Starker Gegenwind für Netanjahu in der Knesset

21. November 2011, 18:51

Opposition: Rechte Regierung will Land in "finstere Diktatur verwandeln"

Mit Entwürfen zu Gesetzen, die die Bestellung der Höchstrichter und die Finanzgebarung von NGOs regeln sollen, hat Israels rechte Regierung massiven Protest bei der Opposition ausgelöst.

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Mit einer Serie von Gesetzesanträgen, die jetzt Israels Parlament beschäftigen, wolle die regierende Rechte das Land "in eine finstere Diktatur verwandeln, die ihre Bürger mundtot macht" , warnt Oppositionschefin Zipi Livni.

Die Initiatoren argumentieren hingegen, es handle sich bloß um "kleine technische Korrekturen" bei den Bestimmungen zur Auswahl von Richtern oder um gerechtfertigte Maßnahmen, die verhindern sollen, dass die israelische Politik von außen mitbestimmt wird - die Kritik hat jedenfalls schon so viel Unbehagen ausgelöst, dass Entwürfe abgemildert oder zurückgezogen wurden.

Misstrauen in der Opposition

Im Mittelpunkt der Debatten steht der Oberste Gerichtshof (OGH): Von rechts wird den Höchstrichtern traditionell vorgeworfen, sie seien "aktivistisch" und würden durch linksliberale Entscheidungen über die Köpfe der gewählten Mandatare hinweg Politik machen.

Im linken Lager ist man entsprechend misstrauisch gegenüber jedem Manöver, das die Unabhängigkeit oder die Zusammensetzung des OGH berühren könnte. Besonders heftige Abwehrreaktionen gab es daher gegen den Vorschlag zweier Abgeordneter der regierenden Likud-Partei, wonach Höchstrichter sich vor ihrer Nominierung einem öffentlichen Hearing im Parlament stellen sollten. Auch im Likud selbst schüttelten viele den Kopf, weil dadurch das Prinzip der Gewaltentrennung verletzt würde. "Das macht den OGH zur Filiale der Mehrheit, die gerade an der Macht ist" , sagte Unterrichtsminister Gideon Saar. Auf Geheiß von Premier Benjamin Netanjahu wurde der Entwurf auf Eis gelegt.

Hochaktuell ist hingegen der Streit um die "Lex Grunis" . Ascher Grunis müsste als längstdienender Höchstrichter routinemäßig nächster OGH-Präsident werden. Laut geltendem Gesetz muss aber ein Gerichtspräsident mindestens drei Jahre im Amt bleiben und spätestens mit 70 in Pension gehen. Demnach hätte Grunis das Pech, eine Spur zu alt zu sein - er würde einen Monat vor Ablauf der drei Jahre 70. Daher soll die Mindestdienstzeit von drei auf zwei Jahre reduziert werden, doch die Opposition sieht darin einen verfassungsrechtlich bedenklichen Versuch, einen OGH-Präsidenten ins Amt zu hieven, der wegen seiner konservativen Ansichten der Rechten sympathisch wäre. Noch viel komplizierter ist ein Streit über die Prozedur, mit der die Rechtsanwaltskammer ihre beiden Vertreter in jenem Komitee bestimmt, das die Höchstrichter wählt. Auch hier ist die Opposition misstrauisch.

Außerdem haben zwei Gesetzesentwürfe, die laut Kritikern unbequeme NGOs "finanziell austrocknen" sollen, auch international Aufsehen erregt: Demnach würden Subventionen ausländischer staatlicher Stellen an nicht bloß humanitäre, sondern "politische" israelische NGOs auf umgerechnet 4000 Euro begrenzt oder mit 45 Prozent besteuert werden. Geldspenden von Regierungen an bestimmte politische Lager in anderen Staaten seien nirgendwo in der Welt erlaubt, sagt Faina Kirschenbaum von "Israel Beitenu". Die Zuwendungen seien "eine Einmischung fremder Staaten in die Demokratie Israels". "Jeder, der nicht das Spiel Netanjahus und der Siedler spielt, wird aufs Korn genommen", wettert hingegen Yariv Oppenheimer von "Peace Now" (Friede jetzt).

Netanjahu hat reagiert und die Anträge bis auf weiteres blockiert. (Ben Segenreich aus Tel Aviv/DER STANDARD, Printausgabe, 22.11.2011)

jah fathead
01
22.11.2011, 12:49
Martin Dobes
 
20
22.11.2011, 10:31
Was derzeit diesbezüglich passiert, besorgt mich als Bürger dieses Staates sehr.

Viele Dinge, die in der isr. Innenpolitik vor sich gehen (dazu gehört auch die Diskussion um das Gesetz, das die Diffamierungsklagen in Israel entschieden erleichtern sollen) - bedeuten einen erheblichen Rechtsruck in der öff. Struktur des Landes.

Doch der Versuch der Links- und Rechtsextremisten in Europa, Israel in die Nähe des Nazismus zu bringen, ist nichts als die Bearbeitung des Argumentationsfeldes, in das man die These pflanzt, dass Israel sich denselben Verbrechen schuldig macht, wenigstens potentiell, wie die Nazis.
Und damit hätte man sich endlich von dem im kollektiven Unterbewußtsein schwelenden Schuldgefühl entledigt.
Doch die Bedrohung unter der Isr. lebt, ist nicht die Schimäre eines delierenden Volkes. Sie ist Realität.

Adam Markus
08
22.11.2011, 03:56

Ich frage mich bloß was passieren würde, wenn die US Regierung plötzlich ähnliche Gesetze in Bezug auf zB die AIPAC beschließen würde.

Davon abgesehen wird jedem der schon einmal in Israel gewesen ist aufgefallen sein wie viel dort aus ausländischen Spenden stammt. Jeder Krankenwagen den ich zum Beispiel gesehen habe, war eine Spende aus den USA.

Sollten also die Israelis ihre Krankenwagen und Krankenhauseinrichtungen in Zukunft nicht mehr brauchen, könntenn sie sie ja den Palästinensern schenken. Die freuen sich sicher....

Ansonsten die selbe Geschichte wie hier auch. Bürgerrechte werden ausgehöhlt und der Staat immer weiter auf den kommenden Autoritarismus vorbereitet.

ziemlich wichtig
00
8.12.2011, 10:20
nochmal langsam lesen

dann klappts (vielleicht) auch mit dem Verstehen des Artikels...

NONE
08
22.11.2011, 02:29

Ich sehe das Problem nicht - die Regierung wurde gewählt und baut Israel um. Das machen andere, wie in Ungarn, genauso.

Wenn die Israeli nicht zufrieden sind werden sie die Hardliner schon abwählen.

Und wenn nicht, dann eben nicht.

Das Gefuzzel hier "Israel wird eine Diktatur" ist lächerlich. Es hiesse ja das Israel eine Demokratie wäre und gewisse Standards einhält. Das ist nicht der Fall - Israel ist eine Okkupationsmacht die unrechtmässig Land enteignet hat. Siehe auch Vanunu der nicht ausreisen darf obwohl er nicht mehr in haft ist - wie wäre das möglich in einer Demokratie?

Israel ist eine Mischform aus Diktatur und Demokratie.

Graf_Noldav
 
01
21.11.2011, 23:41
Israel, die einzige Demokratie im Nahen Osten...?

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