Belgien besorgt über Zinsen und Dexia-Rettung

22. November 2011, 17:49
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Auch Belgien klagt über eine rekordverdächtige Zinslast. Gerüchte machen die Runde, wonach die Rettung der Pleitebank Dexia noch scheitern könnte

Brüssel - Die drückende Zinslast ist und bleibt eines der größten Probleme der europäischen Schuldenländer. Das hoch verschuldete Spanien konnte sich am Dienstag nur für die höchsten Renditen seit 14 Jahren frisches Geld besorgen. Für Anleihen mit einer Laufzeit von nur drei Monaten mussten Zinsen von über fünf Prozent bezahlt werden.

Für Belgien, das nach 527 Tagen weiterhin ohne neue Regierung dasteht, ist die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen am Dienstag erstmals seit 2008 wieder über die Fünf-Prozent-Marke gestiegen. Für zusätzliche Unruhe sorgten Gerüchte, wonach das Land möglicherweise die geplante milliardenschwere Rettung der Krisenbank Dexia nicht stemmen könnte. Die Financial Times Deutschland berichtete unter Berufung auf belgische Medien von Bemühungen Belgiens, Nachverhandlungen mit Frankreich hinsichtlich des Rettungspaketes vom Oktober zu erreichen. Die beiden Regierungen dementierten jedoch konkrete Verhandlungen.

Dexia-Rettung

Der belgisch-französische Finanzkonzern und Kommunalfinanzierer Dexia muss bereits das zweite Mal seit 2008 gerettet werden. Der belgische Staat erklärte sich bereit, für vier Milliarden Euro den örtlichen Arm des Instituts zu übernehmen. Das Problem ist, dass der Rettungsplan vorsieht, dass sich die Bank im kommenden Jahr über staatlich gedeckte Anleihen 54 Mrd. Euro besorgt. Angesichts der Marktsituation gilt dies jedoch als utopisch, Beobachter schätzen, dass am Markt allerhöchstens Platz für Dexia-Papiere im Volumen von 20 bis 25 Mrd. Euro ist. Zudem würde eine Dexia-Emission in direkte Konkurrenz zur Bondemission Belgiens selber stehen und diese womöglich weiter verteuern, heißt es.

Immer lauter werden auch die Rufe nach gemeinsamen Anleihen der Euro-Zone. Der neue griechische Regierungschef Lucas Papademos plädierte bei einem Treffen mit Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker für dieses Instrument. Juncker wiederum bekräftigte, dass die nächste Griechenland-Hilfstranche in Höhe von acht Milliarden Euro nur freigegeben werden, wenn alle führenden griechischen Politiker ein schriftliches Bekenntnis zum Sparkurs abgeben. Bisher lehnt der Chef der Konservativen, Antonis Samaras, diese Forderung ab.

Innerhalb Griechenlands wird das Bankensystem neuerlich gestützt. Künftig stünden den Instituten über die griechische Zentralbank 60 Milliarden Euro zur Verfügung, sagte Finanzminister Evangelos Venizelos. Bisher übernahm der griechische Staat die Garantie über 30 Mrd. Euro. Griechenlands Banken haben seit dem Beginn der Schuldenkrise quasi keinen Zugang zu den Märkten mehr. Um dennoch liquide zu bleiben, leihen sie sich Geld von der Zentralbank. (Reuters, go, DER STANDARD, Printausgabe, 23.11.2011)

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    Eigentlich gab es bereits ein Rettungspaket für die Dexia-Bank, nun könnte es noch einmal aufgeschnürt werden.

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