Kirche verkauft wegen Erotik-Literatur deutschen Weltbild-Verlag

22. November 2011, 13:02
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Papst hatte sich Kritik konservativer Kreise angeschlossen

Nach einer heftigen kircheninternen Debatte um den Verkauf von Erotik-Literatur will sich die katholische Kirche in Deutschland vom Augsburger Weltbild-Verlag trennen. Ein Verkauf des hinter Amazon zweitgrößten Buch-Versandhändlers Deutschlands solle "ohne jeden Verzug" in die Wege geleitet werden, teilte der Verband der Diözesen Deutschlands am Dienstag in Bonn mit.

Vorausgegangen waren am Montag Beratungen der Deutschen Bischofskonferenz in Würzburg. Die Kirchenvertreter werfen der Geschäftsführung des Weltbild-Verlags laut der Stellungnahme vor, dass sie der Glaubwürdigkeit der Kirche geschadet hätten. Es sei Weltbild nicht gelungen, den Verkauf von Medien zu unterbinden, die den ideelen Zielen der Kirche widersprächen.

Erklärung

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder vor allem aus konservativen katholischen Kreisen Kritik an Weltbild, weil es dort auch weltliche Literatur aus dem Erotik- und auch Esoterikbereich zu kaufen gab mit Titeln wie "Schlampen-Internat" oder "Anwaltshure". Trotz einer Erklärung von Weltbild, keine Porno-Literatur zu verkaufen und nur in verschwindendem Ausmaß Erotik-Literatur, hatte diese Kritik in den vergangenen Wochen deutlich an Dynamik gewonnen, bis schließlich Papst Benedikt XVI. ein schärferes Vorgehen der deutschen Bischöfe forderte.

Der Papst mahnte, dass es an der Zeit sei, die "Verbreitung von Material erotischen oder pornografischen Inhalts, gerade auch über das Internet, energisch einzuschränken". Am Wochenende forderte zudem der Kölner Kardinal Joachim Meisner eine klare Trennung von Weltbild.

buecher.de

Der Verlag, der auch Anteile an Buchketten wie etwa Hugendubel und Wohlthat hält und zu dem die Vertriebsmarken Weltbild, Jokers, KIDOH und buecher.de gehören, setzte zuletzt fast 1,7 Milliarden Euro im Jahr um. Damit ist Weltbild in Deutschland der zweitgrößte Online-Buchhändler hinter Amazon und der drittgrößte Versandhändler Deutschlands.

Wie das Unternehmen in Augsburg mitteilte, forderten die Gesellschafter Weltbild auf, trotz der nun bekannten Verkaufsabsicht alles für den Erhalt des Unternehmenswerts zu tun. Außerdem sollten "kirchliche und soziale Implikationen" beim Verkauf des Unternehmens mit seinen 6400 Beschäftigten eine Rolle spielen. (APA)

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