Übergangsparlament in Tunis

22. November 2011, 20:54

Proteste gegen Islamistenpartei Ennahda

Tunis/Madrid - Tunesien hat erstmals gewählte Institutionen. Zehn Monate nach dem Sturz des Diktators Zine el-Abidine Ben Ali und einen Monat nach den ersten freien Wahlen konstituierte sich am Dienstag die 217 Abgeordnete starke Verfassunggebende Versammlung. Die drei führenden Parteien - die islamistische Ennahda (89 Sitze), die Mitte-links-Partei Kongress für die Republik CPR (29) und die sozialdemokratische Ettakatol (20) - hatten sich im Vorfeld über die Aufteilung der wichtigsten Posten für die Übergangsphase bis zur Verabschiedung einer neuen Verfassung verständigt.

Ennahda-Generalsekretär Hamadi Jebali wird Premier, Ettakatol-Chef Mustapha Ben Jaafar Parlamentspräsident und Moncef Marzouki Staatspräsident. Damit stehen den neuen Institutionen drei ehemalige Oppositionelle vor. Der 62-jährige Ingenieur und Journalist Jebali verbrachte 16 der 23 Jahre unter Ben Alis Herrschaft im Gefängnis. Der Arzt und Menschenrechtsaktivist Marzouki (66) lebte zehn Jahre im Exil. Ben Jaafar (71) - ebenfalls Mediziner - gehört zu denen, die im Land in der geduldeten Opposition tätig waren. Die drei Parteien wollen, dass die neue Verfassung in spätestens einem Jahr in Kraft tritt und dass dann neu gewählt wird.

Die Abgeordneten wurden von mehr als 1000 Demonstranten empfangen, die Respekt vor der Gleichstellung der Geschlechter und der Meinungsfreiheit forderten. Die Demonstranten - viele von ihnen Frauen aus verschiedenen Verbänden und fortschrittlichen Parteien sowie der großen Gewerkschaft des Landes, der UGTT - werfen den Islamisten unter Jebali Doppelzüngigkeit vor. Nach außen hin gebe sich Ennahda moderat, gegenüber den eigenen Anhängern radikal. Entsprechende Äußerungen Jebalis hatten zuletzt die Befürchtungen bekräftigt, Ennahda könne einen religiösen Staat anstreben. (Reiner Wandler/DER STANDARD, Printausgabe, 23.11.2011)

Notion
00
23.11.2011, 07:36
Und das Ergebnis findet sich hier:

So wie es sich nach dem Ausschluss der Al Aridha, die etwa 20 Sitze errungen hätte, nun darstellt:

http://dataviz.fhimt.com/resultats... nisien/742

Notion
00
23.11.2011, 07:24
Mal ein Beispiel...

...zu den Befürchtungen, damit das klarer wird, dass es nicht nur um persönliche Meinungen geht: Einerseits gibt die (En)Nahdha bekannt, dass sie die Gleichberechtigung nicht antasten werden, andererseits spricht sie davon, dass der "Skandal" der späten Heirat beendet werden muss. Es ist halt eine national-religiöse Partei und man kennt solche "Doppeldeutigkeiten" ja auch von einigen katholischen Bischöfen und weiß sie leider einzuordnen.

masaru tak
91
22.11.2011, 13:14

die paar "säkularen" in tunis
(schöne umschreibung für eine bande die jahrzente vetternwirtschaft und systematische folter betrieben hat)

sollten sich nicht zu sehr ausm fenster lehnen, das volk hat ihnen eine klare abfuhr erteilt.

wo ist eigentlich ein klares ergebnis der wahlen? nirgendwo ist was zu finden wieviel prozent genau welche partei bekommen hat.

die islamisten haben über 40% danach kommt die nächste partei mit 14% und darunter sind auch noch einige islamische parteien.

die tunesier wollen keinen laizistischen, säkularen staat das haben sie mit ihrer wahl zum ausdruck gebracht.

tubu99
00
22.11.2011, 18:44

Sie sollten froh sein, das es wenigstens ein paar "säkulare" gibt. Religion hat in der Politik nichts verloren.
Religionsmärchen kann sich jemand selber aufschwatzen, hat damit aber andere gefälligst in Ruhe zu lassen.
Wer nichts weiß muß glauben...

tubu99
01
22.11.2011, 15:47

ich schätze das über 70% der Leute die vorher im Regime tätig waren (natürlilch keine öffentlichen Personen sondern Leute die in der 2. bis 3. Reihe und tiefer politisch arbeitetet) auf den jetzten Sesseln wieder kleben.
Und was aus den 80.000 Geheimdienstpolizisten geworden ist und was die jetzt tun ?
Die hab ich oft dabei erkannt, wenn sie mich (als Saharatouristen am Marktplatz Douz) stümperhaft beim Gespräch mit einem Einheimischen versucht haben zu belauschen.
Uappetitiliche Typen waren das...
Demokratie ist nach einer so langen afrikanischen Diktatur in 2-3 Generationen langsam möglich.
Und das ist auch nicht in den Köpfen der jetztigen Entscheidungsträger...

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