Angeklagter Roter-Khmer-Führer weist Schuld zurück

22. November 2011, 15:50
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Führungsspitze vor Völkermordtribunal in Phnom Penh

Phnom Penh - Vor dem Völkermordtribunal in Kambodscha hat der ehemalige Chefideologe der Roten Khmer keine Reue für die Verbrechen während der Schreckensherrschaft gezeigt. Die Anschuldigungen seien "unwahr", sagte Nuon Chea am Dienstag und wies jede Schuld von sich. Die Staatsanwaltschaft wirft der Führungsriege der Roten Khmer vor, volle Kontrolle über die gesamte Gesellschaft gehabt zu haben. Angeklagt sind neben Nuon Chea der ehemalige Staatschef Khieu Samphan und der ehemalige Außenminister Ieng Sary. Die Staatsanwaltschaft macht die drei hohen Vertreter des früheren Terrorregimes im Alter zwischen 80 und 86 Jahren verantwortlich für Massaker und Massenvertreibungen.

Nuon Chea versuchte sich am zweiten Verhandlungstag vor dem Gericht zu rechtfertigen: "Ich musste meine Familie verlassen, um mein Vaterland vor Kolonialismus, Aggression und Unterdrückung ... zu befreien." In seiner 90-minütigen Ansprache zeigte Nuon Chea, der Stellvertreter von Rote-Khmer-Anführer Pol Pot war, keinerlei Reue. Während der Zeit war Nuon Chea auch berüchtigt als "Bruder Nummer Zwei".

Zuvor hatte Staatsanwalt Andrew Cayley die drei Angeklagten als "Diebe" und "Mörder" einer ganzen Generation von Kambodschanern bezeichnet. Die drei Roten-Khmer-Führer hätten dem Land Jahrzehnte Entwicklung und Wohlstand geraubt und in jeder kambodschanischen Familie "klaffende Lücken" hinterlassen. Das Schlussurteil des Gerichts sei daher maßgebend für die Geschichte des Landes.

Unter den Roten Khmer kamen nach Schätzungen bis zu 2,2 der acht Millionen Einwohner ums Leben - durch Folter, Mord, Hungersnöte und Krankheiten. Prozesse gegen die Drahtzieher wurden jahrzehntelang verhindert: durch Machtinteressen im Kalten Krieg, die vietnamesische Besatzung Kambodschas, einen Bürgerkrieg und schließlich die Regierung von Ministerpräsident Hun Sen, der selbst ein Roter Khmer war. Bisher hat das Tribunal nur den Chef des berüchtigtsten Foltergefängnisses Toul Sleng, Kaing Guek Eav alias Kamerad Duch, verurteilt. Er bekam 35 Jahre, wegen prozeduraler Justizfehler reduziert auf 19 Jahre. Er hat dagegen Berufung eingelegt.

Die Regierung in Phnom Penh versucht mit allen Mitteln zu verhindern, dass das von den Vereinten Nationen mitgetragene Tribunal Ermittlungen gegen weitere ranghohe Vertreter des damaligen Regimes aufnimmt. Das hat zu erheblichen Verstimmungen geführt. Nach den Eröffnungsplädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung in dieser Woche beginnt am 5. Dezember die Beweisaufnahme. (APA)

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