Belgrad verliert Kontrolle über die Kosovo-Serben

22. November 2011, 19:03

Unabhängigkeitserklärung wird erwogen - Zehntausende suchen um russische Staatsbürgerschaft an

Unter dem Motto "Wenn uns schon unser Mutterland nicht beschützen kann, dann eben Mütterchen Russland" überreichten vor zehn Tagen 21.733 im Kosovo lebende Serben in der russischen Botschaft in Belgrad einen Kollektivantrag auf die russische Staatsbürgerschaft. Die Vertreter Russlands zeigten sich gerührt und versprachen den Antrag an die Duma weiterzuleiten.

Kurz danach warnte Serbiens Staatssekretär für den Kosovo, Oliver Ivanović, vor "gefährlichen, emotionalen" Reaktionen der Kosovo-Serben. Es bestehe die Gefahr, dass die vier serbischen Gemeinden im Nordkosovo, in denen mehrheitlich Serben leben, ein "unabhängiges, autonomes Gebiet" ausrufen könnten, sagte Ivanović. Offensichtlich ist, dass Belgrad die Kontrolle über die Kosovo-Serben verloren hat. Zumal sich auch die serbische Koalitionsregierung mit ihrer knappen parlamentarischen Mehrheit nicht mehr über die zukünftige Kosovo-Politik einig ist. Auf der einen Seite fordert die "Serbischen Erneuerungsbewegung" (SPO), sich mit dem unabhängigen Kosovo abzufinden, denn nur so könne Serbien die EU-Integration beschleunigen. Auf der anderen verkündete die "Sozialistische Partei Serbiens" (SPS), dass Serbien auch "ohne die EU auskommen könne" , wenn der Preis für die EU die territoriale Integrität des Staates sei. Für eine Kosovo-Deklaration, die die bisherige Politik der Nichtanerkennung und Blockade bestätigen sollte, fand die Regierung keine Mehrheit im Parlament.

Die Opposition sprach von einer Regierungskrise und forderte den Rücktritt von Premier Mirko Cvetković. Auch die zweitägigen EU-geführten Gespräche von Vertretern Belgrads und Prishtinas endeten am Dienstag in Brüssel ohne Einigung. Die serbischen Regierungsparteien wollen aber die Situation bis zum 9. Dezember nicht weiter zuspitzen, um die Entscheidung des EU-Ministerrats über den EU-Kandidatenstatus nicht zu gefährden.

Für den Kandidatenstatus sollte Serbien laut Empfehlung der EU-Kommission alles bisher Vereinbarte im Dialog mit Prishtina implementieren. Es geht etwa um die Kataster, die Pristhina bekommen soll. Belgrad willigte unter dem Druck der EU ein, dass in Streitfällen der oberste Gerichtshof in Prishtina zuständig ist. Serbiens Chefverhandler Borko Stefanović wurde deswegen des "Hochverrats" bezichtigt.

Ins Kreuzfeuer geriet Stefanović auch wegen seines Vorschlags einer "integrierten Verwaltung" der zwei nordkosovarischen Grenzübergänge zu Serbien. Gedacht ist, dass jeweils ein kosovarischer, ein serbischer und ein internationaler Beamter an der Grenze stehen sollten. Für die Kosovo-Serben sind diese Kompromisslösungen inakzeptabel. Sie wollen an ihren Barrikaden ausharren. (Andrej Ivanji aus Belgrad/DER STANDARD, Printausgabe, 23.11.2011)

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17 Postings
Jay Trifun
00
24.11.2011, 21:49
aid

die sollen jeder endlich ihren staat bekommen!
die sollen es dann "Herzogtum Serbien" nennen, die anderen "Kaiserreich Kosovo der Albaner" und am besten gleich den Türken auch noch ihr "Türkei 2".

wenn die "verschuldete" eu helfen will, sollten zuerst diese pareiischen medienberichte aufhören und keinem rückendeckung geben!

Komita
00
24.11.2011, 21:47
Im Nordzipfel des Kosovo

bzw. in den 3 Gemeinden (Leposaviq auch Albanik genannt, Zvecan, Zubin Potok), überwiegend serbisch bewohnt, im Prinzip ein kleiner Landstrich, be­trach­ten wir eine Öko­no­mie, die nicht den Be­dürf­nis­sen der lokalen Be­völ­ke­rung, son­dern mit Unterstützung der serbischen Geheimdienste, der mafiösen Pro­fit und der im serbischen Nationalinteresse stehenden Kontrollsteige­rung dienen, hier­bei wird mit Methoden der sozia­len (finanzielle Abhängigkeit der lokalen Serben vom serbischen Staat) Per­spek­tiv­lo­sig­keit und Einschüchterung gear­bei­tet. Belgrad hat somit jederzeit Kontrolle über die Kosovo-Serben.

Quartz1
00
24.11.2011, 10:34
"Serbische Erneuerungsbewegung" (SPO)

In Österreich gibt es eine ähnlich klingende moderne Erneuerungsbewegung, die alle lieben.

stan73
93
23.11.2011, 08:17
Belgrad verliert überhaupt nicht die Kontrolle der Serben im Norden.

Dieser Schachzug stellt die Regierung in Belgrad für jedwede weitere Aktion der Nord-Serben als unbeteiligt dar - So zumindest der Wunsch Belgrads.

Wenn man keine Kontrolle mehr ausüben kann, kann man auch bei den EU Verhandlungen dafür nicht bestraft werden. Gleichzeitig baut der Norden weiter die beliebten Barrikaden auf und verhindert so, dass Recht und Ordnung auch im Norden Kosovos Einzug halten.

Ich hoffe doch, dass Brüssel auf diesen billigen Trick nicht hereinfällt :-)

Toni Mayr
01
24.11.2011, 14:11

Haben Sie nicht bis vor Kurzem das Selbstbestimmungsrecht der der Völker proklamiert? Aber die Serben dürfen das nicht? Oder wie soll ich das verstehen?
Nur zu Ihrer Information, Jugoslawien wollte 1998/99 dasselbe wie die Kosovoregierung jetzt! Nämlich Ordnung in andersethnischen Gebieten schaffen. Sehen sie die Parallelen nicht?

Interface
10
25.11.2011, 08:40
Parallele?!?

Ich sehe überhaupt keine Parallelen weil Kosovo Regierung hat nie gegen serbische Etnische Minderheit gewalt angewendet oder gar Vertrieben so wie die Serben es vorgeführt haben 1999, das war Genocid.
Und das wird Kosovo Regierung nie tun weil das Volk wird das nie zulassen, und das ist der Unterschied zwischen unsere Zwei Nachbarländern und Vökern.

Toni Mayr
00
25.11.2011, 15:19

Sind Sie vielleicht Ungar, Tscheche, Slowene oder Italiener, dass Sie mich als Nachbarvolk bezeichnen?

Toni Mayr
22
25.11.2011, 15:18
1999 war Genocid

Richtig! Da wurden Serben und Roma und andere vertrieben so viel es nur ging. Und im Gegensatz zum Albanischen Campingausflug welcher einige Wochen gedauert hat und eine FLucht vor illegaler NATO Bombardierung war, sind die damaligen wirklich Vertriebenen nach 12 Jahren noch immer nicht zurück! Und wenn mal einmal einer zurückkommt, gibts Repressalien, dass er bald wieder weg ist. Und die verbliebenen Serben gibts nur weil KFOR nocht da ist. Ohne KFOR ist der Kosovo wirklich Albanisch. Eine schreckliche Vorstellung eigentlich!

Walter Bimini
00
24.11.2011, 10:25
brüssel kämpft ums wirtschaftliche überleben

rash bek
10
25.11.2011, 20:58
hurrensohn

du verdammter hurrensohn ...
findest also wenn über 800000 menschen ihr land verlassen müssen diese einen ausflug machen!!!

das in einer österreichischen zeitung vertreibungen geleugnet und verharmlost werden dürfen muss hinterfragt werden!!!!

AyrtonSenna2.0
22
23.11.2011, 18:09
Und wie die Kontrolle verloren ist.

Liess mal die Serbischen Zeitungen und Komentare. Habe einen Bruchteil als pro Stefanovic gelesen. Was für ein Schachzug? tadic will es anerkennen, nur ist der Zeitpunkt schlecht. Politisch wäre es natürlich selbstmord für ihn.

"So zumindest der Wunsch Belgrads": Was sind den die Wünsche?
"Gleichzeitig baut der Norden weiter die beliebten Barrikaden auf " : Wieso werden die Barrikaden aufgebaut? Dein sogenannter Staat kann nicht mal seine sogenannten Minderheiten beschützen (siehe über 1000 ethnisch Motovierte Morde durch Zivilisten! Und was wurde verurteilt?

rash bek
45
22.11.2011, 23:24
back to the roots

damit ist wohl auch geklärt wer von wo stammt !!!!
mag diese serbische politik des verhindern und blockieren auch jetzt noch zu solchen abstrakten & völlig aussichtslosen ideen setzen.....
sind das nichts als die letzten zuckungen dieser verfehlten politik.
was hat serbien bis jetzt damit erreicht?
gehts serbien es besser damit?
serbien damit dies noch erwähnt wird hat auf allen internationalen ebenen ausser der mitgliedschaft bei der uno durch kosova verloren!
zu beginn hiess es noch das herz & die seele serbiens wäre in kosova!
damit wären wir wieder am anfang dieses textes!
jetzt gehts anscheinend "NUR" noch darum ein kleines teil davon zu besitzen.

das herz will lieben!
lieben kann man nur mit dem herzen aber nicht besitzen.

Kushtrim luli
52
22.11.2011, 20:22
Serbien verliert Kontrolle??

Das haben die doch selber so gewollt! Die serbische Politik lässt keine Möglichkeiten ausstehen egal welche Auswirkungen diese hätten, Hauptsache Belgrad wird dafür nicht verantwortlich gemacht! Mutti aus der BRD wird denen eh auf die Finger hauen!

Kreshnik Krasniqi
13
22.11.2011, 19:37

Die Serben sollen nicht nur die Unabhängigkeit ausrufen nein ich bin auch dafür das alle die russische Staatsbürgerschaft bekommen,die Duma soll schneller handeln als Schlafen,Zeit ist Geld und Geld hat nicht jeder,wobei damit wir uns alle gleich verstehn das dort ist nicht Georgien und wer etwas Denken kann versteht den Spruch.

Interface
11
22.11.2011, 22:16
Der schöne Ural...

Wenn jemand auf der Gedanke kommt das dort hinterland ist und nur Weissbären leben, der hat sich getäuscht.
Das ist eine sehr schöne gegend mit dem Metrpole Novosibirsk, hier ersichtlich...
http://youtu.be/hJTKAZ7nFQ0
In diesem Fall sollen die Bürokratischen Hurden des Duma einfach mit einem Erlass ausser Kraft gesetz werden damit die Serben so schnell wie möglich die schönheiten des Sibirs geniessen können und nicht mehr im Kosovo die Schickanerei des Nato erleiden
müssen.
Ich denke das die Mehrheit der Forumler die Initiative unterstüzt und sommit sind wir erstmalig einer Meinung und wir sollten eine Petition an der Duma senden mit all unsere Unterschriften damit der Verfahren beschleunigt wird.

stan73
41
23.11.2011, 08:19
Wenn dem so wäre, wäre ja allen gedient. Ich befürchte nur, dass die Serben im Norden einen ganz anderen Plan verfolgen.

Die wollen, dass Russland militärisch in den Norden einmarschiert und ggfs. den "Fehler Belgrads" wieder korrigiert und ganz Kosovo unter ... keine Ahnung "Russland" stellt :-)

Und jedem seine eigene Busspur
21
24.11.2011, 07:54
Genau das!

Kein Kosovoserbe denkt daran in den Ural auszuwandern. Es geht lediglich darum den Russischen Bären wachzurütteln. In der naiven Hoffnung, auf ein politisches oder militärisches Eingreifen. Das wird aber nicht kommen. Höchstens ein paar veraltete Waffen gegen Bezahlung. Warum die roten Stricherln ist rätselhaft?

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