Kein Happy End in Sicht

22. November 2011, 18:57
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"Es war einer von uns": Betäubt von K.-o.-Tropfen bricht eine junge Frau am Weg nach Hause zusammen und wird vergewaltigt

Alkohol und Gespräche fließen, es wird getanzt und geflirtet. Keine schlechte Party, die Johanna (Maria Simon) da im ZDF-Montagsfilm "Es war einer von uns" besucht. Doch sie endet schrecklich: Betäubt von K.-o.-Tropfen bricht die junge Frau am Weg nach Hause zusammen und wird vergewaltigt.

Und fast noch schrecklicher: Es war einer der Partygäste, einer also aus dem netten, gutsituierten Freundeskreis. Nicht nur Johanna ist fassungslos. Ihre Freundin Leonie (Anja Kling) hilft ihr zunächst bei der Tätersuche. Auch Polizei und ein Privatdetektiv sind nicht untätig. Aber es nützt nichts. Irgendwann muss Johanna erkennen: Sie wird nie erfahren, wer es war.

Bis dahin ist allerdings schon viel kaputtgegangen: Die Freundschaft zu den anderen Partygästen - erst recht, als sich Johanna einbildet, es sei Leonies Freund gewesen, und ihn mit einer Pistole bedroht. Zudem das Vertrauen in andere Menschen, auch der Job ist weg.

Es ist dank Maria Simon ein starker Film. Verzweiflung und Ohnmacht, aus denen eine enorme Verbissenheit bei der Tätersuche resultiert, zeigt sie eindringlich. Die Wirkung ist umso größer, da phasenweise auf Filmmusik verzichtet wird.

Am Schluss, als Johanna wieder Tritt gefasst hat, findet sie durch Zufall doch noch heraus, wer es war - und das auch noch bei einem Brunch inmitten der wiedergefundenen Freundesriege. Ein Happy End gibt es in dieser griechischen Tragöde natürlich trotzdem nicht, und der Brunch findet ein jähes Ende.

Dann ist der Film aus. Offen bleibt das Warum. Und auch, wie die netten Freunde nun diesen Schock und das neue, schreckliche Wissen verarbeiten. Schade, man hätte gern mehr erfahren. (Birgit Baumann/DER STANDARD; Printausgabe, 23.11.2011)

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