Einkaufen statt Panik haben

Lisa Aigner
23. November 2011, 15:35

Die "Helfer Wiens" fordern dazu auf, sich einen Vorrat für den Ernstfall zuzulegen - Supermärkte und das Image der SPÖ profitieren

Österreich bangt vor einer Abwertung durch Ratingagenturen, die Inflation steigt, der Euro taumelt. Das Wort "Krise" ist allgegenwärtig. Die Erinnerungen an den Atomunfall in Fukushima sind noch frisch. In diesen turbulenten Zeiten rät ein Plakat im Supermarkt, sich für "kurzfristige Versorgungsengpässe in Notsituationen" vorzubereiten und Kerzen, Mineralwasser und Konserven zu kaufen.

Gemeinsam mit den Supermarktketten "Billa", "Merkur" und "Spar" veranstaltet der ehemalige Wiener Zivilschutzverband die "Wiener Sicherheitswochen" vom 25. Oktober bis zum 24. November. Während dieser Wochen hängen in den Supermärkten der erwähnten Lebensmittelketten Informationsplakate und ein Flugzettel informiert darüber, dass es zur Überbrückung von Notsituationen "überraschend wenig" braucht. 

Vitamine, Zwieback und Co.

Wichtig seien dabei vor allem ein Vorrat an Wasser, haltbaren Lebensmitteln und Licht- und Energiequellen. Eine "Checkliste für den sicheren Haushalt" soll helfen zu überprüfen, ob man alle wichtigen Lebensmittel als Vorrat zu Hause hat. Darauf finden sich Zwieback, Trockenfrüchte, Vitaminpräparaten und Dosenfutter für die Haustiere. Mengenangaben sucht man vergeblich. Stattdessen findet sich ein Logo der jeweiligen Supermarkt-Kette und ein Foto des Wiener Landtagspräsidenten und Vizepräsidenten der "Helfer Wiens", Harry Kopietz auf dem Folder. Werbung für "Billa", "Merkur" und "Spar" und die Wiener SPÖ in einem Aufwischen also.

Dass sich das Wort Bevorratung "eigentlich sehr schrecklich anhört" findet auch der Geschäftsführer der Helfer Wiens, Wolfgang Kastel. Hinter dem Wort stecke aber viel mehr als nur die Vorbereitung auf Umweltkatastrophen oder kriegerische Auseinandersetzungen. Engpässe gäbe es auch "wenn zum Beispiel ein älterer Mensch, wenn es kalt und rutschig ist für ein paar Tage nicht hinaus kann, oder denken wir an einen Stromausfall, das hat jeder schon einmal miterlebt. Da sollte man zuhause dementsprechend bevorratet sein, dass man eine Taschenlampe und eine Kerze hat", sagt Kastel im Gespräch mit derStandard.at.

Keine Panikmache

Dass man mit einer solchen Aktion Panik auslöst, glaubt Kastel nicht. "Es gibt zwei Zugänge: Ich kann es ansprechen oder ich kann den Zugang haben, dass ich es nicht anspreche und die Leute nicht informiere". Schließlich würde in den Informationsbroschüren darauf hingewiesen, dass es nicht um kriegerische Auseinandersetzungen gehe, sondern um den "tagtäglichen Bedarf".

Auch bei den Supermarktketten sieht man in der Aktion der Sicherheitswochen keine Panikmache. "Für den Lebensmittelhandel sind solche Bevorratungs-Aktionen eine Sache, die alle paar Jahre einmal vorkommt, weil eine Organisation sich dem Thema annimmt. Bevor wir der Kooperation zugesagt haben, war jedoch unsere Bedingung, dass die ganze Sache so gestaltet und formuliert ist, dass eben keine Panik entsteht. Das ist auch unserer Meinung nach ganz gut gelungen", so die Sprecherin von "Spar". "Das ist eine Vorsorgeaktion, die sinnvoll für die Bewusstseinsbildung ist. Wir leisten kommunikative Unterstützung", heißt es aus dem REWE-Konzern, zu dem "Billa" und "Merkur" gehören. 

Kein idealer Zeitpunkt

Der Wirtschaftspsychologe Erich Kirchler von der Universität Wien stößt sich bei der Aktion vor allem am gewählten Zeitpunkt. "Während wirtschaftlicher Krisenzeiten können Informationen, die zur Bevorratung des Haushaltes raten, Ängste vor der Zukunft schüren", sagt Kirchler in einer Stellungnahme zu derStandard.at. Intensive Emotionen könnten aber vernünftige Entscheidungen verhindern, so dass tatsächlich die Angst zum Verhaltensmotor wird und nicht rationales Abwägen von Vor- und Nachteilen, so der Psychologe. Sachliche Informationen über sinnvolles Verhalten sei wünschenswert. "Fraglich ist aber zu welchen Zeiten, in welchem Kontext und mit welchen Absichten diese Informationen geboten werden." Dass eine Aktion wie diese die Ängste vor Katastrophen dahingehend verstärken, dass sie "blind" machen, sei möglich, so Kirchler. 

Kooperation nur mit einzelnen Märkten

Für Supermarktketten ist eine solche Aktion natürlich von Vorteil, da bei ihr eingekauft wird. Die Kosten für Folder und Plakate wurden von ihnen übernommen. Warum nur drei Ketten in Wien ausgewählt wurden und keine Kooperation mit allen Supermärkten besteht, kann man bei den Helfern Wiens nicht wirklich beantworten. "Soviel ich weiß, sind das die größten drei Marktketten in Wien und da macht es natürlich Sinn, wenn ich mit denen eine Kooperation eingehe, wo die meisten Menschen hingehen", sagt Geschäftsführer Kastel.

Beim Österreichischen Zivilschutzverband, dem Dachverband aller Bundesländer-Organisationen, heißt es, dass eine so große landesweite Aktion wie in Wien sonst nur alle ein bis zwei Jahre in Tirol durchgeführt wird. Die Zusammenarbeit mit Supermärkten passiere auf Gemeindeebene meist mit einzelnen Filialen und nicht mit ganzen Supermarktketten. Der Geschäftsführer des Dachverbandes, Walter Schwartzl, glaubt nicht, dass Bevorratungs-Aktionen Angst verursachen. "Unvorhergesehenes passiert oft sehr schnell, danach ist es oft zu spät, sich darüber zu informieren, was man braucht", sagt er. Bei Engpässen würden oft panikartige Hamsterkäufe passieren und die Supermärkte seien leergekauft. Diese Problem hat man nicht, wenn man bereits vor solchen Ereignissen einkauft. "Bevorratung erzeugt Selbstbewusstsein", ist sich Schwartzl sicher.

"Kopietz steht für Sicherheit"

In einer Presseaussendung der Helfer Wiens sagt auch deren Vizepräsident Harry Kopietz, dass durch die Sicherheitswochen "das Sicherheitsgefühl der Wienerinnen und Wiener gesteigert wird und sie sich noch wohler und sicherer in ihrem Zuhause und in ihrer Stadt fühlen." Kopietz, der unter anderem das Wiener Donauinselfest organisiert, ist für die SPÖ erster Landtagspräsident im Wiener Gemeinderat. Er hat die "Schirmherrschaft" für die Sicherheitswochen übernommen. Präsidentin der Wiener Helfer ist übrigens Vizebürgermeisterin Renate Brauner, ebenfalls von der SPÖ. Warum das Foto von Kopietz auf dem Infofolder der Sicherheitswochen abgebildet ist? "Der Harry Kopietz steht für Sicherheit in Wien", sagt der Geschäftsführer der Wiener Helfer, die übrigens von der Stadt Wien bezahlt werden. Außerdem sei Kopietz durch sein Amt als Landtagspräsident parteilos. "Sicherheit geht uns alle an und hat nichts mit Parteien zu tun", sagt Kastel.

Von den Wiener Sicherheitswochen profitieren übrigens nicht nur die Supermärkte, die mehr verkaufen und Harry Kopietz von der Wiener SPÖ, der sein Image aufpoliert, sondern auch die Kunden und Kundinnen können etwas gewinnen. In den Filialen kann ein Coupon in eine Gewinnspiel-Box eingeworfen werden. Es lockt einer von 100 Rauchmeldern für den sicheren Haushalt. (Lisa Aigner, derStandard.at, 23.11.2011)

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Kein idealer Zeitpunkt - das stimmt, Krisen haben die Angewohnheit, dass sie sich nicht unbedingt ankündigen ...

"Während wirtschaftlicher Krisenzeiten können Informationen, die zur Bevorratung des Haushaltes raten, Ängste vor der Zukunft schüren"

... eh klar, Kopf in den Sand und dann ist wieder alles gut ...

Ich finde die Aktion schon in Ordnung und wäre dafür, dass mehr zu diesem Thema informiert wird. Wir leben ja in einer so sicheren und heilen Welt, dass es gar nicht passt, dass mal etwas schief gehen könnte.

Wer nicht nur an die heile Welt glaubt, dem Empfehle ich das Kapitel Blackout in dieser Arbeit:
http://www.cybersecurityaustria.at/CSA/HOME_... it%202.pdf

Eine ausserst fragwürdige Aktion!
Ich geh auch am liebsten zu den drei größten Supermärkten Österreichs einkaufen. Aber hier sollte die SPÖ alle Supermarktketten mit einbeziehen!
Heisst sozial nicht: alle beteiligen?
Ich kann Erich Kirchler nur zustimmen!

Als nächstes raten uns die Baufirmen, dass sich jeder seinen eigenen Luftschutzkeller/Atombunker/panic room baut.

Ehrlich gesagt, ich weiß ja nicht wies bei anderen aussieht, aber Essen und Wasser für ein paar Tage, Hygieneartikel, eine Hausapotheke sowie Kerzen oder Taschenlampen hab ich ohnehin immer zuhause vorrätig.

bis in die 90er musste man noch einen luftschutzkeller bauen (zumindest in tirol)
dient mir jetzt als kartoffellager;-)

Alles Paletti

was eventuell hilft:
1 Palette Sugo (Haltbar bis xx.2014)
1 Palette Reis vakuumverpackt (Haltbar bis xx.2014)
1 Palette Dosenlinsen (Haltbar bis xx.2014)
1 Palette Nudeln (Haltbar bis xx.2014)
2 Tonnen Holzbrickets.
Am Besten zu Großhandelspreisen.

Ein Holzofen mit Kochfeld, Hausbrunnen
eventuell manuelle Wasser-Filteranlage für Hygiene wäre auch ein holzbefeuerter Wasser-Boiler hilfreich.

Obige Bevorratung rechnet sich ohnehin allein durch die Preissteigerung bis 2014. Beim Großhändler eingekauft sowieso.

echt biliger Versuch, die Leute zum Konsum zu treiben!

das gilt für die weihnachtsfeiertage???

oder???

nein...

offenbar fliegt wieder ein akw in die luft, denn nach tschernobyl gabs auch solche aktionen...

und in 5 jahren wird jemand wegen irgenwas bei der REWE ermitteln.

und entdeckt wunder über wunder!!!
xxx.xxx euro ginden an die spö wien oder einen nahen verein oder im schlimmsten fall direkt an den harry.
im rahmen der aktion "einkaufen statt panik haben".
dann gilt aber auch für ihn die unschuldsvermutung.
ja und dann anwälte verhandlungen, jahre ziehen ins land und dass verfahren wird eingestellt.
der strache reibt sich die hände ... aber in 5-10 jahren sind eh die blauen an der regierung.
es ist traurig ... viele menschen über jahrzente für demokratie und freiheit in diesem land eingesetzt und gekämpft.
und eine bande von korrupten id***en unterminieren diesen staat.
es ist eine schande!!!

RWE macht atomunfall...

REWE macht profit mit hamsterkäufen.... oder so ähnlich...

Gute Sache! Wenn's euch nicht passt kauft nicht ein. Wenn ihr glaubt in Österreich seien keine Katastrophen welcher Art auch immer möglich, dann täuscht ihr euch gewaltig.

Sehr enttäuschend, dass Häupl so einen Schmarrn unterstützt. Bisher waren solche Aktionen eher den burgenländischen Punschkrapfen um LH Niessl vorbehalten (Assistenzeinsatz-bewaffnete Teenager in Wohnstraßen, geförderte Alarmanlagen, etc. etc.).

Widerlich, diese angstschürende Stimmungsheische - ist das das rote Pendant zum rassistischen Endzeit-Gebrabbel der FPÖ und der Sozialschmarotzer-Law and Order-Augenauswischerei der VP?

Auch noch proaktiv diffuse Katastrophenszenarien an die Wand zu pinseln hat wohl nix mit verantwortungsvoller Politik zu tun, sondern im schlimmsten Fall wohl eher mit selbsterfüllenden Prophezeihungen.

jaja

Auch in der Mathematik gibt es sich selbst erfüllende Prophezeiungen.
Man nennt sie Formeln.

das wars dann mit AAA, so wie es präll jun prophezeit hat

Ist ja nur für ein paar Tage!!

Es wird halt so sein, dass die Banken an einem Freitag geschlossen haben. Die Bürger bekommen kein Geld mehr und können sich kurzfristig nichts mehr kaufen. Die Banken werden dann erst frühestens Montag oder Dienstag wieder aufmachen.
Dann wird der Euro zwar nur noch ein drittel seines Wertes haben aber man kann wieder ganz normal Geld abheben und einkaufen. Es geht also nur um max. 5 Tage !!!!

und die bankomaten stellt man also ab?

das nennt man timing!

wie haben sie das angestellt?

Weihnachtsgeld für den REWE Konzern

wahrscheinlich kaufen die Leut' halt einfach sonst zu wenig.

Der größte Mangel ist ja der des Kapitals an Gewinn.

also ich find die performance von rot-grün in wien ja auch schlimm. aber deshalb gleich versorgungsengpässe zu befürchten ist doch ein bissl übertrieben.

Was für ein prachtvolles Doppelkinn unser Herr Burgamaster hat. Prost Michi !

Vorbildliches Reservekinn - Vorsorge für schlechtere Zeiten.

Wieder einmal eine Aktion einer Partei

die das hierzulande ausgeprägte 'Bunkerdenken' der Leute schürt um so Sympathien (und Stimmen) zu gewinnen. Abscheulich.

Vielleicht gibts ja dann auch bald eine Kampagne

gemeinsam mit Baufirmen und Waffenindustrie und dem Motto Bau Dir einen Bunker und lege einen Waffenvorrat an. In dem Bunker könnte man ja auch schön die gehorteten Essensvorräte lagern und nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums gegen neue Vorräte austauschen sonst stirbt man in der "Katastrophe" noch an einer Lebensmittelvergiftung. Ja was bei den Aktienmärkten geht, das klappt auch woanders, nämlich mit Panik und Angst "Gute Geschäfte" machen.

Die SPÖ BUrgenland - Hans NIessl könnte das sicher gute Infos zur Förderung von Alarmanlagen geben....
Unglaublich, das!

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