Ehemalige Kommandanten sollen Ministerposten übernehmen - Regierungschef: "Ganz Libyen vertreten"
Tripolis - Drei Monate nach dem Sturz von
Muammar al-Gaddafi ist in Libyen eine neue Übergangsregierung
gebildet worden. Interimsregierungschef Abdel Raheem al-Keeb
(Abdurrahim al-Keib, al-Kib) stellte am Dienstag sein neues Kabinett
vor, in dem ehemalige Rebellenkommandeure Schlüsselressorts
erhielten. Die Übergangsregierung soll die Geschicke des
nordafrikanischen Landes bis zur Ausarbeitung einer neuen Verfassung
und freien Wahlen führen.
Verteidigungsminister wird demnach Osama Al-Juwali, der Chef des
Militärrates der Wüstenstadt Sintan. Seine Einheiten sollen den Sohn
des getöteten Ex-Machthabers Muammar Gaddafi, Saif al-Islam, gefangen
genommen haben. Auch das Innenressort wird ein ehemaliger
Rebellenkommandant übernehmen, Fawzi Abdel A'al (Fausi Abdelal) aus
Misrata. Die Stadt war im Aufstand gegen Gaddafi hartumkämpft.
Zuletzt hatte es geheißen, der Militärrat von Misrata sei nicht in
den Übergangsrat eingebunden und werde sich womöglich nicht an einer
Übergangsregierung beteiligen. "Ganz Libyen ist in der neuen
Regierung vertreten", sagte Keeb bei einer Pressekonferenz in der
Hauptstadt Tripolis.
Unbekannter Außenminister
Für Überraschung sorgte die Entscheidung über den künftigen Chef
im libyschen Außenamt. Dieses wird von Ashour Bin Hayal geleitet,
einer nahezu unbekannten Figur. Zuvor war erwartet worden, dass das
Amt an einen Diplomaten Libyens bei der UNO in New York geht, Ibrahim
Dabbashi, der sich früh zur Rebellion gegen Gaddafi bekannte.
Weitere bedeutende Ministerposten wurden mit Managern besetzt: Der
neue Finanzminister heißt Hassan Siglam, er war zuvor als Manager in
der libyschen Ölindustrie tätig. Auch der Öl-Minister kommt aus
dieser Branche: Abdulrahman Ben Jessa arbeitete für den italienischen
Ölkonzern ENI.
Es seien zwar alle Kabinettsposten vergeben worden, doch seien
nun erneut Diskussionen über einige der Minister entbrannt, hieß es
aus dem Umfeld des Übergangsrats. In der Ministerriege dominierten
säkulare Liberale, Islamisten hätten keine Schlüsselressorts inne.
Den Posten des Verteidigungsministers hatten ursprünglich die
Islamisten für sich beansprucht, etwa der ehemalige Kommandant der
Rebellentruppen in Tripolis, Abdel Hakim Belhadj.
Al-Keeb war Ende Oktober vom Übergangsrat, der das Land seit dem
Sturz Gaddafis führt, an die Spitze der Übergangsregierung gewählt
worden. Die Übergangsregierung soll die Geschicke des Landes bis zur
Ausarbeitung einer neuen Verfassung und freien Wahlen führen.
Gaddafi in gesundheitlich gutem Zustand
Der festgenommene Sohn des früheren libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi ist nach Angaben des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) in gesundheitlich guter Verfassung. Nach Angaben eines Sprechers der Organisation konnten IKRK- Mitarbeiter den im südwestlich von Tripolis gelegenen Sintan inhaftierten Saif al-Islam al-Gaddafi am Dienstag besuchen. Weitere Angaben wurden zunächst nicht gemacht.
Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag wirft dem Gaddafi- Sohn Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. Die neue libysche Führung hat angekündigt, ihm dennoch im eigenen Land den Prozess machen zu wollen. (APA/Reuters)