Bundeshymne

Wenn Genderchöre jubelnd Treue schwören

Kommentar der anderen | Ludwig Laher, 21. November 2011, 19:15
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    foto: apa/krugfoto

    Große Töne bei der Eröffnung der Bundesligasaison mit Nadine Beiler. Statt der ursprünglich geplanten Reform-Hymne entschied sich der ÖFB im letzten Moment doch für die traditionelle Version. Den Brüdern im Hintergrund blieb das Umlernen - vorerst - erspart.

Über die Peinlichkeit einer Gesetzesvorlage, die zur Hymne zu werden droht und heute in der vorerst letzten Reformversion - Brüder raus, Töchter und Jubel rein -, den Verfassungsausschuss passieren soll - Von Ludwig Laher

Gerhard Zeillinger hat an dieser Stelle jüngst auf die peinliche Diskussion rund um eine frauengerechte Bundeshymne verwiesen. Genützt hat es nichts, das Parlament hält Kurs und schreibt um. Hier also ein neuer Versuch, bevor die Peinlichkeit endgültig Gesetz wird.

Keine Frage, der Text der österreichischen Bundeshymne ist nicht zeitgemäß. Er war im übrigen auch nicht zeitgemäß, bloß zeitgeistgemäß, als Frau Preradovic ihn zu Zeiten der Restauration gleich nach der letzten Barbarei verfasste: In den Kriegsjahren war die Arbeitskraft der gewöhnlichen Frau unverzichtbar, beim Aufräumen der Trümmer danach ebenfalls. Und dann erst, je nach Vorliebe, die Angelika Kaufmanns, Bertha von Suttners, die Ebner-Eschenbachs, Schütte-Lihotzkys, Hedy Lamarrs usw. Die Hymne aus der Feder einer Frau kommt ganz ohne sie aus. So weit, so schlecht.

Jetzt wird an den hehren Versen ausschließlich unter dem Banner des Gender Mainstreaming herumgebastelt. Nur: Wir sind auch sonst aus diesem Text herausgewachsen, er kleidet uns nicht mehr. Wieso liegt Österreich zum Beispiel "heiß umfehdet, wild umstritten dem Erdball inmitten"? Wieso soll ich "gläubig in die neuen Zeiten schreiten"?

Gender Mainstreaming heißt oft genug lediglich, vor allen anderen Inhalten die Augen fest verschließen, Hauptsache, die Frauen werden genannt oder wenigstens die Männer aus einem Text reklamiert. Aber was ist gewonnen, die "Brüderchöre" einfach durch "Jubelchöre" zu ersetzen? Die tun nämlich etwas, die Brüder, ab sofort auch die Schwestern, einig schwören sie dem Vaterland, nicht dem Mutter- oder Elternland, Treue. Und ab sofort jubeln sie dabei. Warum bitte? Treueschwüre haben stets etwas Pathetisches, jede Angelobung von Soldaten, jedes Gewinsel eines ertappten, reuigen Seitenspringers sind untrügliche Beweise dafür. Was gibt es da zu jubeln? Ist eine Situation erstrebenswert, in der Treueschwüre für das Vaterland von Begeisterungsstürmen begleitet werden? Ich für meinen Teil fürchte mich davor.

Doch mit der tatsächlichen Bedeutung ihres parlamentarischen Dichtungsergusses haben sich seine Schöpferinnen und Schöpfer, da wette ich darauf, überhaupt nicht näher auseinandergesetzt. Die Chöre jubeln aus einem einzigen banalen Grund: Man/frau brauchte zwei Silben für die hinausgeschmissenen Brüder, weil die Hymne blöderweise auch eine Melodie hat. Ebenso hätten sich die Abgeordneten auf "Kinderchöre", "Trauerchöre", "Schunkelchöre" einigen können.

Die "Töchter und Söhne" der ersten Strophe reiben sich dagegen ziemlich an der musikalischen Vorlage. Die Zusatzsilbe "und", eingefügt in einen früheren Entwurf, um "Töchtersöhne", also männliche Enkel, auszubremsen, wird in der Praxis wahrscheinlich zu "Töchtrundsöhne" führen. Wunderbar.

Wenn man/frau wo rauswächst, an Umfang zulegt, wird gewöhnlich ein neues Kleidungsstück fällig. An einem veralteten, mäßig gelungenen Text kann, darf nicht herumgeflickt werden. Entweder er bleibt, wie er ist, oder er muss abgeschafft, ersetzt werden. Absurd, 1. Kor., 14, 34 umzuschreiben und Paulus ab sofort fordern zu lassen, die Frauen mögen in der Kirche reden statt schweigen.

Allgemeine Bewusstlosigkeit

Mit Recht stößt sich die IG Autorinnen Autoren an den "Jubelchören", die Kritik hätte allerdings grundsätzlicher ausfallen dürfen: Was nützt ein Bewusstsein für die Anliegen der Frau ohne ein übergeordnetes grundsätzliches, nämlich zu bedenken, dass Wörter wie Taten Konsequenzen haben? Wenn ein Parlament mit großer Mehrheit Verse umschmiedet, scheinbar brave "Jubelchöre" statt der bösen "Brüderchöre" Treue schwören lässt, zeugt das nicht von Bewusstsein für die Gleichwertigkeit der Geschlechter, sondern von allgemeiner Bewusstlosigkeit. (Ludwig Laher, DER STANDARD, Printausgabe, 22.11.2011)

Der Autor, Jg. 1955, gelernter Germanist und Anglist, lebt als freier Autor in St. Pantaleon, Oberösterreich. Zuletzt erschien sein Roman "Verfahren" (Haymonverlag 2011) .

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silverfinger
00
23.11.2011, 12:49
Frage an alle:

wie ist das eigentlich mit den Autorenrechten? Kann ein Text einfach so verändert werden .. wem gehört der Text der Hymne ... der Republik?

pox vobiscum
01
23.11.2011, 09:23

Bitteschön, ich weiß was!
Österreich liegt nicht dem Erdball inmitten, sondern dem Erdteil, und auch das ist geographisch nicht ganz korrekt, aber man hat den russischen Teil Europas sicher einfach ignoriert, der war ja damals irgendwie nicht pc.

Challenger
01
22.11.2011, 19:59

Jeder assoziiert mit dem Donauwalzer Österreich, also warum nicht der Donauwalzer als Hymne?

Text - ohne Worte. Sieht man sich die Töchter und Söhne der alten Hymne so an, dann verschlägt es einem sowieso die Sprache.

Standard deviation
01
23.11.2011, 09:25
Eher den Radetzkymarsch!

"In Deinem Lager ist Österreich!"

Franz Grillparzer

Bodo Steinbrech
00
23.11.2011, 15:04
eigentlich war ich ja schon dabei

"Jede Melodie ist besser, als die jetzige" zu schreiben ... dann fielen mir aber die Umptata, Almhüttngaudi, Jodldodl, Triefschnulzen, .... Fraktionen ein ....

OK - fast jede Melodie ist besser!
Und vor allem KEIN Text! Wird eh immer falsch gesungen.

Donauwalzer und Radezkymarsch sind ja leider schon an das Neujahrskonzert vergeben - aber es gibt ja noch anderes - auch bei den Strauß.

Und BITTE nicht "Ei äm fromm Austriha"!
Wenn schon, dann Tango Korrupti - wär allerdings zu ehrlich ;)

Mike 23
12
22.11.2011, 19:43
Verstehe die Aufregung nicht ganz. Ein Bundeshymne hat

, wie viele Lieder, die Aufgabe, das zu vereinen, was nicht immer so leicht zusammen passt indem sie die Möglichkeit schafft, dass der Herr Doktor aus Hofkirchen mit der Frau Maurerin aus Niederranna etwas gemeinsam tun kann. Nämlich lauthals singen.
Dass man heute kaum mehr gemeinsam singt, steht auf einem anderen Blatt.

Wir haben eine Hymne, die wie alle anderen Hymnen dieser Welt vollkommen veraltert ist (zum Glück schauen wir nicht beim Morgengrauen nach der Schlacht zur Fahne, oder tränken mit dem unreinen Blut die Äcker).
Dennoch: Wenn man den Zweck der Hymne erfüllen will, dann soll man sie so gestalten, dass man sie gemeinsam singen kann. Und wenn dazu unser Mitbürgerinnen speziell erwähnt werden sollen, dann bitte sehr.
Michael

pox vobiscum
00
23.11.2011, 09:30

Am besten gefällt mir die Aussage, dass die Mädels entdecken könnten, welch geheimnisvolle Dinge hinter den Naturgesetzen verborgen sind, anstatt die Sache umgekehrt zu formulieren und so klar zu machen, dass man durch Kenntnis von Naturgesetzen tolle (und für andere geheimnisvoll wirkende) Dinge machen kann.

curieux
01
23.11.2011, 09:09
Hervorragend!

So auf die Wissenschaft vorbereitet, wird sich das IST vor lauter Bewerbungen von Mädchen gar nicht mehr retten können!

Aung San Suu Tschi
 
00
22.11.2011, 19:15
Der Souverän, das Parlament, soll einen Wettbewerb ausschreiben

Man könnte wie bei einem mehrstufigen Architekten-Wettbewerb vorgehen: An Stufe 1 dürfen sich alle beteiligen, aus deren Hymnenvorschlägen werden 10 ausgewählt, über diese 10 gibt es dann eine Abstimmung.

In die Jury kommen Literaten, Historiker, Germanisten, Kulturwissenschaftler, Anthropologen, Musiker, Sänger, Journalisten, Politiker (alles mit -innen bitte).

Das Ganze dauert ein knappes Jahr, wird von/mit ORF-Sendungen vorbereitet und begleitet. Alle werden sich dadurch der Bedeutung einer Hymne, von identitätsstiftenden kulturellen Symbolen, von den sich ändernden historischen Gegebenheiten, der Rolle von Frauen und Minderheiten & der Schönheit von Klang und Worten bewusst. Ist doch gut!

Der Kluge
00
22.11.2011, 18:54

Netter Beitrag.
Aber wieso ist die Angelobung unserer Soldaten etwas pathetisches?

Das ist doch diese klassischer Antimiliarismus und Häme gegenüber Symbolen dieses Staates... Dass vom öster. Heer keine imperialistischen Kriege ausgehen, ist ohnehin evident.

Und wer steht zwischen den internationalen Finanzmärkten und dem Bürger? Nur die nationalen Staaten.

Über das Bekenntnis zu einem Staat/Volk/Kultur kann man sich leicht lustig machen. Mit der Aushöhlung der Nationalstaaten zöge allerdings eine reine Diktatur des Geldes einher.

Ob dieser totale Indvidualismus das Wahre ist? Der Mensch ist eine soziales Wesen und gesellschaftliche Institutionen wie Familie oder Staat erfüllen durchaus sinnvolle Funktionen.

Johannes Benn
00
22.11.2011, 21:10
.

familie und staat stehen zueinander im gegensatz...
wenns den staat nicht mehr gaebe, dann gaebe es auch keinen individualismus mehr, sondern clanartige strukturen wuerden an seine stelle treten

Kiki Novak
02
22.11.2011, 18:44
Wenn schon denn schon

Einig laß in Bruderschwesterchören,
Vatermutterland, dir Treue schwören.

Und bitte ab sofort im Standard auch TerroristInnen, BankräuberInnen, SexattentäterInnen, u. dgl. alle schön konsequent mit phallischem I in der Wortmitte.

Plus Lucis
00
22.11.2011, 18:06

Wenn man nicht in der Lage ist, den kritisierten Text korrekt wiederzugeben, sollte man von Detailkritik lieber absehen.

halar
11
22.11.2011, 17:49

"Ist eine Situation erstrebenswert, in der Treueschwüre für das Vaterland von Begeisterungsstürmen begleitet werden? "

Ja ist sie.
Eine Situation in der Leute begeistert sind das sich andere einem land verpflichten ist ansich positiv zu sehen.

roundabout
03
22.11.2011, 17:34
Text abschaffen.

Das schwülstige Gsangl ist unerträglich.

MartinB
10
22.11.2011, 17:24
"man/frau" is falsch!

Wenn Mann oder Frau "man" nicht alleine stehen lassen kann, weil das das selbe ist wie "Mann" nur halt klein geschrieben und um den dritten Buchstaben gebracht, dann sollte man das auch bei "Frau" tun. "fru" also
bzw "man/fru".

Franz Pschastak
00
22.11.2011, 17:15
Ja,ja

so hat jeder seine Probleme.
Manche dürfen sie auch lang und breit im Standard veröffentlichen und uns daran teilhaben lassen.
Calm down oida!

heurigenwirt
01
22.11.2011, 17:03

ich bin dafür, dass wir es wie die Spanier machen: Die haben nur die Melodie und keinen Text!

der schwitzbär der schwitzt sehr
413
22.11.2011, 16:41
Die neue Hymne folgt der weiblichen Logik

Das Konto ist überzogen und alles ein Durcheinand - aber die neue Handtasche ist schööön

Wir sollten den neuen Text Weiberhyme nennen - und uns von den Frauen zunehmend abkoppeln

sollen sie doch ihre eigene Welt basteln wie sie wollen

Aung San Suu Tschi
 
00
22.11.2011, 19:20
Danke, dass Sie sich noch Sorgen machen über die Frauen, von denen Sie sich ja schon lange abgekoppelt haben

Phil_Anthrop
12
22.11.2011, 17:43

viel spaß in ihrer eigenen kleinen welt und nicht aufs eierkratzen vergessen...

ein mann

Agor
00
22.11.2011, 15:57

wird vollkommen überbewertet und eh fast nur noch bei
Fußballspielen gesungen.

halar
00
22.11.2011, 17:52

Naja.....wäre vielleicht anders wenn man eine etwas bessere Melodie gewählt hätte.

roundabout
00
22.11.2011, 17:36
Gesungen ?

Eher gegrölt.

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