Nach Berlakovich-Sager

Grüne pochen auf Autofahrverbote und Tempolimits

22. November 2011, 12:24
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    foto: standard/urban

    Die Luftreinhaltung sei Ländersache, erklärte Umweltminister Berlakovich.

Umweltminister fühlt sich nicht zuständig, Grüne wollen Krisengipfel zwischen Bund und Ländern

Die extrem hohen Feinstaubwerte haben Umweltorganisationen veranlasst, den Umweltminister zum Handeln aufzurufen. Doch Nikolaus Berlakovich erklärte sich im Ö1 Morgenjournal für "nicht zuständig": Die Luftreinhaltung sei Ländersache, so Berlakovich. Er habe seinen Beitrag mit der Erstellung des "Immissionsschutzgesetz (IG) Luft" geleistet. Mehr könne er gegen die Feinstaubbelastung nicht tun.

Berlakovich vergleicht das "IG Luft" mit einem Werkzeugkoffer, aus dem sich jedes Bundesland die sinnvoll erscheinenden Maßnahmen wie Tempolimits, weniger Winterstreudienste oder Fahrverbote herausnehmen müsse. "Hier müssen die Bundesländer einfach konsequenter sein", so Berlakovich.

Grüne: Feinstaub-Krisengipfel zwischen Bund und Ländern

"Die bisherigen Maßnahmen auf Bundes- und Länderebene zur Feinstaubbekämpfung sind offenbar nicht ausreichend", kritisiert die grüne Umweltsprecherin Christiane Brunner. Angesichts der alarmierend hohen, gesundheitsgefährlichen Feinstaubbelastung in Österreichs Ballungsräumen unterstützt die Umweltsprecherin die Forderung des Grünen Umweltlandesrates Rudi Anschober nach einem Feinstaub-Krisengipfel zwischen Bund und Ländern. "Bei einem Krisengipfel sollen ohne Tabus einerseits wirksame Maßnahmen festgelegt werden, um die Feinstaubbelastung mittelfristig zu senken und andererseits in akuten Belastungsphasen wirksame Notmaßnahmen umgesetzt werden", so Brunner.

Die Grünen fordern weiter einen Stopp geplanter Autobahnausbauprojekte und einen massiven Ausbau des öffentlichen Verkehrs. Brunner: "Minister Berlakovich kann sich nicht zurücklehnen, es sind Bund und Länder gefordert. Daher braucht es einen gemeinsamen Krisengipfel."

Auch Grünen-Chefin Eva Glawischnig sieht im aktuellen derStandard.at-Chat ein Zuständigkeitsproblem: "Feinstaub ist gefangen in einem Ping-Pong des Föderalismusdschungels. Berlakovich schiebt die Schuld auf die Länder, in den Ländern gibts teilweise Bemühungen, teilweise Blockade wie beim steirischen FPÖ-Landesrat Kurzmann, der Umweltzonen in Graz blockiert." Glawischnig spricht sich für ganz konkrete Umwletmaßnahmen aus: "Ich bin für Fahrverbote und Tempolimits, wenn die Belastung hoch ist. Wer einmal einen Asthmaanfall eines Kindes erlebt hat, sieht das auch so."

AK: Minister darf Verantwortung nicht allein auf Länder abschieben

Auch die Arbeiterkammer reagierte am Mittwoch auf die aktuelle Debatte rund um die Feinstaub-Belastung. "Der Landwirtschaftsminister hat bei der Bekämpfung von Feinstaub seine Hausaufgaben noch lange nicht gemacht", sagt AK Umwelt-Experte Franz Greil. Das erst kürzlich novellierte Imissionsschutzgesetz Luft sehe vor, dass der Landwirtschaftsminister mehrere Verordnungen vorlegt, um konkrete Feinstaub-Reduktionen zu erzielen, "bis heute ist aber nichts geschehen".

Greil: "Mein Eindruck: Der Minister nimmt zu viele Rücksichten auf die Interessen der Bauern und der Unternehmen und vernachlässigt darüber die Feinstaubbekämpfung und damit die Gesundheit der Menschen in Ballungsräumen."  Die AK drängt vor allem auf eine Verordnung, die die Feinstaub-Emissionen von Off-Road-Fahrzeugen wie Baumaschinen einschränkt. Auch eine Verordnung, die die Feinstaubbildung von Biogasanlagen behandelt, stehe noch aus, so Greil.

VCÖ fordert Umweltzonen gegen "Giftcocktail"

Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) wiederholte am Dienstag seine Forderung nach einer raschen Einführung von Umweltzonen in Graz und Wien. Laut einer Untersuchung des VCÖ gibt es Umweltzonen bereits in mehr als 170 europäischen Städten. "Wer an Tagen wie diesen in der Stadt mit dem Auto im Stau steht, steht in einer Abgaswolke und atmet einen regelrechten Giftcocktail ein", so VCÖ-Sprecher Christian Gratzer.

Auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace sprach sich für Umweltzonen und den Stopp neuer Straßenbauprojekte aus. "Was wir seitens der Politik dringend brauchen, sind nicht die vielen leeren Worte, die bereits gesprochen wurden, sondern schnell wirksame Maßnahmen und gleichzeitig eine Verkehrspolitik, die darauf abzielt, den Autoverkehr zu verringern", so Jurrien Westerhof, Klima- und Energieexperte von Greenpeace. (red/APA), derStandard.at, 22.11.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 994
svenari
00
die strafzahlungen an die EU sind bundessache

fadenscheinige ausrede unseres bundesumweltministers. die strafzahlungen an die EU sind bundessache; insofern sollte auch die regulierung zumindest vom bund MITgeregelt werden.
herrn berlakovichs maßnahmen zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie gut klingen, und verantwortung weiterleiten. man könnte meinen, es wäre in seinem interesse, dass alles aus dem ruder läuft.
http://stille-nacht.eu.tc

Jan Sommer
09
24.11.2011, 08:20
Da wird gelogen und verbogen was nur geht! Die Raffinerie Schwechat

rühmte sich schon 2006/7, dass sie, per Filteranlagen, nur noch die Hälfte von Feinstaubvorläufersubstanzen in die Luft bläst, nämlich 3.800 Tonnen (= 50%)!

Also: ein netter Teil der anderen 3.800 Tonnen gehen bei schlechter Wetterlage über Wien nieder.

Die Stadt Wien selbst bestätigt, dass ein Fahrverbot für ältere LKW maximal 1,9 Tonnen Feinstaub

- im Jahr -

(angebl.) einsparen würde.

Jetzt durch 365 teilen und den Fahrverbotsfanatikern und "maximal Fahrradgeschwindigkeit ist menschlich" Aposteln um die Ohren schlagen!

Über die Müllverbrennungsanlagen im Stadtgebiet wird sowieso eisernst geschwiegen!

Interessant, wie rasch manche Ideologien ganz normales Nachdenken verdrängen können.
js

luke skywalker
24
3.12.2011, 17:36
Hab mal etwas gegoogelt

Und es scheint so, dass jede erzeugte KWh Strom aus einem Kohle-KW so um die 0,1g Feinstaub freisetzt (trotz Filter, ..).

Unsere "hochgelobte" Eisenbahn gibt an, so um die 13 KWh Strom für 100 Passagier-km zu verbrauchen.
Das wären also (sofern der Strom aus Kohle-KW käme) ~0,013g (oder 13 mg) Feinstaub pro Passagier-km.

Zum Vergleich: Der Partikelgrenzwert eines Euro4-Diesel (also Diesel ohne !! zwingenden Partikelfilter) liegt bei 25mg, Euro5 Diesel bei 5mg/km.

Und hier möchte ich behaupten: Der Wasserkraftschmäh der ÖBB ist Volkverblödung pur. Weil würde die ÖBB nicht fahren, könnten man deren Strom ins Netz einspeisen, kalor. KW könnte man herunterfahren. Jede KWh die Öffis zusätzlich brauchen, wird daher irgendwo kalor. erzeugt.

fasziniert
02
25.11.2011, 18:47
Der Flugverkehr der über den Flughafen Wien abgewickelt wird, setzt 60 t Ultrafeinstaub aus Verbrennungsprozessen pro Jahr frei

Jan Sommer
13
25.11.2011, 19:08
... und kein GRÜNERINNEN macht darüber den Mund auf,

außer bei der Forderung zur Besteuerung von Flugbenzin.

Also sind auch die längst der Abkassierermentalität zum Opfer gefallen.
js

Der ewig überraschte Wen
04
24.11.2011, 17:02
Schlussfolgerung aus Ihrer Info

alle Raffinerien weltweit schließen - und Schluss ists mit dem Feinstaub.

Noch dazu, weil dann auch KEIN KFZ mehr fährt.

Positiver Nebeneffekt - das CO2 Problem sind wir dann auch gleich los.

Jan Sommer
00
24.11.2011, 21:51
;-)

js

Isildur
510
23.11.2011, 19:23

Nur Öko-Freaks, Vegetarier, Linke und Veganer wählen die Grünen!

Die reiten zu ihrer Arbeitsstelle!!!

(°)(°)
18
24.11.2011, 02:13

Glaubst die vergeuden ihre kostbare Lebenszeit mit Arbeit?

MA_dam
08
23.11.2011, 14:21
Laut Studie emittieren die Schienenfahrzeuge der Wiener Linien jährlich 482 Tonnen Feinstaub. Der Straßenverkehr 535 Tonnen. Gemäß Hochrechnung verursachen die ÖBB 4817 Tonnen PM10. Das sind mehr als zehn Prozent der österreichischen Gesamt-Emissione

Stephan W.
00
9.12.2011, 00:12

Ich hab's leider noch nicht auf die TU oder das Institut geschafft, aber ich hab zumindest einen sehr interessanten Kommentar zu dieser Arbeit gefunden (offenbar von DI Roman Pongracz von den WiLi, der Herrn Hiebner bim Verfassen der Diplomarbeit unterstützt hat): http://kurl.de/uyanok - beleuchtet natürlich nur einen Teilaspekt der Arbeit, aber wenn man das mal als groben Qualitätsmaßstab sehen möchte wirft das kein allzu gutes Licht.
Ich werde mich aber weiter bemühen ein Exemplar davon zu ergattern - jetzt interessiert's mich schön langsam selber :-)

Stephan W.
00
23.11.2011, 23:53

Ich suche immer noch einen Link zu dieser Studie. Aber wie's aussieht gibts die nicht online, muss wohl mal in die TUB schauen (X. Hiebner: "Feinstaub PM10 aus dem Schienenverkehr"; Institut für Verbrennungskraftmaschinen und Kraftfahrzeugbau, 2007 - interessantes Thema für einen Motorenbauer...)

Ich weiß allerdings immer noch nicht, wieviel Bremssand die Wiener Linien insgesamt überhaupt einsetzen. Lt. dem ÖVK (österr. Verein für Kraftfahrzeugtechnik, also ebenfalls voll kompetent in Sachen Schienenverkehr) sind es 1700t pro Jahr. D.h. fast 1/3 davon soll bis zu PM10 zermahlen werden? Wenn man sich nach Vollbremsungen die Schienen anschaut stellt man fest, dass ein Großteil des Sandes _unzermahlen_ daneben oder in der Rille liegt...

R. Lexer
01
8.12.2011, 20:31

Die Hiebner-Arbeit kann man wohl fast unter Junk Science abhaken. Nachvollziehbar ist da kaum was.

El Bulli
18
23.11.2011, 15:14

ja aber das ist guter feinstaub, weil von öffis. unterschied: böser feinstaub kommt von autos!

luke skywalker
20
3.12.2011, 17:41
Das wird mit dem Strom für E-Fahrzeuge auch so werden

Die ÖBB braucht laut eigenen Angaben so um die 13KWh Strom pro 100 Passagier-km.
Ein E-Fahrzeug bräuchte auch kaum mehr.

Aber: man wird uns dann klarlegen, dass der Strom für das E-Fahrzeuge "böse" ist - weil aus Kohle-KW.

Wohingegen der Strom für die Eisenbahn ja "grüner" Wassserkraftstrom sei.

Jan Sommer
03
23.11.2011, 13:51
Ohne Regen wird immer derselbe Feinstaub erneut gemessen.

js

Keke88
14
23.11.2011, 13:02
Tempolimits ?

Ha, super.
In 30 Zonen nur noch 15 und auf den Bundesstrassen
70 statt 100. Ja auf den Autobahnen auch gleich 70
und aus.
So könnte ich mir die Österr. Lösung vorstellen. A Schas.

Jan Sommer
00
23.11.2011, 13:45
Keine Lösung - so löst man das Problem eben gar nicht!

js

schniggschnagg
 
12
23.11.2011, 12:13
Tempolimits!

Genau! Aber davor bitte so wie andernorst brav die Autobahnen auf 4 Spuren verbreitern, damit's doppelt soviel Spaß macht mit 100 drüberzugurken!

Wieso erhöht man denn nicht die Steuern auf CO2-Sünder (Autos, Fabriken etc) statt sich über LIMITS Gedanken zu machen. Gilt das Limit mit der Ausrede "Feinstaub" dann auch für Elektrofahrzeuge?! Jede Wette - weil unterm Strich geht's ums Abkassieren!

(°)(°)
03
24.11.2011, 02:21
"Wieso erhöht man denn nicht die Steuern...!

Brillante Idee!

Wenn Auto fahren endlich so teuer ist dass es sich kaum mehr wer leisten kann werde ich von Wien in den Fontana Park nach OWD ziehen, weil dann kann ich täglich in 10 Minuten von der Auffahrt Traiskirchen im Büro im Zentrum sein.

Automobile sollten wirklich uns Leistungsträgern vorbehalten sein.
Der Pöbel kann sich ja am Steuer eines LKW verdingen wenn er sich nach einem KFZ sehnt.

curieux
15
23.11.2011, 11:45
Hat jemand (VCÖ, Grüne, ...) schon über Kerzen nachgedacht?

http://www.videoportal.sf.tv/video?id=... 2bb203d558

http://www.rauchernews.de/news/2008... igaretten/

http://www.gesund-magazin.de/links/feinstaub

http://www.gesund-magazin.de/artikel/f... -und-kamin

Auch Holzheizungen / Kachelöfen sind nicht zu verachten.

Nicht vergessen: Eine Kerze im Wohnzimmer erreicht nach etwa einer Stunde den Grenzwert!

Manahmanah
60
23.11.2011, 12:59

Keine Sorge, der Anteil der Kerzen an der derzeitigen Feinstaubbelastung der Außenluft ist vernachlässigbar.

curieux
01
23.11.2011, 14:58
Richtig!

habe ich auch nie behauptet.
Wie lange halten Sie sich jetzt draussen auf und wie lange sitzen Sie im Wohnzimmer beim Kaminfeuer oder bei einer Kerze.
Die Dekoration vom Badezimmer mit 10 - 20 Kerzen ist ja eher Frauensache, aber vielleicht sind Sie eine?

Natürlich haben Sie Recht. Ich MUSS mir im Wohnzimmer keine Kerze anzünden.

Manahmanah
00
23.11.2011, 16:13

Ich halte mich selbst definitiv länger draussen auf als bei Kerzenlicht oder Kaminfeuer (habe keinen Kamin und Kerzen leuchten bei mir alle heiligen Zeiten). Meiner Abschätzung nach, ist das bei den meisten Menschen so.

Sie haben aber recht, gerade in der Gesundheit beeinträchtigte Menschen oder in den Zeiten belastender Außenwerte kann das Wissen darum hilfreich und wertvoll sein.

Mit dem VCÖ hat das nichts zu tun, er ist ja schließlich ein Automobilclub, sorgt sich also um den Beitrag des Verkehrs.

Bleibt noch eine Frage, warum hängen sie den Kerzengebrauch in privaten Räumen an einer, noch dazu an einer einzigen politischen Partei auf?

curieux
00
23.11.2011, 16:51
Ich hänge nichts und niemanden auf.

Aber wie ist der Titel des Artikels?

"Grüne pochen auf Autofahrverbote und Tempolimits".

Lesen, bitte!

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