Umweltinstitut verhängt 50 Millionen Reais Strafe - Konzern übernimmt "volle Verantwortung"
Rio de Janeiro - Der US-Konzern Chevron hat erstmals eine Schätzung
über die Gesamtmenge des vor der brasilianischen Küste ausgetretenen Öls
abgegeben. Demnach sollen seit Bemerken des Lecks am 7. November insgesamt 2.400
Barrel (mit je 159 Litern) Öl ins Meer entwichen sein, was einer Menge von
381.600 Litern entspricht. Diese Zahlen nannte am Montag der Präsident der
Chevron-Niederlassung Brasilien, George Buck, in Rio de Janeiro. Andere
Schätzungen gehen von höheren Mengen aus.
Das brasilianische Umweltinstitut IBAMA verhängte unterdessen am Montag eine
erste Strafe gegen Chevron in Höhe von 50 Millionen Reais (20,5 Millionen Euro).
Möglicherweise kommen aber noch höhere Forderungen auf den Konzern zu. Der
Umweltminister des Teilstaates Rio, Carlos Minc, kündigte bereits an,
Reparationszahlungen wegen der Schäden an Flora und Fauna einzufordern.
Für diese Woche wird zudem ein Bericht der Nationalen Erdölagentur (ANP) mit
konkreten Zahlen über die Menge des ausgetretenen Öls erwartet. Nach bisherigen
Schätzungen der Agentur traten mehrere tausend Barrel Öl aus im Ölfeld "Frade"
im Campos-Becken rund 370 Kilometer nordwestlich Rio de Janeiros aus. An dem
Feld hält Chevron die Mehrheit der Anteile.
Buck betonte erneut, der Konzern übernehme die "volle Verantwortung" für den
Vorfall. Das an den Probebohrungen beteiligte Unternehmen Transocean habe keine
Mitschuld. Die in der Schweiz ansässige Firma war durch die Umweltkatastrophe im
Golf von Mexiko in die Schlagzeilen geraten.
Der BP-Konzern hatte damals von Transocean die Bohrinsel "Deepwater Horizon"
geleast, deren Explosion im April 2010 die größte Umweltkatastrophe in der
US-Geschichte auslöste. Damals waren über Monate hinweg 780 Millionen Rohöl ins
Meer geflossen. (APA)