber nur die Ultima Ratio." An einem Arbeitstag sei dies nur sehr schwer vorstellbar, aber auch ein Fahrverbot an Sonntagen bedürfe eines großen logistischen Aufwands. In Wien gilt für Lkws der Klasse Euro-0 ein Fahrverbot, das ab kommendem Jahr auf Euro-1 ausgedehnt wird.

Wenn in Wien die Ausweitung der Kurzparkzone doch nicht den gewünschten Effekt zeigt, sind laut Koalitionsabkommen Umweltzonen geplant. (Bettina Fernsebner-Kokert, Colette M. Schmidt, DER STANDARD, Printausgabe, 23.11.2011)

Internationaler Vergleich:

BERLIN: Erhöhte Werte gibt es an stark befahrenen Straßen derzeit auch in Berlin - die Wetterlage ist ähnlich wie in Wien. An ein Fahrverbot denkt man jedoch nicht. Denn: Es war früher noch viel schlimmer. Als eine der ersten deutschen Städte hat Berlin 2008 dann aber die Umweltplakette für vierrädrige Kraftfahrzeuge eingeführt. In der Innenstadt auf einer Fläche von 88 Quadratkilometern (dort leben rund 1,1 Millionen Menschen) dürfen nur noch emissionsarme Fahrzeuge unterwegs sein. "Diese Umweltzone hilft sehr, 2011 konnten wir zehn Tage mit Grenzwertüberschreitungen weniger verbuchen als früher", heißt es in der Senatsverwaltung für Umwelt. (bau)

BOZEN: Während Mailand und Rom Sonntag versuchten, die hohen Schadstoffwerte durch Fahrverbote zu drosseln, kann Bozen seit vier Jahren auf solche Maßnahmen verzichten. "Wir haben die Feinstaubgrenzwerte heuer nur an 15 Tagen überschritten", erklärt der Direktor der Umwelt-Landesagentur Luigi Minach dem Standard. Neben einem winterlichen Fahrverbot für schadstoffreiche Fahrzeuge hat Südtirol eine breite Info-Kampagne zur Feinstaub produzierenden Holzfeuerung durchgeführt. Auf Minach kommt nun ein anderes Problem zu: die von der nahen Brennerautobahn produzierten Stickoxide. Einzig wirksames Rezept: "die Halbierung des Verkehrs". (mu)

Zum Thema:

Feinstaub: Grüne pochen auf Autofahrverbote und Tempolimits

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 159
1 2 3 4
sleepy
00
26.11.2011, 08:25
Es geht ums Geld ...

Auch Frau Minister Vassilakou weiß ganz genau von was sie da redet, nur Ihre Intension (oder die welche durch den Staates über sie kommuniziert wird ) ist eine völlig andere: Ich denke da sehr an Rückgang der Einnahmen durch Parkpickerl, Benzinsteuer (Benzin in manchen Ländern bei 0,10 € pro liter = hier verliert man am meisten) und Polizeistrafen. Hier würde an einem Autofreien Tag ein Vermögen verloren gehen.

Das sind meiner Meinung nach die einzigen Kriterien, welche man sich hier überlegt. Die paar Herzinfarkte - viele davon enden eh tödlich ... also bitte! Denken wir doch ans Geschäft und nicht an unsere Kinder ... ans "Sparen" ... Denken wir doch an die Regierung!

Immerrecht
30
25.11.2011, 14:02
Fussgänger

Laut Gesetz MÜSSEN die Autos vor dem Zebrastreifen anhalten wenn ein Fussgänger überqueren möchte. Ist ja auch OK besonders wenn es Kinder sind - auf die Sollte ja auch Rücksicht genommen werden. Nur kann man doch von einem mündigen Erwachsenen erwarten etwas zu warten bis die Strasse frei ist. Denn wenn im Schnitt 5 Autos auf in beiden Fahrtrichtungen abbremsen müssen und wieder beschleunigen - DAS IST FEINSTAUBBESLASTUNG!!
hat schon mal die gescheiten Politiker die berücksichtigt

joky1
00
13.12.2011, 12:32

und inwiefern ist jemand, der sein angewachsenes Fortbewegungsmittel nützt demjenigen unterzuordnen, der nachgewiesen Schadstoffe ausstößt, Lärm erzeugt und eine Gefahr für Leib und Leben darstellt?

slartibartfaß der Umwandler
11
24.11.2011, 12:04

ich meine, fussgänger und so, einfach öfters bei rot über die ampel gehen, überall in graz, ist immer lustig zu sehen, wenn sie dann alle in ihren schrottkübel durchdrehen. besonders bei grazer nummertafeln mach ich das öfters. ha ha. weil im endeffekt wird sich erst was ändern, wenn ganz graz im stau steht und jeder grazer für seine 1 km einkaufsstrecke 3 stunden benötigt.

locutus1
00
23.11.2011, 16:58
unser

landesrat für umwelt (!) macht sich nur sorgen um die wirtschaft, daher keinerlei maßnahmen gegen den autoverkehr. erkrankte kinder sind ihm wurscht...

Gobi Todic
20
23.11.2011, 16:21
hallo zensur? bitte meinen beitrag von gestern freischalten - obwohl dieser jetzt bestimmt schon auf der letzten seite steht.

http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/... 081675.pdf

shut down der ganzen stadt, inkl. A2 und A9 - und keine wischiwaschi hunderter mehr!

byron sully
20
23.11.2011, 16:01

das tatenlose zuschauen der grünen in wien und graz wird langsam unerträglich (andere parteien erwähne ich deshalb nicht, weil ich von denen sowieso nichts in die richtung erwarte).

MA_dam
11
23.11.2011, 17:02
Wenn die Grünen tatenlos sind, ist es noch immer innovativer

als wenn sie tätig werden!

toleranz_ist_ein_fremdwort
00
23.11.2011, 14:28
als Grazer der in Wien wohnt

kann ich _Mickey_ nur zustimmen.
Ich für meinen Teil komme am Sonntag nach Wien, suche mir einen Parkplatz und ab dann fahre ich nur mehr öffentlich - Punkt. Die Öffis sind bestens ausgebaut und man ist im Grunde besser unterwegs als mit dem Auto. Aber durch die geplante Parkpickerlerweiterung wird man nun dafür bestraft, dass man ein Auto überhaupt besitzt. Alle 2 Wochen fahre ich beruflich nach Graz und besuche dann auch meine Eltern welche am Standrand wohnen und dort ist es ohne Auto echt blöd. Im allgemeinen hat Graz kein vernünftiges Öffinetz. Das sollte endlich einmal vernünftig überarbeitet werden. Was bringt mir ein Bus der am Abend alle 45 Minuten fahrt, der letzte um 18 Uhr geht und ich aber bis 20 Uhr in der Firma sitze.

Kernöl 2.0
00
24.11.2011, 09:17

Da wäre es jetzt natürlich interessant, wo etwa am Stadtrand sie in Graz wohnen, um sich die möglichen Verbindungen anzusehen.

toleranz_ist_ein_fremdwort
00
24.11.2011, 10:29

wie meiner Antwort an GTV916 zu entnehmen ist, wohne ich bzw. wohnte ich in Mariatrost ca. 4km von der Endhaltestelle der Linie 1 entfernt - um es zu spezifizieren, es handelt sich um die Neusitzstraße.
Dort gibt es Postbus (Intervalle äußerst ungut) und seit kurzem einen GVB Bus bei dem neuen Hofer, welcher aber auch schon gut 2 km entfernt ist.
Aber wie schon gesagt - mittlerweile wohne ich in Wien und brauche das Auto nur für die Strecke zwischen Wien und Graz alle 2 Wochen. Und da ist einiges an Gebäck mitzunehmen, was auch die Fahrt mit der Bahn mehr oder weniger unmöglich macht (zumindest nicht ohne dass ich durchs schleppen Kreuzprobleme bekomme).

Kernöl 2.0
00
24.11.2011, 14:48

Die Lage des Elternhauses ist dann natürlich vorgegeben, ihre Beurteilung des Grazer Öffinetzes ("im allgemeinen nicht vernünftig") jedoch auch übertrieben. Die relative Nähe zum 1er ist schiach gesagt blöd gelaufen.

Am besten sind jedoch eh diejenigen, die in solch eine Gegend ziehen um dem Lärm zu entkommen und sich dann nicht zu schade sind auf das ach so schlechte Netz zu schimpfen. Irgendwo muss dann halt die Grenze zum Umland hin. Man kann beim besten Willen nicht verlangen, in dieser besten Luft- und Ruhelage trotzdem noch im 10min-Takt in die City zu kommen.

Aber Verbesserungspotential gibts natürlich immmer.

GTV916
 
01
23.11.2011, 15:02
Genau deswegen ...

... hab ich das Auto dann überhaupt in Graz stehen gelassen und bin mit der Bahn gefahren (was allerdings schon jenseits der Zumutbarkeitsgrenze liegt) ;-)

toleranz_ist_ein_fremdwort
00
23.11.2011, 15:11
mit Bahn fahren geht leider nicht...

... weil ich zu viel Gebäck habe.
Beamer, Laptop, 2 Katzen und ein Koffer - das mit der ÖBB und dann vom grazer Hauptbahnhof nach Mariatrost (4km von der 1er Straßenbahnhaltestelle entfernt) zu transportieren ist einfach nicht möglich.

MA_dam
21
23.11.2011, 14:21
Laut Studie emittieren die Schienenfahrzeuge der Wiener Linien jährlich 482 Tonnen Feinstaub. Der Straßenverkehr 535 Tonnen. Gemäß Hochrechnung verursachen die ÖBB 4817 Tonnen PM10. Das sind mehr als zehn Prozent der österreichischen Gesamt-Emissione

lässerfeilzl
22
23.11.2011, 16:37
die Studie ist ein Käse

alles schon x-mal durchgekaut in den Jahren seit damals. Nicht alles was vom Nachwuchs an einer Uni kommt, hat nur deshalb auch schon Hand und Fuß. Und bei Kfz-Lobby-gesponserten Motorenforschungs-Instituten wär ich bei solchen Ergebnissen überhaupt immer vorsichtig.

MA_dam
00
23.11.2011, 17:01
Übrigens,

wir haben mal spasshalber während einer U Bahnfahrt eine Feinstaubmessung gemacht und waren ziemlich verblüfft.
In den U Bahn Garnituren waren die Feinstaubkonzentration höher als alle bisher gemessenen Werte.
Das ist natürlich nicht repräsentativ, aber dass in der U Bahn die Feinstaubkonzentration so hoch ist, hätte ich nie gedacht.

MA_dam
00
23.11.2011, 16:58
Ja? Wo ist der gegenteilige Beweis?

der träumende hans
10
23.11.2011, 14:50

Und was wollen Sie uns damit sagen??
Die absoluten Mengen sind in diesem Vergleich ein wenig aus dem Zusammenhang gerissen, oder?

MA_dam
02
23.11.2011, 15:12
Na jetz denk mal nach ...

MA_dam
24
23.11.2011, 13:31
Mich würde interessieren, wie viele Menschen von denen,

die sich gerade vom Feinstaub so stark bedroht fühlen Raucher sind.

(°)(°)
00
23.11.2011, 13:45

Die mit Filterzigaretten eh nix zu befürchten.

Der böse externe Feinstaub wird nämlich mit dem Tschik verbrannt und dann gefiltert.

MA_dam
03
23.11.2011, 14:16
Ich bin ja kein Lungenfacharzt, aber wenn es um Rauchverbote geht,

hat man immer das Gefühl eine Zigarette tötet einen Menschen sofort.

Wenn man so Angst vor feinstaub hat, dürfte man nicht mehr rauchen, staubsaugen usw.
Kehrmaschinen müsste man verbieten udn Straßenbahnen auch.

Diejenigen, die sich besonders bedroht fühlen, müssen halt ins Gesäuse ziehn. Dort würde man sich über Zuwanderung ohnehin freuen.

Fingerzeig
03
23.11.2011, 13:29

Also gut, der Hausbrand:

.) mit Strom heizt man nicht, da umweltschädlich und zu teuer,
.) mit Öl und Gas heizt man nicht, da umweltschädlich und zu teuer,
.) mit Kohle, Holz und Pellets heizt man nicht, da umweltschädlich.

Jeder kann sich aber eine Tiefenbohrung für eine Wärmepumpe nicht leisten.
Was bleibt also ?
Abreißen des alten Hauses und Bau eines Passivhauses ?
Auswandern auf die Malediven ?

Letzteres ist wahrscheinlich auch aus vielerlei anderen Gründen die beste Variante.

habasch
35
23.11.2011, 13:04
Nicht zu vergessen:

Laut Umweltbundesamt waren in den Jahren 2002 bis 2004 die JAHRESmittelwerte für Feinstaub von Graz Don Bosco durchwegs höher als 50 µg/m³ (man könnte fast sagen, der EU-Grenzwert war im Mittel an 365 Tagen im Jahr überschritten). MONATSmittelwerte um 100 µg/m³ wurden registriert, ohne dass sich jemand gross ereiferte oder gesundheitlich bedroht fühlte. Warum auch, es wohnt ja niemand unmittelbar neben dem Luftansaugstutzen der Messstation. Sowenig wie sich jemand über längere Zeit zwei Meter über der Schornsteinmündung einer Müllverbrennungsanlage, einer Kohlenheizung, neben der Abluftanlage einer Zeitungsdruckerei oder hinter der Auspuffmündung eines partikelfilterlosen Diesels oder eines Zweitakters aufhält.

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