Woher Faymann seine falschen Facebook-Freunde bekam

22. November 2011, 18:30
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Anbieter, die gegen Bezahlung Fans auf sozialen Netzwerken vermitteln, boomen - Viele Freunde kommen aus Osteuropa

Laut den Richtlinien von Facebook ist es verboten, falsche Accounts zu gründen oder das eigene Profil für kommerzielle Zwecke zu nutzen. Dazu gehört natürlich auch der Verkauf oder Kauf falscher Fans. Trotzdem reicht schon der kurze Einsatz einer Suchmaschine, um genau dazu unzählige Angebote zu finden. Ob tausend oder hunderttausend Freunde, gegen Bezahlung ist einiges möglich.

Faymann "Opfer" falscher Freunde

Wie derStandard.at berichtete, bezahlte ein unbekannter Gönner 1.000 zusätzliche Fans für Bundeskanzler Werner Faymann auf Facebook. Faymanns Facebook-Team erwähnte bei der Bekanntgabe der nicht-gewünschten Fans einen ebay-Händler aus Deutschland, bei dem 1.000 Fans um knappe 100 Euro und 100.000 Fans um etwa 2000 Euro angeboten werden. Ebenfalls auf ebay sind 1.000 Fans auch um durchschnittlich 40 Euro zu haben, also 4 Cent pro neuer Online-Bekanntschaft.

Großes Angebot an Fan-Händlern

Wenn man auf das große Angebot im Internet blickt, scheinen Anbieter, die gegen Bezahlung Fans auf sozialen Netzwerken vermitteln, zu boomen. Der Preis für 1.000 Fans variiert dabei bei den meist amerikanischen Seiten mit "Fan-Angeboten" stark: Die Palette reicht von 140 Dollar bei "usocial", 128 Euro bei "Cyburious", bis zu 57 USD bei einer Seite namens "Buy real friends and likes". Durchgehend wird dabei mit "realen Fans" geworben, in diversen Foren taucht jedoch der Verdacht auf, die Fans würden mit gehackten- oder Fake-Accounts generiert. Das dahinterstehende Prinzip ist einfach: Mit falschen Namen und Gesichtern werden eigene Facebook-Profile gegründet, die dann als Fans, Freunde und Kommentatoren an die Betreiber der Seiten verkauft werden.

Der Fan-Händler Frank Mach sagt im Gespräch mit "DerWesten", dass er die Fans seinerseits von einem anderen Anbieter erwerbe, um diese Leistung dann weiterzuverkaufen. „Das ist eine typische Agenturleistung.“ Der Anbieter wiederum verfüge über viele Kontakte, also Fans, denen er die Seite des Käufers weiterempfehle. Viele Fans kämen aus Osteuropa. „Es gibt wohl auch eine Software, die diese Klicks generieren kann, aber das ist illegal“, fügt er hinzu. 

Nutzen zweifelhaft

Niko Alm von der Wiener Social Media Agentur Super-Fi, bezweifelt den tatsächlichen Nutzen dieser Praktiken. Er könne sich auch nicht vorstellen, dass es üblich wäre, Freunde für Social Media Auftritte zu kaufen: "Es ist zu leicht zu entlarven. Ohne Interaktion auf die Postings nützen die Fans nicht." Natürlich könne auch die Interaktion gefälscht werden, aber dann würde es schon sehr aufwendig, so Alm weiter. Daher glaube er auch nicht, dass die 100.000 Fans von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache gekauft wären, da die Zahl der Likes und Kommentare auf dessen Seite viel zu hoch sei. Nachprüfen könne man das laut Alm aber gar nicht. "Außer Facebook haben bestenfalls ein paar US-Behörden Zugriff auf die Daten." (derStandard.at, 22.11.2011)

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