Russen wollen Volksbank-Tochter billiger haben

22. November 2011, 17:51
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Wien - Am Donnerstagabend wird er sich bei der "Galanacht der russischen Wirtschaft" in der Hofburg amüsieren, tagsüber und am Freitag wird er verhandeln. Es geht um German Gref, Chef der russischen Sberbank, die die Osttochter des Volksbankensektors, die Volksbank International (VBI), kaufen wird. Dass die Gespräche, die der Boss der größten russischen Sparkasse mit Verhandlern der Volksbanken AG (ÖVAG) führen wird, für selbige erbaulich werden, ist nicht zu erwarten. Die Russen, so heißt es in Bankkreisen, möchten den Kaufpreis für die VBI anpassen - und zwar nach unten, auf rund 500 Mio. Euro. Die VBI gehört zu 51 Prozent der ÖVAG, den Rest halten deutsche DZ- und WGZ-Bank und französische Volksbanken.

Grund für die Preisspirale: Die Töchter der VBI liegen mit ihren Zahlen unter Budget, vor allem die Geschäfte in Ungarn laufen schlecht. Nach einem Gewinn von 14,8 Mio. Euro nach Steuern im Halbjahr dürfte so die gesamte VBI (Sorgenkind Rumänien wird nicht verkauft) ins Minus gerutscht sein. Ursprünglich wollten die Russen 585 Mio. Euro bezahlen, bei gutem Geschäftsgang hätten sie bis zu 60 Mio. Euro draufgelegt. Die Verhandlungsposition der ÖVAG ist unbequem: Sie braucht dringend Geld und steht vor einem existenziell wichtigen Sektorumbau.

Mit dem Closing dürfte es aber in jedem Fall noch dauern. Die acht lokalen Nationalbanken müssen dem Deal zustimmen - und einige von ihnen sind dabei recht behäbig, wie es heißt. Vor allem die ungarische Nationalbank. (Renate Graber, DER STANDARD, Printausgabe, 23.11.2011)

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