Über Konflikte im öffentlichen Raum

22. November 2011, 18:01
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Dreitägige Symposium "Wir sind Platz" in Salzburg

Seit den 1960er-Jahren spielt der Begriff Öffentlichkeit eine zentrale Rolle in politischen, wirtschaftlichen, urbanistischen und künstlerischen Diskursen. Dabei geht es auch um den öffentlichen Raum, der - im Gegensatz zum priva-ten - frei zugänglich sein sollte.

Zumindest theoretisch, denn mit dem Siegeszug der neoliberalen Ideologie gewinnen seit den 1990erJahren ökonomische Interessen die Oberhand, soziale Funktionen werden ins Abseits gedrängt. Eine schleichende Privatisierung öffnet Kontroll- und Disziplinierungsmaßnahmen Tür und Tor, potenziellen Konsumenten sollen "Störfaktoren" wie Bettler oder jugendliche Skater erspart bleiben - Hausrecht samt Überwachungskameras und privaten Sicherheitsfirmen schafft Surrogate öffentlicher Räume, in denen statt Integration und Interaktion soziale Ausgrenzung herrscht.

Analog zur privaten Ghettoisierung in Gated Communitys entstehen so immer mehr "Konsumparadiese" , deren halbprivater Status aber die allgemeine Öffentlichkeit nicht grundsätzlich ausschließen kann. Genug Stoff für das dreitägige Symposium Wir sind Platz. Konfliktbearbeitung im öffentlichen Raum, bei dem die Veranstalter vom hiesigen Friedensbüro Kooperation und Nachhaltigkeit in den Vordergrund stellen wollen. Am Montag referierten etwa Marianne Gronemeyer, Richard Krisch und Johannes Voggenhuber über die Rückeroberung des öffentlichen Raums.

Heute, Mittwoch, beginnt das Symposion mit einem Vortrag von Caroline Fritsche und Christian Reutlinger, beide vom Institut für Soziale Arbeit in Sankt Gallen, über "Konfliktbearbeitung im öffentlichen Raum im Spannungsfeld von Straßensozialarbeit und Ordnungspolitik" . Danach gibt es vier Panels u. a. über die Privatisierung von Sicherheit im öffentlichen Raum und zivilgesellschaftliches Engagement zwischen Bürgerbeteiligung und Bürgerwehr, weiters wird das Verhältnis zwischen Sozialarbeit und Polizei erörtert. (dog, DER STANDARD - Printausgabe, 23. November 2011)

Salzburg, Bildungshaus St. Virgil, 9.00

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